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Deutschland / Weltweit Industrie setzt auf die über 50-Jährigen
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21:20 15.04.2011
Von Lars Ruzic
Einst Betriebsleiter, heute Berater: Der 68-jährige Eggo Schink (links) bei seinem alten Arbeitgeber, der hannoverschen Maschinenfabrik Strate. Quelle: dpa

Vier von fünf Firmen hätten bereits Modelle für altersgerechtes Arbeiten entwickelt, berichtete Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt. „Die Wirtschaft ist auf die Erfahrung der älteren Mitarbeiter angewiesen.“

Die Babyboomer-Generation im Alter zwischen 50 und 60 Jahren stellt inzwischen 30 Prozent der Belegschaft, im Jahr 2000 lag ihr Anteil bei 18 Prozent. Wenn diese Gruppe in den kommenden Jahren ins Rentenalter komme, gleichzeitig aber deutlich weniger Junge nachrückten, stehe die Industrie vor erheblichen Rekrutierungsproblemen, so Schmidt. „Dagegen ist der Fachkräftemangel, über den wir heute reden, ein laues Lüftchen.“

Der Arbeitgeberfunktionär setzte sich dafür ein, die Älteren so lange wie möglich im Betrieb zu halten. „Wir müssen uns von der Vorstellung trennen, dass jemand mit 65 zwangsläufig dem Betrieb den Rücken kehren muss.“ Die jahrelang von den Unternehmen gern in Anspruch genommenen Altersteilzeitmodelle „können wir uns nicht mehr länger leisten“. Schon heute liegt bei Unternehmen mit weniger als 1000 Mitarbeitern, die keine teuren Altersteilzeitangebote machen können, der Anteil der über 60-Jährigen bei 11 Prozent. Bei größeren Firmen ist er noch nicht einmal halb so hoch.

Mithilfe moderner Produktionstechniken und einer ausgeglichenen Altersmischung innerhalb der Teams könnten heute auch Ältere länger ihrem Job nachgehen. Sie verfügten über „ein Riesenpotenzial“ und große Erfahrung, „die man nicht studieren kann“. Schmidt sprach sich dafür aus, die gesetzlichen Rentengrenzen aufzuweichen. „Wenn sich beide Seiten eine längere Mitarbeit wünschen, warum soll sie dann nicht möglich sein?“ Es gebe bereits heute genügend Beispiele von Älteren, die auch in der Rente ihrem früheren Arbeitgeber als Berater zur Seite stünden.

Die IG Metall bezeichnete Schmidts Ansichten als „Utopie“. Niemand könne bis 67 am Band stehen, sagte Niedersachsens Bezirksleiter Hartmut Meine. Schon heute erfolgten zwei Drittel aller Frühverrentungen aus Gesundheitsgründen. Auch die Gewerkschaft wolle niemandem verbieten, länger zu arbeiten, aber die Flexibilität müsse auch in die andere Richtung möglich sein.

Der Gewerkschafter warf NiedersachsenMetall zudem vor, selbst nicht genug gegen den Nachwuchsmangel zu unternehmen. Die IG Metall habe mit den Arbeitgebern Tarifverträge über Studierende im Praxisverbund sowie für Jugendliche ohne Schulabschluss abschließen wollen, doch NiedersachsenMetall blockiere seit Wochen eine Lösung.

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