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Deutschland / Weltweit Indianerhäuptling mit Gespür für Geschäfte
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12:31 04.08.2015
Überaus erfolgreicher Investor: Chief James Billie, der Häuptling der Florida-Seminolen, zu Besuch im Berliner Hard Rock Café. Quelle: Britta Pedersen/dpa
Berlin

Es gab Zeiten, da war das Geldverdienen für Häuptling James Billie eine gefährliche Angelegenheit. Der Indianer zeigt seinen verstümmelten rechten Ringfinger, um daran zu erinnern. Ein Krokodil hat ihm vor Jahren den halben Finger abgerissen - bei einem Schaukampf für Touristen. Heute reist der Häuptling der Florida-Seminolen als Geschäftsmann um die Welt. Sein Stamm hat vor acht Jahren die Hard Rock Cafés gekauft. Nun bilanziert Billie bei einem Berlin-Besuch: „Es hat sich für uns definitiv bezahlt gemacht.“

James Billie ist 71 Jahre alt, trägt unterm bunt gemusterten Hemd eine Goldkette mit Kreuz und in den Schuhen keine Socken. Besuchern hält er zur Begrüßung die geschlossene Faust entgegen. Man sieht den untersetzten Mann nicht besonders häufig in den Restaurants, die Besucher mit harter Musik und Devotionalien des Rock empfangen. „Die meiste Zeit bin ich zu Hause und führe den Stamm“, sagt Billie.

Den 4000 Indianern des Stammes gehören heute rund 170 Hard Rock Cafés, 21 Hotels und zehn Kasinos. „Die Seminolen zählten nicht zu den reichsten Leuten der Welt“, blickt Billie zurück. „Hard Rock hat uns ein Stück weit von der Armut entfernt, und es geht uns sehr gut.“ Vor zehn Jahren lag der Umsatz der Kette und ihrer Franchise-Nehmer bei 700 Millionen Dollar - im vergangenen Jahr waren es 3,9 Milliarden Dollar. In 64 Ländern ist Hard Rock aktiv. Neueröffnungen stehen etwa in China, Indien, Lagos, Kenia und der Mongolei bevor. In Berlin sucht das Unternehmen einen Standort für ein Hard Rock Hotel.

Arbeitslosigkeit und Armut in Reservaten

Für die meisten Indianerstämme in den USA sind solche Erfolge außer Reichweite. Noch immer herrscht in Reservaten meist eine hohe Arbeitslosigkeit und große Armut. Immerhin nehmen die amerikanischen Ureinwohner nach Beobachtung des Office of Indian Energy and Economic Development im US-Innenministerium ihr ökonomisches Schicksal verstärkt selbst in die Hand.

Die Seminolen machten sich 1979 den Umstand zunutze, dass staatliche Glücksspielverbote in den Reservaten nicht greifen. Sie gründeten ein Kasino, das Bingo-Spielern hohe Einsätze abverlangte und hohe Gewinne versprach. Schnell folgten weitere Spielhallen. „Als wir Hard Rock hinzufügten, florierten unsere Geschäfte viel besser“, sagt Billie.

Die Hälfte des Gewinns teilen die Seminolen nach seinen Worten untereinander auf - die andere Hälfte werde reinvestiert. Die Tradition seines Stamms lebe dabei fort. „Wir bewahren unsere Kultur, wir sprechen unsere Sprache, wir feiern weiter jedes Jahr unsere Seminolen-Feste.“ Das Geschäftsleben ist da weniger traditionell. Im Geschäftsleben gehe es ihnen jedoch um „Profit“, sagt Billie - wie bei nichtindianischen Geschäftsleuten.

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