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Deutschland / Weltweit Keiner will mehr Brummifahrer werden
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18:35 16.06.2013
Von Dirk Stelzl
Nicht nur lange Autobahnstaus zehren an den Nerven der Lkw-Fahrer. Das Transportgewerbe hat Nachwuchssorgen – dies verstärkt den Druck, höhere Löhne zu zahlen. Quelle: dpa
Hannover

Berufsalltag auf der Autobahn – dafür lassen sich nicht mehr genügend Nachwuchskräfte begeistern. Das Transportgewerbe klagt über einen zunehmenden Mangel an Lkw-Fahrern. Unternehmen können gute Mitarbeiter oftmals nur dann halten oder zu sich locken, wenn sie deutlich höhere Löhne zahlen. Die Fluktuation ist beträchtlich, Firmen werben häufig Fahrer anderer Betriebe ab. All dies stärkt die Position der Gewerkschaft ver.di bei den Tarifverhandlungen für die Speditions- und Logistikbranche in Niedersachsen, die am 20. Juni in die zweite Runde gehen. ver.di fordert eine Entgelterhöhung um 6 Prozent. „Es gibt Unternehmen, die wegen Fahrermangels Aufträge ablehnen müssen“, berichtet der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN), Bernward Franzky. Manche Firma würde mehr Fahrzeuge anschaffen – wenn sie denn ausreichend Personal fände.

Wegen der schwächeren Konjunktur braucht die Branche derzeit zwar nicht so viele Fahrer wie in Boomzeiten. Der Bedarf dürfte aber größer werden, wenn die Güterströme wieder wachsen. „Das Problem verschärft sich von Jahr zu Jahr“, meint auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), Karlheinz Schmidt. Schon jetzt gebe es mehrere Tausend offene Stellen für Fahrer.

Anstrengende Arbeit, überfüllte Rastplätze, Termindruck

Auch der Transportbranche macht der demografische Wandel zu schaffen. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit gab es im Jahr 2011 bundesweit mehr als 805 000 Kraftfahrer mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung – 39 Prozent davon waren 50 Jahre oder älter. Zahlreiche Mitarbeiter etwa, die in den 1990er Jahren als Umsiedler aus den neuen Bundesländern oder Russland hierhergezogen seien, gingen in absehbarer Zeit in den Ruhestand, erklärt der GVN. Außerdem setzte die Branche früher stark auf Mitarbeiter, die noch bei der Bundeswehr den Lkw-Führerschein gemacht haben. Die Ausbildung in den Betrieben hingegen sei vernachlässigt worden, meint ver.di-Sekretär Joachim Schwiderke. „Das rächt sich jetzt.“

Um Abhilfe zu schaffen, will das Transportgewerbe künftig mehr junge Leute ausbilden. Es arbeitet verstärkt mit Berufsschulen zusammen. Hinzu kommen Bewerber, die sich mit Unterstützung der Arbeitsagenturen zum Lastwagenfahrer umschulen lassen. Auch wird versucht, ältere Fahrer länger an Bord zu halten – indem man sie zum Beispiel für weniger belastende Touren einsetzt.

Das Image des Berufs ist jedoch nicht gut. Anstrengende Arbeit, überfüllte Rastplätze, Termindruck – viele Beschäftigte wollen sich das ersparen und arbeiten lieber in der Industrie. Zudem würden Fahrer an Verladerampen von Kunden, deren Waren sie transportieren, häufig schlecht behandelt, ärgert sich GVN-Hauptgeschäftsführer Franzky und verlangt mehr Respekt für die Kollegen: „Das muss besser werden.“ Auch ver.di fordert, dass den Fahrern eine größere Wertschätzung entgegengebracht werde – besonders bei der Bezahlung, die zu gering sei. „Die Löhne sind nicht wirklich motivierend, Berufskraftfahrer zu werden“, betont Gewerkschafter Schwiderke. Der Fahrer werde oftmals als der „Posten im Transportgewerbe“ angesehen, an dem man sparen könne. „So sehen es vor allem die Auftraggeber. Das halten wir für unmenschlich.“

In Niedersachsen beträgt der monatliche Tariflohn eines Berufskraftfahrers laut ver.di bei einer 40-Stunden-Woche im Nahverkehr etwas mehr als 1700 Euro und im Fernverkehr 1630 Euro brutto. Es gibt Zuschläge etwa für Überstunden und Nachtarbeit, die besonders im Fernverkehr eine Rolle spielen. Nach Angaben des GVN kommen Lkw-Fahrer meist auf Einkommen zwischen 1800 und 2500 Euro brutto im Monat. Zudem wird Weihnachts- und Urlaubsgeld gezahlt.

Angesichts der Nachwuchssorgen nimmt der Druck auf die Firmen zu, ihren Mitarbeitern höhere Löhne zu bieten. In prosperierenden Ballungsräumen besonders in Süddeutschland ist dies bereits der Fall. Die Einkommen der Lkw-Fahrer dürften in den kommenden Jahren „überproportional“ steigen, meint Franzky. Die Frage sei allerdings, inwiefern es dem Transportgewerbe gelinge, bei den Auftraggebern entsprechend höhere Preise durchzusetzen. Für Franzky ist jedoch klar: Wenn die Kunden die Verkehrsströme aufrechterhalten wollten, müssten sie sich darauf einstellen, auch mehr zu bezahlen.

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