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Deutschland / Weltweit Douglas mischt Parfümeriemarkt auf
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14:05 25.06.2013
Europas führende Parfümeriekette Douglas geht mit Hilfe des US-Finanzinvestors Advent auf Expansionskurs. Hier: Henning Kreke, Vorstandsvorsitzender der Douglas Holding AG, Quelle: dpa
Frankfurt

 Fast jeden Tag ein neuer Duft. Rund 350 Duft- Neuheiten drängten im vergangenen Jahr in die Regale der Parfümerien, Drogerieketten und Warenhäuser, wie das Marktforschungsunternehmen IRI ermittelte. Das Angebot an Parfüm wurde damit für die Verbraucher  ein weiteres Mal größer. Aber nicht nur innerhalb des Duftsortiments herrscht ein starker Verdrängungswettbewerb Neu gegen Alt - auch im Einzelhandel wird mit neuen Konzepten um die Marktanteile gekämpft. Europas führende Parfümeriekette Douglas will der Taktgeber sein und kann dank ihres finanzstarken Investors die Branche aufmischen.

"Der Verbraucher sucht den kleinen Luxus", schildert Sabine Hefter, Director Premium Cosmetics bei IRI. Davon profitierten die Parfümerien in Deutschland, die seit Jahren stabil wüchsen. So sei ihr Umsatz mit Düften in den ersten fünf Monaten 2013 um 1,2 Prozent gestiegen. Auch dekorative Kosmetik laufe bei den Parfümerien hierzulande mit knapp vier Prozent plus bis Ende Mai weiter sehr gut. "Dekorative Kosmetik wird stark von der Mode getrieben", sagt Hefter. Eine farbenfrohe Bekleidung sorge erfahrungsgemäß für eine rege Nachfrage nach einem passenden Lippenstift oder Nagellack.

"Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat bei den Parfümerien in Deutschland nicht stattgefunden", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Parfümerien, Elmar Keldenich. 2012 stieg der Gesamtumsatz der Parfümerien um 3,6 Prozent auf knapp drei Milliarden Euro. Etwa jeden zweiten Euro nehmen die Parfümieren mit Düften ein. Auch für 2013 überwiege der Optimismus. Inhabergeführte Unternehmen stehen nach Verbandsschätzung für 42 Prozent des Parfümerieumsatzes. Ketten und Warenhäuser kämen auf 58 Prozent. Der Marktanteil der Mittelständler sei damit höher als in anderen europäischen Ländern.

Einkaufskooperationen gelten für Mittelständler als ein bewährter Weg, den großen Parfümerieketten die Stirn zu bieten und Projekte wie den Aufbau von Internetaktivitäten leichter stemmen zu können. Der Verband der Kosmetikhersteller VKE geht davon aus, dass es unter den inhabergeführten Parfümerien zu weiteren Zusammenschlüssen kommen wird. Der Trend zu regionalen Parfümerieketten halte an. Dafür sprächen Kostenvorteile. Im Vergleich zum Internet hätten Fachgeschäfte vor Ort den großen Vorteil, dass die Verbraucher Düfte und Kosmetik ausprobieren könnten. Auch die Beratung sei ein wichtiger Faktor.

Marktforscherin Hefter schätzt, dass bisher weniger als zehn Prozent des Kosmetikhandels im weiteren Sinne in Deutschland über Online-Shops liefen. Angesichts der hohen Zuwachsraten und großer Informationsmöglichkeiten für Kunden nutzten inhabergeführte Parfümerien das Internet zunehmend als Schaufenster oder als Geschäftserweiterung. "Natürlich werden sich einige Umsätze in das Internet verlagern. Aber man verliert nicht so leicht Kunden an die Konkurrenz, wenn man einen eigenen Internetauftritt hat", sagt sie.

Douglas sieht Internetaktivitäten als ein Muss. "Nur wer bei seinen Kunden jederzeit und überall - also stationär, online oder irgendwo dazwischen - Wünsche wecken und erfüllen kann, wird im Handel nachhaltig erfolgreich wirtschaften können", erklärte der Konzernchef Henning Kreke Ende Mai. Bei der Präsentation der neuen Strategie für die Douglas-Parfümerien am Dienstag in Frankfurt am Main hatte er gut lachen: Nach der Übernahme des Douglas-Konzerns durch den US-Finanzinvestor Advent stehen für den Platzhirsch bis zu einer halben Milliarde Euro Kapital bereit. Es soll für Übernahmen sowie den Ausbau des Filialnetzes und des Online-Geschäftes dienen.

Aber nicht nur Parfümerien rüsten auf: Die Drogeriemärkte bauen laut IRI ihr oberes Preissegment aus. Parfümerieketten erweiterten eher ihr unteres Preissegment, um nicht Umsätze an Drogeriemärkte zu verlieren. Damit wage die eine oder andere Parfümeriekette auch einen Spagat: "Am Eingang werden mit Angeboten für wenige Euros Teenager abgefangen, die mit ihrem Taschengeld einkaufen. Weiter hinten werden dann Luxusartikel geboten", schildert die Expertin von IRI. Für mittelständische Parfümerien gebe es gute Chancen, mit ausgewählten Marken eine Nische zu finden und sich von großen Ketten abzusetzen.

Die Flut neuer Düfte sieht Hefter eher als Gefahr denn als Chance für die Parfümeriebrache. Sich überschlagende Angebote könnten zu einem nachlassenden Interesse der Verbraucher führen. Statistiken für Duft-Neuheiten zeigten, dass im zweiten Monat nach der Produkteinführung oft schon das Umsatzmaximum erreicht werde, danach gehe es dann häufig beim Umsatz steil bergab. Die Industrie hat nach Ansicht der IRI-Berater bereits darauf reagiert: Sie setze wieder stärker auf Duftvariationen und Ergänzungen zu bereits bekannten Duftmarken und beginne, ihre Marken konsequent und länger zu unterstützen.

dpa

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