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Deutschland / Weltweit Griechischer Hotelier sperrt Tui-Gäste aus
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08:02 15.04.2016
Von Jens Heitmann
Komplizierte Verhältnisse, menschlich wie rechtlich: Club Kalimera Kriti. Quelle: oh
Hannover

Die Zahl der Ausrufezeichen steht für den Grad der Enttäuschung: „!!!Wir haben mit drei Familien bei Euch gebucht, insgesamt 15 Mann!!!! Das ist nicht Euer Ernst!!!!“, schreibt Alexander Schneehain auf der Facebook-Seite von Robinson. Doch der Reiseveranstalter kann nur noch versuchen, die Empörung seiner Kunden zu dämpfen - auf die Club-Anlage Kalimera Kriti hat die Tui-Tochter keinen Zugriff mehr: „Der griechische Eigentümer der Immobilie hat einseitig und für uns nicht vorhersehbar die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung aufgekündigt“, heißt es in einem Schreiben an die Urlauber, die ihre Reise bereits gebucht haben.

Nicht nur der Göttinger Rechtsanwalt Schneehain ist verdutzt: „Wie kann so ein hochpreisiger Veranstalter Verträge abschließen, die man von einem auf den anderen Tag kündigen kann?“, fragt der Mietrechtsexperte. Robinson tut sich mit der Antwort schwer. Wegen laufender Rechtsstreitigkeiten könne man sich in der Sache nicht äußern, sagt eine Sprecherin. Aber: „Wir haben keine Verträge, die so eine Kündigung zulassen.“

Die Verhältnisse auf Kreta sind offenbar kompliziert, menschlich wie rechtlich. Die Anlage Kalimera Kriti - 45 Autominuten östlich von Heraklion gelegen - gehört nicht Robinson, sondern einer griechischen Hoteliersfamilie. Diese hat einen Managementvertrag mit einer Tochter der Tui-Tochter abgeschlossen, die für Vertrieb und Betreuung der Gäste zuständig ist.

Dem Vernehmen nach war man bei Robinson mit dem Zustand der Anlage schon länger unzufrieden, von „erheblichem Renovierungsbedarf“ ist die Rede. Die Eigentümer hingegen hätten davon nichts wissen wollen und stattdessen beim Reiseveranstalter höhere Abschlagszahlungen eingefordert, heißt es. Der Streit ging vor Gericht - und wurde im vergangenen Jahr im Sinne der Hoteliersfamilie entschieden. Daraufhin meldete die Managementgesellschaft Insolvenz an. Die Insolvenzverwalterin habe jedoch signalisiert, dass der Club-Betrieb während der Sommersaison weiterlaufen könne, sagt die Robinson-Sprecherin.

Diese Hoffnung währte bis zum vergangenen Freitag, als der Anlageneigner die Tui-Gäste für den Sommer aussperrte - rund 3500 Urlauber müssen nun neue Unterkünfte finden. Robinson bietet Umbuchungen ohne Aufpreis an, doch das ist ziemlich schwer, wenn drei kinderreiche Familien zusammen verreisen wollen wie im Fall von Anwalt Schneehain. Statt auf Kreta landet der Jurist nun auf Fuerteventura. Dort aber führt der Weg vom Club zum Strand über eine steile Treppe und ist für kleine Kinder weniger geeignet.

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