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Deutschland / Weltweit Kalte Dusche für die Saunagänger
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17:13 29.09.2014
Von Jens Heitmann
Gesund, aber nicht heilsam: Das Saunavergnügen wird teurer. Quelle: Uwe Anspach/dpa
Hannover

Für einen Saunagang gibt es viele gute Gründe: Er regt die Durchblutung an, reinigt die Haut, hilft beim Stressabbau und beugt Erkältungen vor. Dass die Schwitzerei der Gesundheit nützlich sein kann, will auch das Bundesfinanzministerium nicht bestreiten. Dennoch zweifelt man im Hause von Wolfgang Schäuble neuerdings daran, dass das Saunieren allgemeinen Heilzwecken dient. Der feine Unterschied liegt in der Berechnung der Umsatzsteuer: Bereitet die Anwendung nur Genuss, werden 19 Prozent fällig - alles was heilt, unterliegt hingegen dem ermäßigten Satz von 7 Prozent.

Seit 1968 fallen auch Saunabesuche unter dieses Privileg, doch damit soll nun Schluss sein: Die Finanzministerien des Bundes und der Länder haben kürzlich beschlossen, die Umsatzsteuerermäßigung zum 1. Januar 2015 zu streichen. Ein Urteil des Bundesfinanzhofes lasse den Behörden leider keine andere Wahl: Die Verabreichung eines Heilbades müsse „der Behandlung einer Krankheit oder einer anderen Gesundheitsstörung dienen“, teilt das Bundesfinanzministerium mit. „Der Besuch einer Sauna kann daher (...) nicht ermäßigt besteuert werden.“

Allerdings haben die Richter am obersten Finanzhof ihr Verdikt schon 2005 verkündet. Das damals noch SPD-geführte Bundesfinanzministerium aber veröffentlichte den Spruch zwei Jahre später „in Form eines Nichtanwendungserlasses“. Auf gut Deutsch: Urteil hin oder her - für Saunierer und Saunabesitzer blieb es beim alten Satz von 7 Prozent.

Doch diese Sicht lasse sich nun nicht mehr durchhalten, erklärt ein Behördensprecher: Die Leistungspalette der begünstigten Unternehmer habe sich stark verändert, kaum ein Wellnessbereich biete noch Sauna pur - und Anwendungen wie Schoko-, Heu- oder Aromabäder verfolgten „keinerlei Heilzwecke“.

Das bringt den Deutschen Sauna-Bund in Wallung. Die Zahl der Besucher werde infolge der Steuererhöhung um fast 10 Prozent sinken, der Branche entstehe ein Schaden von mehr als 200 Millionen Euro - es drohe ein Bädersterben: „Einem nackten Mann greift man nicht so schamlos in die Taschen!“

Trotz des schiefen Sprachbildes habe der Sauna-Bund recht, sagt der Geschäftsführer des Aqualaatziums, Carsten Otte. Die Betreiber litten bereits unter hohen Stromkosten; wegen der harten Konkurrenz werde man die Steuererhöhung nicht in voller Höhe auf die Preise umlegen können. Für das Aqualaatzium mache das eine Mehrbelastung von 200.000 Euro im Jahr aus.

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