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Deutschland / Weltweit Türkische Wirtschaft befindet sich im Höhenflug
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19:18 06.07.2010
Renault-Werk in Bursa: Die Türkei entwickelt sich zum Exportland. Quelle: dpa

Die Türkei hat die Rezession weit hinter sich gelassen. Nachdem die Wirtschaft bereits im letzten Quartal des vergangenen Jahres um 6 Prozent zulegte und damit die Erwartungen übertraf, verzeichnete das Land in den ersten drei Monaten dieses Jahres einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 11,7 Prozent.

Seit sechs Jahren hat die türkische Wirtschaft nicht mehr so stark zugelegt. Für das Gesamtjahr erwartet der Internationale Währungsfonds ein Wirtschaftswachstum von 6,25 Prozent. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellt der Türkei sogar ein Plus von 6,8 Prozent in Aussicht.

Nachdem die türkische Wirtschaft im Krisenjahr 2009 um fast 5 Prozent geschrumpft war, hat die Zentralbank mit Zinssenkungen die Konjunktur wieder angekurbelt. Die Regierung senkte überdies die Verbrauchssteuern für Autos und Haushaltsgeräte. Das belebte die Binnennachfrage. Wichtigste Säule des Aufschwungs ist aber der Export: die türkischen Ausfuhren stiegen in den ersten drei Monaten um 22,4 Prozent. Im Mai verstärkte sich der Trend mit einem Plus von 25 Prozent sogar noch.

Größter Absatzmarkt für die türkischen Exporteure sind die EU-Staaten, in denen sie 40 Prozent ihrer Waren absetzen. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner. Neben traditionellen Exportgütern wie Textilien und Nahrungsmitteln liefert die Türkei zunehmend Autos, Kfz-Komponenten, Hausgeräte und Unterhaltungselektronik nach Europa. Renault, Fiat, Ford, Toyota und Honda fertigen Fahrzeuge in Anatolien, Daimler und MAN bauen dort Busse und Lkw. Auch ein Großteil der in Europa verkauften Flachbildfernsehgeräte kommt aus türkischer Produktion.

Der Exportboom unterstreicht die wachsende Bedeutung der Türkei als Handelspartner Europas, aber auch die zunehmende Orientierung des Landes auf die arabischen Nachbarn. Der Aufschwung stützt die Ambitionen des konservativen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan, die Türkei zur regionalen Führungsmacht im Nahen Osten aufzubauen – ein Kurs, der allerdings vielen im Westen Unbehagen bereitet.

Die Märkte im Nahen Osten spielen für die türkischen Exporteure eine immer größere Rolle. Der Handel der Türkei mit der arabischen Welt hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Und er soll weiter wachsen. Mit Syrien, dem Libanon und Jordanien verhandelt Ankara bereits über eine Freihandelszone. Das Ziel von Außenminister Ahmet Davutoglu ist: „Ein Fernlastwagen soll von der Türkei bis nach Marokko durchfahren können, ohne an einer Grenze anhalten zu müssen.“

Auch der Handel mit dem benachbarten Iran wächst stark. Das Land ist traditionell der zweitgrößte Energielieferant der Türkei nach Russland, bekommt aber auch als Absatzmarkt immer größere Bedeutung. Das erklärt, warum die Türkei kürzlich im Weltsicherheitsrat gegen die neuen Sanktionen votierte, mit denen die internationale Gemeinschaft die Mullahs im Iran zum Einlenken im Atomstreit zwingen will.

Schulterschluss mit Teheran, Eiszeit mit Israel: seit dem israelischen Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte, bei dem Ende Mai neun Türken starben, hat Erdogan die Beziehungen zu Israel eingefroren. In der arabischen Welt wird er dafür als Volksheld gefeiert. Das fördert auch die Handelsbeziehungen.

Nicht wenige im Westen fragen bereits besorgt, ob das Nato-Land Türkei abdriftet in eine wirtschaftliche und politische Allianz mit Iran, Syrien und Russland. Premier Erdogan und sein Außenminister Davutoglu dementieren solche Befürchtungen energisch: Ziel bleibe der Beitritt zur Europäischen Union.

Gerd Höhler

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