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Deutschland / Weltweit Wie gefährlich ist Kosmetik mit Nanoteilchen?
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16:52 13.12.2015
Die Kosmetikindustrie arbeitet mit Hochdruck an der Verbesserung ihrer Produkte. Doch ist diese immer im Sinne der Verbraucher? Quelle: dpa
Hannover

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) versucht Aufklärung zu betreiben - auch wenn das nicht so einfach ist. „In Bezug auf die Risiken sind noch sehr viele Fragen offen“, sagt Rolf Buschmann vom BUND. „Darüber müssen die Verbraucher informiert werden. Und sie sollten die Möglichkeit haben, solche Produkte zu meiden.“ Der BUND befürwortet daher die Kennzeichnungspflicht, die seit 2013 für Kosmetika mit Nanobestandteilen gilt.

Deutliche Warnhinweise auf den Packungen gibt es allerdings nicht, ohne Lesebrille sind die Hinweise kaum zu erkennen. In der meist kleingedruckten Liste der Inhaltsstoffe findet sich lediglich vor den Substanzen der Zusatz Nano. Die Kennzeichnung ist dezent, weil noch nicht genau bekannt ist, wie groß die Gefahren einer Anwendung tatsächlich sind. Allerdings haben Forscher zumindest nachgewiesen, dass Nanopartikel kleine Wasserorganismen stärker schaden als bisher angenommen. Koblenzer Experten forschten an Wasserflöhen. Setzten sie diese Kleinkrebse erhöhten Konzentrationen von Titandioxid-Nanoteilchen aus, zeigten sich bei deren Nachkommen deutliche Folgen: Ihre Schwimmfähigkeit war beeinträchtigt. Für Menschen jedoch fehlt es an umfassenden Studien.

Krebs bei Versuchstieren

Was dagegen bekannt ist: Besonders häufig in Kosmetikprodukten enthalten sind Nanopartikel von Titandioxid und Zinkoxid. Beide Stoffe reflektieren das Sonnenlicht, und waren zuvor bereits in normaler Größe Bestandteil von Sonnenschutzmitteln. „Ein wirksamer Schutz war auch dadurch schon möglich“, sagt Buschmann. Allerdings hinterließen die alten Cremes einen weißen Film auf der Haut. Werden die Wirkstoffe aber in Größe von Nanopartikeln hinzugefügt, macht das die Sonnenlotionen geschmeidiger und transparenter.

Was viele Verbraucher nicht wissen: In Tierversuchen löste Nano-Titandioxid Lungenkrebs aus, wenn größere Mengen davon in die Atemwege gelangten. Die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation stufte es daher auch als möglicherweise krebserregend für den Menschen ein. Zudem schädigte es in Experimenten das Hirn- und Nervensystem ungeborener Mäuse und hemmte bei männlichen Tieren die Spermienproduktion.

Zwerge mit speziellen Kräften

Nano leitet sich vom griechischen Wort „Nános“ ab, übersetzt bedeutet das Zwerg. Nanopartikel sind winzige Teilchen, ihre Größe wird in der Einheit Nanometer gemessen, was gerade einmal einem Milliardstel Meter entspricht. Allgemein können Nanopartikel sowohl auf natürlichem Wege, zum Beispiel nach einem Vulkanausbruch, als auch durch den Einfluss des Menschen, etwa durch Industrie- oder Autoabgase, in die Umwelt gelangen.

Synthetische Nanopartikel sind künstlich hergestellte Teilchen, die gezielt mit Eigenschaften oder Funktionalitäten ausgestattet sind. Solche Partikel sind heute in immer mehr Produkten enthalten, auch in Textilien, Wandfarbe, oder sogar Lebensmitteln. Solange Nano-partikel fest in Materialien eingebunden sind und nicht freigesetzt werden, ist nach Ansicht des Umweltbundesamtes eine Gefährdung von Mensch und Umwelt kaum zu erwarten.

Nano-Zinkoxidpartikel schädigten Magen, Leber, Herz , Milz und Bauchspeicheldrüse, wenn Labortiere sie mit dem Futter aufnahmen. Sowohl Nano-Titandioxid als auch Nano-Zinkoxid können Studien zufolge außerdem freie Radikale produzieren. Diese wiederum können das Erbgut in menschlichen Zellen schädigen, wenn die Haut UV-Licht ausgesetzt ist.

Der BUND fasst all diese Erkenntnisse auf seinen Internetseiten zusammen. Buschmann rät trotzdem dazu, die Risiken abzuwägen. „Ich finde es besser, eine Sonnenmilch mit Nanopartikeln zu benutzen, als gar keine“, sagt er. Das Krebsrisiko durch Sonnenbrand sei nach dem derzeitigen Wissensstand höher. Das liegt auch daran, dass Sonnenmilch nicht direkt eingeatmet wird. Und wie viel Sonnenmilch beim Eincremen in den Organismus gelangt, ist unklar. Größere Mengen durchdringen die Haut womöglich nur dann, wenn diese geschädigt ist.

"Mann muss fragen, ob solche Produkte notwendig sind“

Allerdings werden die Nanopartikel nicht bloß Sonnenlotionen, sondern auch normalen Cremes für den täglichen Gebrauch beigesetzt. Als „Lichtschutzfaktor“ dienen sie dann nicht mehr in erster Linie dem Krebsschutz. Sie sollen vor allem die durch Licht bedingte Hautalterung bremsen. Manchen Anti-Aging-Cremes werden auch sogenannte Fullerene hinzugefügt: Kohlenstoff-Nanokugeln, die ebenfalls die Haut jung halten sollen. „Hier muss man sich schon fragen, ob solche Produkte unbedingt notwendig sind“, sagt Buschmann.

Ein weiterer Stoff, der in Nanopartikelgröße Pflegeprodukten zugesetzt wird, ist Silber. Wegen seiner antibakteriellen Wirkung steckt das Nano-Silber beispielsweise in Cremes zur Behandlung von Neurodermitis. Gerade bei Menschen mit Neurodermitis, empfindlicher Haut oder allergischen Hautreaktionen, besteht aber die Gefahr, dass Partikel die Hautbarriere überwinden und in den Körper gelangen. Die deutsche Allergiker-Akademie rät dieser Gruppe daher zur Vorsicht bei der Anwendung von Nano-Kosmetika. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist Silber in Nanoform besonders giftig, hohe Dosen können demnach die Organe von Versuchstieren schädigen. Außerdem sieht das BfR die Gefahr, dass Silber Antibiotikaresistenzen bei Bakterien fördern kann, und warnt generell vor der Anwendung in Alltagsprodukten.

Abgesehen von der unmittelbaren Wirkung auf den menschlichen Körper fürchten Experten mittlerweile die Ausbreitung der Nanopartikel in der Umwelt. Auch Rückstände aus der Kosmetik gelangen über das Abwasser in die Natur. Laut BUND sind Nano-Titandioxid und Nano-Zinkoxid aber auch toxisch für Algen. So ist nicht absehbar, wie sich Ökosysteme verändern, wenn sich immer mehr der Partikel verbreiten. Mehr Transparenz und Regulierung hält der BUND auch bei weiteren Nanoprodukten für nötig, vor allem bei Lebensmitteln. Er will verhindern, dass bestehende Gesetze in Zukunft aufgeweicht werden.

Von Irene Habich

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