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22:21 04.09.2014
Von Simon Benne
Ein Herz für Erdäpfel: Bayerns Kartoffelkönigin Kathrin. Quelle: Rainer Surrey
Springe

So stoisch, wie ein Eisbrecher durch die Wellen des Nordmeers pflügt, zieht der „Keiler II“ seine Bahnen auf dem Kartoffelacker. Der „Keiler II“ ist ein Zweireiher-Roder. „Das heißt, dass er zwei Reihen Kartoffeln auf einmal rodet“, ruft Bastian Kieninger. Beim Landmaschinenbauer Ropa ist Kieninger für Prototypen zuständig. Jetzt steht er hoch auf dem gelben Wagen, der da im Fahren Dämme abnimmt, Kartoffeln rodet und Erde über Siebbänder wieder ausspuckt. „Je nachdem, wie schwer der Boden ist, schafft der ,Keiler II‘ fünf Hektar am Tag“, ruft Kieninger.

Neben seinem riesigen Roder steht eine Gruppe von Asiaten auf dem Acker und fotografiert mit ihren iPads. Ein Bauer aus Vechta geht hinter dem „Keiler II“ in die Knie. Prüfend lässt der Hosenträgerträger Erde durch die Finger rieseln: „Gut“, sagt er nur.

Es gibt Kartoffelroder, die sind so groß wie ein Einfamilienhaus. Und ebenso teuer. Maschinenvorführungen wie diese sind daher die Highlights der PotatoEurope. Bei der Freilandmesse, die gestern zu Ende ging, hat sich ein schmucker Acker bei Springe-Mittelrode für zwei Tage in das Epizentrum des weltweiten Kartoffelwesens verwandelt.

Rund 200 Aussteller aus 13 Ländern treffen bei der Messe auf 10 000 Besucher. Hier erfährt man alles über Knollenkrankheiten, Furchenbehandlung und Agrardüsenzubehör. Vor dem Gelände stehen zahlreiche Diesel-Kombis mit Anhängerkupplung, und auf dem Gelände sind karierte Hemden so gängig wie Casual-Friday-Anzüge bei der CeBIT.

Das Publikum ist international, Kartoffeln gehen überall: „Wir interessieren uns vor allem für die Maschinen“, sagt der Farmer Ankait Patel, der daheim in Indien 400 Hektar Kartoffeln anbaut. Ein polnischer Pommesproduzent, der neben dem Inder übers Freigelände schlendert, sucht neue Saatkartoffeln. Und Peter Pensini ist eigens aus Australien angereist: „Bei uns läuft das Kartoffelgeschäft gut“, sagt der Mann mit dem Cowboyhut lachend. Die Ernte seines Großbetriebs lässt der Bauer von seiner heimischen Farm mit Trucks bis nach Melbourne fahren. „Das sind gut 3000 Kilometer“, sagt er. Dann legt er seine Hände, die groß wie Klodeckel sind, auf eine gewaltige Maschine, die sein Interesse gefunden hat. Über ein Fließband rollen Abertausende von Kartoffeln an ihm vorbei.

„Diese Kombination schafft bis zu 80 Tonnen die Stunde“, erklärt Thomas Kuddes, Produktmanager beim Landmaschinenbauer Grimme. Die Maschine ist ein Einlagerungssystem: Kartoffeln werden aus einem Schüttbunker über Enterdungseinheiten mit Rollen und Förderbändern ins Kartoffellager verfrachtet. Kostenpunkt der Anlage: Rund 120 000 Euro. Inklusive Schüttbunker. Während mancher Städter noch glaubt, jede Kartoffel werde von einer herzensguten Bauersfrau mit schwieligen Händen aus der Krume geborgen und an der Kittelschürze blank gerieben, ist die maschinelle Hochrüstung auf dem Acker weit gediehen. Doch die Branche kämpft mit Problemen. Besonders bei Jüngeren hat die Kartoffel ein Imageproblem.

„Die Deutschen essen immer weniger Kartoffeln“, sagt Kathrin Schoderer. Die Bayerische Kartoffelkönigin steht im giftgrünen Dirndl auf dem staubigen Acker von Mittelrode. Bei der Grünen Woche in Berlin zeigt sie ebenso Flagge wie auf Wochenmärkten – oder eben bei der PotatoEurope. Etwa 57 Kilo Kartoffeln äße der Durchschnittsdeutsche pro Jahr, sagt sie – vor wenigen Jahren waren es noch doppelt so viel: „Kartoffeln kochen dauert eben länger als eine Tiefkühlpizza warm zu machen.“ Ein wenig klingt es, als sei mit dem gesunden Nahrungsmittel auch ein Stück deutsche Esskultur auf dem Rückzug.

Auch Händler blicken pessimistisch drein: „Heuer haben wir schlechte Preise“, klagt der bayerische Kartoffelhändler Johann Klink. Die Ernte war zu gut, teils erlösten Landwirte nur noch sechs Euro pro Doppelzentner: „Was der Bauer produziert, ist nichts mehr wert.“

Dabei arbeiten Züchter ständig daran, die Sorten zu optimieren: Niederländische Anbieter präsentieren bei der PotatoEurope an ihren blitzsauberen Ständen die Kartoffel „Messi“, die ideal für die Pommesproduktion ist: „Da dürfen Kartoffeln nicht zu viel Wasser und Zucker enthalten – sonst werden sie nicht so schön gelb“, sagt ein Züchter. Und auf dem „Peeling-Markt“ – Kartoffeln, die geschält in Tüten verkauft werden – setzt sich mehr und mehr die Sorte „Peela“ durch: „Für die Vakuumverpackungen braucht man einen hohen Stärkegehalt“, sagt Werner Menke, Produktmanager beim Pflanzkartoffelanbieter Solana.

In jahrelanger Zuchtarbeit hat die Firma mit Speise- und Pommeskreuzungen experimentiert, bis schließlich „Peela“ herauskam. Traditionssorten wie „Sieglinde“ oder „Linda“ sind längst Auslaufmodelle. Auch aus wirtschaftlichen Gründen: Neue Sorten wie „Lilly“ sind besonders resistent gegen Krankheiten, oder sie gehen – wie die „Princess“ – in Waschanlagen nicht so schnell kaputt. Kulinarische Moden, modernste Forschung und ökonomischer Profit bilden das Dreieck der Kartoffelbranche.

„Wir sind hier vor allem auf der Suche nach Sorten, die sich auch zu Pommes frites oder Kartoffelchips verarbeiten lassen“, sagt Agatha Wamuyu Thuo. Die Mitarbeiterin des Landwirtschaftsministeriums in Kenia geht mit ihrer Delegation über eines der Versuchsfelder der PotatoEurope. In langen Reihen sind hier „Ingrid“ oder „Arielle“ gepflanzt. Der Niederländer Peter Kreijger von der Saatmittelfirma Europlant stellt den Afrikanern die Sorten vor. „Um ein Kilo Reis zu produzieren, braucht man 1700 Liter Süßwasser“, rechnet er vor. „Für ein Kilo Kartoffeln nur 1200 Liter.“ Afrika ist ein trockenes Land, sagt er und blickt über den Springer Acker: „In Afrika hat die Kartoffel eine große Zukunft.“

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