Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Deutschland / Weltweit Hepatitis-Mittel kostet 700 Euro – pro Pille
Mehr Welt Wirtschaft Deutschland / Weltweit Hepatitis-Mittel kostet 700 Euro – pro Pille
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:35 05.08.2014
Von Jens Heitmann
Teure Impfung: Auf die Krankenkassen kommen Milliardenkosten zu. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Hannover

Nach Hochrechnungen der AOK Niedersachsen wird Sovaldi die Kassen bis zum Jahresende mindestens eine Milliarde Euro kosten. „Es darf nicht sein, dass ein einziges Medikament, welches in der Herstellung geschätzt
100 Euro für einen Behandlungszyklus kostet, zu einem Preis von 60.000 Euro abgerechnet wird“, sagte AOK-Chef Jürgen Peter der HAZ.

In Deutschland leiden etwa 300.000 Menschen an Hepatitis C; bei etwa einem Drittel der Erkrankten wird die chronische Viruserkrankung nach Einschätzung von Experten zu schweren Leberschädigungen führen. Mitte Juli hat der Gemeinsame Bundesausschuss – mit den Stimmen von Ärzten und Kliniken, gegen das Votum der Kassen – Sovaldi eine bessere Wirkung bescheinigt als älteren Medikamenten. Damit darf der US-Pharmakonzern Gilead das Präparat hierzulande zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen.

Sovaldi ist in der Apotheke in einer Packung mit 28 Filmtabletten erhältlich und kostet 19.999,46 Euro – also mehr als 700 Euro pro Pille. Bei einem Behandlungszeitraum von zwölf bis 24 Wochen sollen die Patienten täglich eine Tablette einnehmen. Der Spitzenverband der Krankenkassen rechnet mit Therapiekosten von durchschnittlich 50.000 bis 115.000 Euro je Behandlung. Nach
AOK-Berechnungen könnten sich die Ausgaben für alle Kassen auf fünf Milliarden Euro im Jahr summieren – das entspräche rund einem Fünftel der Kosten für alle auf dem Markt befindlichen Arzneimittel.

„Mit dieser überzogenen Hochpreisstrategie wird das Solidarsystem ausgebeutet“, sagt AOK-Chef Peter. Vergleichbar hohe Ausgaben im ersten Jahr kenne man bisher nur bei Krebsleiden oder Arzneien gegen seltene Erkrankungen, erklärt der Spitzenverband und fürchtet Nachahmer: „Wir wissen, dass es weitere Neuentwicklungen bei Virustherapeutika gibt, die in absehbarer Zeit in den Markt kommen wollen.“

Gilead hatte sich die Rechte an dem Wirkstoff Sofosbuvir mit der milliardenschweren Übernahme des Konkurrenten Pharmasset gesichert. Im ersten Halbjahr 2014 hat der Konzern seinen Gewinn auf knapp 6 Milliarden US-Dollar
(4,5 Milliarden Euro) vervierfacht.

or diesem Hintergrund zeichnet sich gegen die Preisstrategie des Herstellers Widerstand ab. In einem Schreiben an Gilead wundern sich zwei US-Senatoren darüber, dass der Konzern Sovaldi in einem Land wie Ägypten 99 Prozent billiger anbietet als auf seinem Heimatmarkt. Gilead rechtfertigt den hohen Preis mit dem noch höheren Nutzen von Sovaldi: Bei 90 Prozent der Patienten könne durch die Behandlung eine Lebertransplantation vermieden werden.

Hepatitis - auch ein gutes Geschäft

Fünf Varianten von Hepatitis: Derzeit sind fünf Erreger der Leberkrankheit bekannt – A steht für einen Virus, der für Gelbsucht steht, und meist von allein ausheilt. B ist hochgradig ansteckend, entwickelt sich aber nur selten chronisch. C verhält sich vielfach unauffällig, es kann aber zu schweren Schäden führen. Typ D gilt als der gefährlichste, der Weg zur Leberzirrhose ist kurz. Variante E ist vor allem für Schwangere gefährlich, jede fünfte stirbt daran. Vorbeugend kann man sich gegen jeden Virus impfen lassen, bei einer akuten Infektion gibt es verschiedene Therapien. Wer an Hepatitis C leidet, wird derzeit mit einer Kombination aus drei Medikamenten behandelt: Interferon, Ribavarin und einem Protease- oder Polymerase-Hemmer. Das neue Medikament Sovaldi kann 90 Prozent der Patienten von den Viren befreien. Für den Hersteller Gilead ist Deutschland sehr lukrativ: Um den Anstieg der Kosten bei patentgeschützten Arzneimitteln zu bremsen, müssen die Pharmakonzerne mit den Kassen einen fairen Preis aushandeln. Allerdings greift diese Regulierung erst nach einem Jahr – in der Zwischenzeit kann der Hersteller für seine Pillen verlangen, was er will. „Dass die Preisregulierung erst nach zwölf Monaten freier Preisbildung greift, schmälert den Erfolg“, heißt es beim Ersatzkassenverband vdek.

Monatelang schlugen die Hebammen Alarm, weil sich die Haftpflichttarife für die Geburtshilfe in den vergangenen Jahren vervielfacht hatten. Am Dienstag teilte der Deutsche Hebammenverband (DHV) mit, dass er das Angebot der Krankenkassen über Ausgleichszahlungen angenommen habe.

05.08.2014
Deutschland / Weltweit Flugsicherung will Gebühren erhöhen - Fliegen wird teurer

Fliegen in Deutschland wird teurer, auch weil die Flugsicherung ihre Gebühren kräftig erhöhen will. Grund sind neben dem stagnierenden Flugverkehr vor allem die hohen Pensionszusagen an die Fluglotsen.

05.08.2014
Deutschland / Weltweit Bau- und Dienstleistungskonzern - Bilfinger-Aktie auf Talfahrt

Der vorzeitige Abtritt Roland Kochs und eine Gewinnwarnung versetzen der Bilfinger-Aktie einen kräftigen Dämpfer. Es könnte eine Weile dauern, bis das Vertrauen in den Bau- und Dienstleistungskonzern zurückkehrt.

05.08.2014