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Wirtschaft Nutella-Erbe in Italien zu Grabe getragen
Mehr Welt Wirtschaft Nutella-Erbe in Italien zu Grabe getragen
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08:30 28.04.2011
30.000 Menschen verfolgen die Trauerzeremonie vor der Kirche von Alba. Quelle: dpa

Diesen Konzern konnte eigentlich nichts umwerfen: krisenfeste Produkte mit Weltruf, eine solide Familie – Italiens reichste – als Eigentümer und Leitung, ein ungebrochenes Wachstum seit 60 Jahren und anstatt Schulden ein komfortables Geldpolster. Jetzt aber ist den Ferreros das passiert, was in der Familie als das Schlimmste gilt: Der Erbe ist tot, die Zukunft in Gefahr.

Ihr Vermögen haben die Ferreros mit Süßigkeiten gemacht – seit Opa Pietro, der Konditor, 1946 jene streichbare Nussnougatcreme erfand, die als „Nutella“ eine Weltkarriere hinlegte. Dem Gründer folgte sein Sohn Michele, der sowohl in der Erfindung als in der Vermarktung neuer Süßwaren als Genie gilt. Marken wie Mon Chéri, Kinder-Schokolade, Überraschungseier, Ferrero Rocher und Tic Tac gehen auf Michele Ferrero zurück.

Bis heute ist er der starke „Padrone“, der Familie und Konzern zusammenhält. Am Dienstag wurde Michele Ferrero 86 Jahre alt. Gestern musste er seinen Sohn begraben, der ihm nachfolgen sollte: Pietro Ferrero, den beim Radtraining in Südafrika ein Herzinfarkt niedergestreckt hatte. Erst 47 Jahre war er alt.

Der Form nach war der junge Ferrero bereits Präsident dieses Unternehmens, das eines der wenigen italienischen Weltkonzerne ist: 21 700 Beschäftigte, 18 Produktionswerke auf drei Kontinenten, 6,6 Milliarden Euro Jahresumsatz, 654 Millionen Euro Gewinn. Wobei die Zahlen schon eine wichtige Neuheit darstellen. Eiserne Verschwiegenheit gilt sonst als Kardinaltugend dieses Konzerns im piemontesischen Alba – und erst jetzt, als sie den toten Erben zwischen Rohstofflager und Nussrösterei aufbahrten, vor einer großen Madonnenstatue, hatten viele Stadtbewohner die Möglichkeit, einen Blick hinter die Mauern zu werfen. Alba, etwas südöstlich von Turin, ist eine arbeitsame und reiche Stadt. Allein Ferrero beschäftigt 5000 „Albesi“, und wegen seiner Sozialleistungen sowie seiner Unternehmenskultur ist Ferrero bei Italiens Stellensuchenden der gefragteste Arbeitgeber. Die Familie hat sich das Motto „lavorare, creare, donare“ gegeben: arbeiten, aufbauen, schenken. Am Ende bleibt ja immer noch genug übrig.

In die Schlagzeilen drängt der Konzern nur, wenn er seine eigenen Produkte verteidigt. 2007 zum Beispiel, als er (erfolglos) bis zum deutschen Bundesgerichtshof zog, um der Gummibären-Konkurrenz von Haribo den Markennamen „Kinder Kram“ zu verbieten. Den Weltuntergang gar beschwor Ferrero 2010 herauf, als die EU beschloss, Nahrungsmittel nach ihrem Gesundheitswert zu kennzeichnen. Vielleicht hätte Ferrero demnächst noch andere Schlagzeilen gemacht: mit einer Übernahme des Milchkonzerns Parmalat. Rom wollte das so, um französische Konkurrenten rauszuhalten, und Ferrero überlegte tatsächlich, seine Isolation aufzugeben. Doch jetzt ist der Firmenerbe tot, und seinem jüngeren Bruder Giovanni trauen viele die Unternehmensführung nicht zu.

Gestern hatten Geschäfte und Behörden in Alba geschlossen. 30 000 Menschen kamen zur Beerdigung Pietro Ferreros, viel Politik, Silvio Berlusconi. Der zweite Mann im Vatikan, Tarcisio Bertone, reiste eigens für die Trauermesse an. „Ein staunenswertes Beispiel“ habe Pietro Ferrero als Unternehmer gegeben, predigte der Kardinal; man solle es nachahmen. Aber wer?

Paul Kreiner

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