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Deutschland / Weltweit Das Traumschiff wird zum Albtraum
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08:50 11.09.2014
Von Albrecht Scheuermann
Lange Irrfahrt hinter sich: „MS Deutschland“. Quelle: dpa

Gepflegter Luxus mit einem Hauch Patriotismus – das macht die besondere Atmosphäre der „MS Deutschland“ aus. Dem Fernsehpublikum ist das Schiff aus den Serien „Traumschiff“ und „Kreuzfahrt ins Glück“ bestens bekannt. 175 Meter lang ist das schwimmende Grandhotel, etwa 500 Gäste können Fünf-Sterne-Superior-Standard genießen. Mit an Bord reisen die Bronzebüsten prominenter Deutscher von Johann Sebastian Bach über Friedrich II. bis Johann Wolfgang von Goethe – aber auch ein Russe: Michail Sergejewitsch Gorbatschow hat wegen seiner Verdienste für die Wiedervereinigung einen Ehrenplatz auf dem Deck erhalten.

Weniger gediegen ist die Atmosphäre an Land, wo die Finanziers des Schiffes sitzen. Das „Traumschiff“ wird für sie mehr und mehr zum Albtraum. 50 Millionen Euro hatten die Anleger Ende 2012 in eine fünfjährige Anleihe der „MS Deutschland“ gesteckt. Das Geld sollte „der neuen, kürzlich begonnenen Wachstumsstrategie des Unternehmens“ die nötige finanzielle Basis geben. Um die Anleihe stehe es jedoch schon seit Längerem nicht zum Besten. Nun kam die nächste schlechte Nachricht.

Für den 9. Oktober hat die MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft mbH zu einer Gläubigerversammlung nach Frankfurt eingeladen. Die Tagesordnung hat es in sich: Die Anleihegläubiger sollen nicht nur über eine Stundung der Zinsansprüche entscheiden, sondern auch dem vorübergehenden Ausschluss von Kündigungsrechten zustimmen. Außerdem geht es um die Wahl eines gemeinsamen Vertreters, der die Interessen der Gläubiger gegenüber der Gesellschaft vertritt. Das Unternehmen hat dafür weit weg vom Meer einen Kandidaten gefunden – den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein.

Die „MS Deutschland“ hat eine lange Irrfahrt hinter sich. Nach der Pleite der Reederei Deilmann sowie einem Brand auf dem Schiff während einer Kreuzfahrt in Skandinavien kam es 2010 in den Besitz des Münchener Finanzinvestors Aurelius. Dieser reichte es Ende 2013 an die ebenfalls in München beheimatete Callista Private Equity weiter. „Der Erwerb der legendären ,Deutschland‘ ist für uns eine große Chance“, sagte seinerzeit Callista-Chef Olaf Meier. „Aurelius hat das Schiff in den letzten Jahren gut durch stürmische Zeiten geführt.“ Die Anleihegläubiger dürften das anders sehen. Die Anleihe mit einem Zinscoupon von 6,75 Prozent stand Anfang 2013 noch bei fast 100 Prozent.

Heute werden an der Börse keine 40 Euro mehr bezahlt.

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