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Deutschland / Weltweit Kein prima Klima für den Eiswein
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07:14 08.12.2015
Wetterpoker: Wenn die Temperaturen nicht bald kräftig fallen, dann wird’s in diesem Jahr nichts mit Eiswein. Quelle: dpa
Lauffen am Neckar

Für Winzer ist es ein Glücksspiel. Der Einsatz: Trauben am Rebstock. Der Gewinn: ein hoher Preis für kleine Flaschen. Es geht um Eiswein, eine Spezialität, die so heißt, weil die Trauben bei Minusgraden geerntet werden. Die gefrorenen Beeren werden ruckzuck verpresst und ergeben einen süßen Saft. Insgesamt gilt die Qualität des Weinjahrgangs 2015 als sehr gut, entsprechend hoch sind die Erwartungen an den Eiswein, einen Dessertwein. „Aus dem Jahrgang 2015 muss man alles rausholen – also auch Eiswein“, sagt der württembergische Winzer Ulrich Maile. Eiswein sei „das i-Tüpfelchen eines Jahrgangs“, so der Moselwinzer Markus Molitor.

Doch das Glücksspiel hat ein Risiko, und das heißt Totalausfall. Wenn es bis Anfang Januar nicht sehr kalt wird, sind die hängen gelassenen Trauben reif für den Kompost. „Die werden dann runtergeschnitten, mit denen können wir nichts mehr machen“, sagt Winzer Maile.
Zugegeben: Wenn Maile den Eisweinpoker verliert, halten sich die finanziellen Einbußen in Grenzen – nur etwa 0,3 Hektar hat der Chef der Lauffener Weingärtner stehen lassen in der Hoffnung auf lang anhaltenden Frost. Wenn alles gut geht, könnten es 500 Flaschen Eiswein à 0,375 Liter werden. Geschätzter Preis: 40 Euro pro Flasche. Die Eiswein-Umsatzerwartungen liegen bei Maile also zwischen 20.000 Euro und – bei Totalausfall – null Euro. Um große Mengen geht es nicht, unter Winzern ist der Eiswein eher die Kür. „Es geht ums Prestige“, sagt Maile.

Allerdings wird der Klimawandel immer mehr zum Problem. Denn durch die höheren Durchschnittstemperaturen bei trockenem, sonnigem Wetter werden Trauben früher reif – dieses Jahr im Falle von Mailes Betrieb Mitte Oktober. Sonst war das Anfang November. Früher also war der Abstand zwischen Hauptlese und winterlicher Eisweinernte geringer, dadurch waren die Chancen höher.„Die Reifeentwicklung war in diesem Jahr sehr früh“, sagt auch der Präsident des Verbands der Deutschen Prädikatsweingüter (VDP), Steffen Christmann. „Insofern ist die Phase, bis es dann wirklich kalt wird, einfach ein bisschen lang.“ Generell würden die Bedingungen für den Eiswein immer schwieriger, da seltener Temperaturen von minus acht bis minus zehn Grad über einen längeren Zeitraum erreicht werden. Eiswein werde „ein immer selteneres Produkt werden“, sagt Christmann.

Misserfolge musste zuletzt auch Moselwinzer Molitor hinnehmen. In den Jahren 2013 und 2014 habe er keinen Eiswein abfüllen können, berichtet er. Es sei zu warm oder zu nass gewesen. „Ich hoffe, dass es jetzt schnell eiskalt wird“, sagt der Winzer aus Bernkastel-Wehlen. Leider seien die Temperaturen derzeit ungewöhnlich warm für die Jahreszeit.     

Von Wolf von Dewitz
und Katharina Hölter

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