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Deutschland / Weltweit Manager wollen Kosten senken und Schließungen
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22:05 11.09.2014
Ist eine große Baustelle: Der Kaufhauskonzern Karstadt. Quelle: dpa
Düsseldorf/Essen

Der Karstadt-Aufsichtsrat hat die Weichen für einen harten Sanierungskurs bei der Warenhauskette gestellt. Auch die Schließung verlustreicher Filialen wird nicht ausgeschlossen, wie das Unternehmen nach der mit Spannung erwarteten Sitzung des Kontrollgremiums gestern in Essen mitteilte. Die Schritte seien zwingend, nachdem die in den vergangenen Jahren verfolgte Strategie fehlgeschlagen sei. Konkurrenten seien mit über 20 Prozent weniger Personal auf vergleichbarer Fläche deutlich erfolgreicher. Die Gewerkschaft ver.di und Arbeitnehmervertreter kündigten Widerstand gegen starke Einschnitte an.

Notwendig sei eine Senkung der Personalkosten, um Wettbewerbsnachteile auszugleichen, erklärte Karstadt. Konkrete Schließungsbeschlüsse seien aber noch nicht gefasst worden. Mit rund 17 000 Mitarbeitern betreibt Karstadt noch 83 Filialen. Das Kontrollgremium war erstmals nach der Übernahme der Warenhauskette durch den österreichischen Investor René Benko zusammengetreten.

In einer ersten Stellungnahme nach der Sitzung sprach der Gesamtbetriebsratschef und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Hellmut Patzelt von einem „schwierigen Tag“ für die Beschäftigten und das Unternehmen. Es komme darauf an, das Management davon zu überzeugen, dass Karstadt eine Zukunft habe. Über mögliche Einschnitte müsse nun verhandelt werden, sagte ver.di-Vorstand Stefanie Nutzenberger. „Gerade die letzten Jahre haben deutlich gemacht, dass Personalabbau keine Antwort auf die Frage der Zukunft des Warenhauses ist.“

An der falschen Stelle zu sparen hat noch kein Unternehmen in die Zukunft gebracht.“ Patzelt betonte: „Man kann operative Fehler und ausbleibenden Erfolg nicht ständig mit Personalabbau kompensieren.“ Am 23. Oktober sollen die Aufsichtsräte erneut über das Konzept und die Besetzung der Unternehmensspitze beraten.

Der frühere Chef des Arcandor-Konzerns, Thomas Middelhoff, gibt seiner einstigen Tochterfirma Karstadt in der jetzigen Form kaum Überlebenschancen. Die Zeit mehrerer großer Warenhausketten in Deutschland sei vorbei, sagte er am Rande eines Gerichtsprozesses in Essen. „Fast dasselbe Angebot in Konkurrenz über die Straße – das geht nicht mehr.“

Karstadt werde jetzt Standorte schließen, später rechne er mit der lange diskutierten Fusion mit Kaufhof, sagte Middelhoff. Möglicherweise müssten in der zusammengelegten Großwarenhauskette danach nochmal Filialen geschlossen werden. „Dann entsteht ein lebensfähiges Unternehmen.“

Der frühere Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen, der Karstadt nach der Insolvenz im Jahr 2010 erworben hatte, habe wegen viel zu geringer Investitionen die großen Chancen für einen Neustart verspielt, kritisierte Middelhoff. Auch von seinem Nachfolger René Benko sei kein wirklicher Aufschwung zu erwarten. „Er ist ein Immobilieninvestor, und er behandelt das Unternehmen so. Er interessiert sich vor allem für die Grundstücke“, sagte Middelhoff.

von Uta Knapp und Matthias Inverardi

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