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Deutschland / Weltweit Warum die Bundesliga so profitabel ist
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12:38 07.06.2013
Bayerns Arjen Robben ist auf dem Weg zum 2:1 gegen Borussia Dortmund im Champions-League-Finale – wirtschaftlich haben in der abgelaufenen Saison beide Klubs gewonnen. Quelle: rtr
Hannover

Das deutsch-deutsche Finale in der Champions League war für die Bundesliga nicht nur ein Imagegewinn – es zahlt sich für die beiden Gegner auch finanziell aus: Dem Sieger Bayern München dürften aus dem Prämientopf der UEFA für die gerade zu Ende gegangene Saison rund 54 Millionen Euro zugeflossen sein, bei Borussia Dortmund seien 53 Millionen Euro zusammengekommen, heißt es in einer ersten Hochrechnung der Beratungsgesellschaft Deloitte. Die Westfalen hätten damit ihre Prämien aus der UEFA-Zentralvermarktung verdoppelt; in der Vorsaison war man früh ausgeschieden.

Aber auch insgesamt sind die Ausschüttungen an die Klubs, die 2012/13 in der Champions League am Ball waren – deutlich gestiegen: um rund ein Fünftel auf 910 Millionen Euro. Verantwortlich dafür sind vor allem höhere Erlöse aus den Fernsehrechten. Zuvor lag die Summe über drei Jahre konstant bei 754 Millionen Euro, nachdem es in der Saison 2008/09 einen Zuschlag von rund 29 Prozent gegeben hatte.

Im europäischen Vergleich lagen die Einnahmen der Bundesligaklubs mit 1,9 Milliarden Euro noch immer deutlich unter denen der britischen Premier League mit 2,9 Milliarden Euro, aber zuletzt sind die Umsätze hierzulande schneller gestiegen. Bei der Profitabilität ist die Bundesliga schon Spitze: 190 Millionen Euro operativen Gewinn haben die 18 Vereine in der Saison 2011/12 eingespielt – die Premier League erreichte mit 121 Millionen Euro nur Platz zwei.

„Die Profitabilität der Fußball-Bundesliga basiert neben kontinuierlich steigenden Umsatzerlösen auf – im internationalen Vergleich – niedrigeren operativen Kosten“, sagt Karsten Hollasch, Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte in Deutschland. Gemeint sind damit vor allem die relativ niedrigen Ausgaben für Spieler- und Trainergehälter: Während die Bundesliga lediglich rund die Hälfte ihres Umsatzes für Gehälter im Sportbetrieb ausgebe, seien es in der Premier League 70 Prozent, in Frankreich und Italien sogar 75 Prozent.

Auch bei den Besucherzahlen liegt die Bundesliga vorn: Im Durchschnitt kamen pro Spiel mehr als 44 000 Zuschauer ins Stadion – in Großbritannien waren es 34 650, in Spanien 26 000 und in Italien 22 000. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen sind die Eintrittspreise in Deutschland – insbesondere im Vergleich zu England – noch günstig. Zum anderen ist die Bundesliga vom Leistungsniveau her ausgeglichener, was die Spannung erhöht.

Dazu trägt nach Einschätzung von Deloitte auch die sogenannte 50+1-Regel bei. Sie besagt, dass in Deutschland die Vereine die Mehrheit an den Gesellschaften halten müssen, in die sie ihre Profi-mannschaften ausgegliedert haben. Als Minderheitsgesellschafter ist es für russische Oligarchen oder arabische Prinzen nicht interessant, bei deutschen Klubs einzusteigen und hohe Millionenbeträge in Transfers zu investieren. Ausnahmen gelten nur für die Werksklubs aus Leverkusen und Wolfsburg – bei Hannover 96 will Präsident Martin Kind mit befreundeten Geldgebern eine Lücke in den Statuten nutzen, um 2018 einen freundliche Übernahme zu starten.

Möglicherweise habe die 50+1-Regel den Erfolg deutscher Vereine längere Zeit behindert, heißt es bei Deloitte. Andererseits waren die hiesigen Klubs so gezwungen, wirtschaftlicher zu arbeiten als die alimentierte Konkurrenz. „Durch die jüngsten sportlichen Erfolge unserer Spitzenklubs auf europäischer Ebene hat die Marke Bundesliga einen enormen Imagegewinn erfahren“, sagt Hollasch. Damit steige zwangsläufig auch das Vermarktungspotenzial im Ausland: „Letztlich sehen wir in der Internationalisierung einen essenziellen Baustein für die weiterhin positive wirtschaftliche Entwicklung des deutschen Profifußballs.“ Und nicht nur im Ausland: In der kommenden Saison werden auch die deutschen Fernsehrechte teurer.

Insgesamt sind die Erlöse der europäischen Fußballklubs 2011/12 nach Angaben von Deloitte um 11 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro gestiegen. Fast die Hälfte der Erlöse entfiel auf die fünf großen Ligen in England, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich.

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