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Deutschland / Weltweit Die süße Versuchung wird teurer
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Die süße Versuchung: Schokolade wird teurer. Quelle: dpa
Hannover

Die Preise für Schokolade ziehen auf breiter Front an. Der Schoko-Stick von Rausch kostet seit ein paar Wochen bei einigen Händlern 90 statt 79 Cent - ein Aufschlag von 12 Prozent. Die Tafel von Niederegger hat sich um 7 Prozent auf 2,10 Euro verteuert, Konkurrent Lindt verlangt jetzt 1,99 Euro für seine 100 Gramm - 2 Prozent mehr als bisher.

Die Hersteller begründen das mit teurerem Einkauf: „Die Rohstoffpreise für Kakaobutter und Kakaobohnen sind seit Dezember 2013 um über 33 Prozent gestiegen“, sagte Rausch-Geschäftsführer Jörn Schumann. Lindt spricht von Steigerungen bei „praktisch allen für den Schokoladebereich wichtigen Notierungen“ - von Kakaobohnen und -butter über Milch und Nüssen.

Zuletzt hat der Kakaopreis die Schallmauer von 2000 britischen Pfund je Tonne hinter sich gelassen und damit ein Dreijahreshoch erreicht. Das betreffe zwar den sogenannten Konsumkakao, den man für die eigene Schokolade nicht verwende, räumt Schumann ein. „Aber auch der Preis für Edelkakao folgt dem Marktpreisniveau.“ Bei Kakaobutter hat der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) sogar ein Rekordhoch ausgemacht.

Für den Anstieg bei Kakaobohnen macht die Branche in erster Linie den wachsenden Appetit in Asien verantwortlich. Noch sei dort der Schokoladenkonsum pro Kopf zwar recht gering, die Nachfrage steige aber fast doppelt so stark wie auf dem Weltmarkt, schätzt Euromonitor International.

Bis Jahresende dürften die Preise um mindestens 10 Prozent steigen, sagte der Kakaochef des Agrarkonzerns Olam, Gerard Manley, in einem Interview. Derzeit liege das Angebot um 100 000 Tonnen unter der Nachfrage. Es wäre das dritte Jahr in Folge mit einem Engpass. Zudem hätten Spekulanten an den Kapitalmärkten sich wieder verstärkt dem Kakao zugewandt, sagte ein Sprecher des BDSI.

Das spüren auch Großabnehmer wie der Kekskonzern Bahlsen. In der Branche ist die Rede davon, dass sich innerhalb von zwei Jahren allein die Preise für Vollmilchschokolade um gut 50 Prozent erhöht hätten. Für die Schokoladenhersteller ist es nicht ohne Pikanterie, an der Preisschraube zu drehen: Erst Anfang vergangenen Jahres hatte das Kartellamt gegen elf große Süßwarenhersteller eine Strafe von mehr als 60 Millionen Euro verhängt, weil sie Preise abgesprochen haben sollen.