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Wirtschaft Krankenkassen rutschen ins Minus
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06:56 27.02.2015
Von Gabi Stief
Erstmals seit 2008 schreiben die gesetzlichen Krankenkassen wieder rote Zahlen. Quelle: Daniel Karmann
Hannover

Aufgrund stattlicher Kassenrücklagen von rund 16 Milliarden Euro bleiben die Versicherten aber vorerst von neuen Rechnungen verschont. Kurzfristig ändere sich nichts an der guten Finanzsituation, versicherte Verbandssprecher Florian Lanz in Berlin. Allerdings rechne der Verband bereits im nächsten Jahr aufgrund steigender Ausgaben für Ärzte, Kliniken und Medikamente mit höheren Zusatzbeiträgen.

Derzeit liegt der Zusatzbeitrag bei durchschnittlich 0,9 Prozent; zwei kleine Kassen verzichten ganz; acht Kassen verlangen mehr, im Extremfall 1,3 Prozent des Einkommens. Seit Jahresbeginn müssen diese Prämien allein von den Versicherten bezahlt werden – zusätzlich zum 7,3-Prozent-Arbeitnehmeranteil des Beitragssatzes von 14,6 Prozent.

Nicht alle 131 Kassen rutschten im vergangenen Jahr ins Minus. Die AOK-Familie verzeichnete durchweg Überschüsse von insgesamt 420 Millionen Euro; bei der AOK Niedersachsen beträgt der Gewinn nach vorläufiger Rechnung 66 Millionen Euro. „Ein Ergebnis, das uns freut“, sagte AOK-Sprecher Carsten Sievers gestern auf Anfrage. Angesichts erwarteter Ausgaben von 7,7 Milliarden Euro in diesem Jahr, gebe es dennoch keinen Anlass, allzu optimistisch in die Zukunft zu schauen.

Die sechs Ersatzkassen schlossen dagegen 2014 mit einem Defizit von rund 1,1 Milliarden Euro ab. Ein Teil sei auf Prämienauszahlungen zurückzuführen, hieß es beim Verband der Ersatzkassen (vdek). Am stärksten hat die Techniker Krankenkasse (TK) im vergangenen Jahr ihre Mitglieder mit Prämien an der guten Finanzlage beteiligt; sie zahlte insgesamt 543 Millionen Euro aus und registrierte am Jahresende ein Minus von 429 Millionen Euro.

$,2 Prozent mehr für Niedersachsens Ärzte

Zahl der Psychotherapeuten steigt: Niedersachsens rund 12 000 niedergelassene Ärzte haben im vergangenen Jahr ihr Honorar um 4,2 Prozent auf rund 3,4 Milliarden Euro gesteigert. Das geht aus einer Hochrechnung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) hervor, die auf den Abrechnungsdaten der ersten drei Quartale basiert. Die Kassenärztliche Vereinigung bestätigte die Angaben im Prinzip. „Die niedersächsischen Ärzte verzeichnen auch nach den kräftigen, teilweise sogar zweistelligen Honorarzuwächsen der jüngeren Vergangenheit weiterhin eine sehr gute Einkommensentwicklung“, sagte der Leiter der vdek-Landesvertretung, Jörg Niemann, am Donnerstag in Hannover. Noch besser als die Ärzte schnitten die Psychotherapeuten ab: Ihr Honorarvolumen stieg um 9,6 Prozent. Die Krankenkassen vergüten die Berufsgruppe seit 2013 außerhalb des mit der Kassenärztlichen Vereinigung vereinbarten Budgets. In der Folge erhöhte sich die Zahl der Therapeuten um 4,3 Prozent auf 1518, die der Behandlungen um 7,6 Prozent. Damit werden 83 800 Niedersachsen regelmäßig psychotherapeutisch versorgt, das entspricht rund 1,2 Prozent der Landesbevölkerung. Die Krankenkassen stellen dafür nach eigenen Angaben 3,9 Prozent des gesamten ärztlichen Honorarvolumens zur Verfügung. jen

Ein weiterer Grund für die Verluste von TK, DAK und Co. ist nach Ansicht des vdek der gesetzlich verordnete Finanzausgleich der Kassen. Falsche Stellschrauben sorgten für einen Wettbewerbsnachteil bundesweit agierender Krankenkassen gegenüber Regionalkassen. Anders sei nicht zu erklären, dass allein die elf AOKen Überschüsse machten. Der Verband forderte die Politik erneut auf, den Wettbewerb fairer zu gestalten.

Die 107 Betriebskrankenkassen verbuchten ein Minus von 170 Millionen Euro, die sechs Innungskassen von 220 Millionen Euro und die Knappschaft von 20 Millionen Euro.

Detaillierte Angaben kündigten das Bundesgesundheitsministerium und der GKV-Spitzenverband gestern für März an. Fest steht, dass sich in der Schlussbilanz die Reserven bei den einzelnen Kassen und im Gesundheitsfonds, der die Beiträge einsammelt und nach festen Regeln an die Kassen verteilt, auf fast 29 Milliarden Euro summieren. Angesichts teurer Reformprojekte wie die Klinikfinanzierung, das Präventionsgesetz und ein Innovationsfonds und steigender Ärztehonorare dürfte das Sparguthaben in nächster Zeit rasant schmelzen. Um erstmals seit 45 Jahren auf neue Haushaltskredite verzichten und eine „schwarze Null“ schreiben zu können, hat die Bundesregierung zudem den Steuerzuschuss an die Krankenkassen erneut um 2,5 Milliarden Euro gekürzt.

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