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Deutschland / Weltweit Mindestlohn fördert Schwarzarbeit
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09:25 03.02.2015
Quelle: Boris Roessler/dpa (Symbolfoto)
Tübingen

Der seit Januar geltende Mindestlohn erhöht die Schattenwirtschaft in Deutschland einer Studie zufolge in diesem Jahr um 1,5 Milliarden Euro - und verhindert so erstmals seit Jahren einen weiteren Rückgang von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) bleibt daher unverändert bei 12,2 Prozent, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz hervorgeht. Demnach war der Wert hierzulande mit Ausnahme des Krisenjahrs 2009 bisher seit Jahren rückläufig.

„Die aktuelle Entwicklung ist auch durch den Mindestlohn bedingt“, erklärte IAW-Direktor Bernhard Boockmann. Für sich genommen hätten die robuste Konjunktur und Lage auf dem Arbeitsmarkt laut der Prognose für einen Rückgang der Schattenwirtschaft gesorgt. Mit dem Begriff werden sowohl Schwarzarbeit als auch illegale Beschäftigung und kriminelle Aktivitäten wie Hehlerei und Betrug bezeichnet. Nach Schätzung der Experten dürfte tatsächlich aber nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Minimallohns durch Schwarzarbeit umgangen werden. Denn die notwendigen Lohnsteigerungen in den dafür typischen Branchen liegen den Fachleuten zufolge insgesamt bei etwa 7 Milliarden Euro. Der erwartete Anstieg der Schattenwirtschaft von 1,5 Milliarden Euro durch den Mindestlohn ist wesentlich geringer.

Schwarz gearbeitet wird demnach besonders häufig in Gaststätten, Hotels sowie Teilen der Bauwirtschaft. Auch bei persönlichen Dienstleistungen und in der Landwirtschaft werde in Deutschland vergleichsweise häufig am Fiskus vorbei verdient, hieß es. Mit Blick auf andere Länder steht die Bundesrepublik aber nicht schlecht da: Im Vergleich zu anderen OECD-Staaten, die sich der Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fühlen, liegt Deutschland mit seiner Schattenwirtschaft im Mittelfeld - ähnlich wie Frankreich und skandinavische Länder. Düsterer sieht es in den Krisenländern Griechenland, Italien, Portugal und Spanien aus. Hier liegt der Anteil der Schattenwirtschaft am BIP zwischen 18 und 22 Prozent.  

Schwarzarbeit in Europa

In Deutschland dürfte die Schattenwirtschaft 2015 einer Studie zufolge erstmals seit Jahren nicht mehr zurückgehen. Auch in anderen europäischen Ländern wird am Fiskus vorbei verdient.

GRIECHENLAND: Die Schattenwirtschaft hat sich im Zuge der Schuldenkrise verbreitet. Jeder siebte der 3,5 Millionen Griechen im arbeitsfähigen Alter arbeitet laut einer Studie schwarz. Demnach sind zudem rund 200.000 Menschen als Teilzeitjobber gemeldet, arbeiten aber Vollzeit. Grund ist die Arbeitslosenquote von mehr als einem Viertel. Besonders betroffen sind Hotels, Tavernen und Bars. Nach Schätzungen der Hotelierangestellten-Gewerkschaft soll die Schwarzarbeitsquote dort 40 Prozent übertreffen.

SPANIEN: Auch hier floriert die Schwarzarbeit. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird in Studien auf etwa 20 Prozent geschätzt. Am stärksten verbreitet ist sie auf dem Bau, in Hotels und Gaststätten sowie im Handel. Auch in der Textilindustrie und auf Obstplantagen werden viele Tätigkeiten dem Fiskus vorenthalten.

FRANKREICH: Frankreich liegt laut Schätzungen bei der Schwarzarbeit etwa gleichauf mit Deutschland. In den vergangenen Jahren wurden die Kontrollen deutlich verschärft. Vor allem bei jungen Firmen und Berufseinsteigern ist Schwarzarbeit verbreitet. Regional kommt sie am stärksten im Osten Frankreichs sowie im Großraum Paris vor.

ITALIEN: Besonders betroffen ist der Süden des Landes. Viel Schwarzarbeit gibt es im Baugewerbe, in Kfz-Werkstätten oder bei Dienstleistungen im Haushalt. Experten vermuten, dass die schwere Rezession das Problem verschärft hat. Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen spricht mit Blick auf aktuelle Prognosen von einem Anteil am BIP von rund einem Fünftel.

GROSSBRITANNIEN: Die Schattenwirtschaft macht nach einer Studie des Institute of Economic Affairs von 2013 rund zehn Prozent des BIP aus. In der politischen Debatte spielt das Thema eine kleinere Rolle. Zur Sprache kommt es meist im Zusammenhang mit der Einwanderungspolitik.

DÄNEMARK: Hier spielt Schwarzarbeit auch wegen der hohen Steuern eine Rolle. In den vergangenen Jahren gingen die Zahlen aber zurück. 22 Prozent der 18- bis 66-Jährigen arbeiteten zuletzt schwarz. Umstritten war die Abschaffung des Handwerker-Freibetrages zum Ende des vergangenen Jahres. Den hatte die dänische Regierung 2011 eingeführt, um Renovierungen günstiger zu machen.

SCHWEDEN: Schwarzarbeit ist vor allem in der Baubranche, im Taxigewerbe und in Restaurants verbreitet. Laut einer Umfrage kennen 22 Prozent der Schweden Menschen, die schwarz arbeiten.

FINNLAND: Der Umfang der Schattenwirtschaft in Finnland ist ähnlich hoch wie in den skandinavischen Nachbarländern. Politisch taucht die Debatte über Schwarzarbeit immer wieder auf, ist aber bislang vor den finnischen Parlamentswahlen im April noch kein großes Thema.

dpa

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