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Deutschland / Weltweit Highstreet-Geldgeber will aussteigen
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20:23 13.07.2010
Von Lars Ruzic
Nicolas Berggruen bleibt im Mietpoker bei Karstadt hart. Quelle: dpa

Wie die Pfandbriefbank und Karstadt-Investor Berggruen am Dienstag mitteilten, wünschen sie sich eine „zügige, vorzeitige Ablösung“ des spätestens 2014 auslaufenden Darlehens durch Highstreet. Dies würde auch einem „sachgerechten Risikoausgleich“ zwischen Immobilieneigentümer und Mieter dienen.

Dem Highstreet-Konsortium, an dem die US-Großbank Goldman Sachs die Mehrheit hält, gehören 86 der 120 Karstadt-Immobilien. 53 davon dienen allerdings als Sicherheit für einen Kredit im Gesamtvolumen von 850 Millionen Euro, den die einst ebenfalls zum Karstadt-Mutterkonzern Arcandor gehörige Bank den Investoren eingeräumt hatte. Die offenbar drastischen Mietsenkungen, die Berggruen zur Bedingung für die Karstadt-Rettung gemacht hat, bringen das Institut allerdings in die Bredouille, weshalb die Valovis Bank zuletzt als schärfster Widersacher des Investors galt.

Das Problem: Nicolas Berggruen besteht darauf, die Mietsenkungen auch ins Grundbuch eintragen zu lassen, damit sie auch im Falle eines Eigentümerwechsels Bestand haben. Das jedoch würde den Wertansatz der Immobilien derart sinken lassen, dass die Risiken für die vergleichsweise kleine Bank Überhand nehmen könnten und schnell auch die Finanzaufsicht BaFin auf den Plan rufen würde. Deshalb wollen die Essener nun möglichst schnell raus aus dem Geschäft.

Dass sie sich darüber mit Berggruen einig geworden sind, ist allerdings weniger als ein Zwischenschritt. Denn Highstreet zeigt sich an einer vorzeitigen Ablösung der Kredite alles andere als interessiert. „Einmal mehr wurde eine Einigung verkündet, die keine ist“, teilte das Konsortium gestern postwendend mit. Die Eigentümergruppe, hinter der neben Goldman Sachs weitere Großbanken und Handelsinvestoren stehen, deutete sogar an, Berggruen solle doch selbst das Darlehen ablösen. Zudem kritisierten die Investoren, der Karstadt-Käufer habe noch immer „kein tragfähiges und zukunftsorientiertes Warenhauskonzept für Karstadt vorgelegt“.

Dass sich beide Seiten bis morgen einig werden, wie es das Insolvenzverfahren vorsieht, erscheint so entfernter denn je. Allerdings ist ein Aufschub bis Ende Juli möglich. Für die 25.000 Karstadt-Beschäftigten geht das Zittern damit in die nächste Runde. Denn Berggruen hatte die Übernahme nur unter der Bedingung unterzeichnet, dass er mit den Vermietern eine Einigung erzielt. Highstreet würde Karstadt lieber selbst weiterführen, als es dem US-Investor mit deutschen Wurzeln zu überlassen. Doch das eigene Übernahmeangebot der Vermieter fand im Gläubigerausschuss seinerzeit keine Mehrheit.

Die Vermieter stehen Berggruen auch deshalb kritisch gegenüber, weil dieser den Karstadt-Konzern auf drei Säulen stellen und Nobelhäuser wie das KaDeWe, Sporthäuser und die große Masse der klassischen Warenhäuser rechtlich voneinander trennen will. Letzterem drohe so das Ausbluten, heißt es unter der Hand. Berggruen hatte allerdings stets betont, Karstadt als Ganzes weiterführen zu wollen.

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