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Deutschland / Weltweit Feilt London an Notfallplan für Ölkonzern BP?
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19:32 06.07.2010
Die Helfer am Golf von Mexiko tun, was sie können. Und BP muss zahlen. Quelle: ap

Meldungen, denen zufolge die britische Regierung einen Kollaps des Ölkonzerns BP für möglich hält, haben in London erhebliche Unruhe verursacht. Laut Londoner „Times“ sind Wirtschafts- und das Finanzministerium derzeit dabei, Rettungspläne für einen solchen Fall zu erarbeiten. BP weist alle Spekulationen über eine wackelnde finanzielle Basis zurück.

Der Konzern glaubt, sich mit einer Mischung aus Sparmaßnahmen, Neuverschuldung und dem Verkauf einer Anzahl von Ölfeldern flüssig halten zu können, um die wachsenden Kosten des Umwelt-Desasters im Golf von Mexiko zu finanzieren. Mit einer gewissen Zuversicht verweist man auch auf neu erwachtes Interesse libyscher und anderer Investoren an BP-Aktien.

Tatsächlich hat das „Deepwater Horizon“-Unglück den Konzern schwer in Bedrängnis gebracht. Den von Washington verlangten Schadensersatztopf von 20 Milliarden Dollar (16 Mrd. Euro) glaubt BP noch aus eigenen Kräften füllen zu können, zumal die Amerikaner dem Ölkonzern dreieinhalb Jahre für die Auszahlung eingeräumt haben.

Sollte die unablässig sprudelnde Schmutzquelle im Golf aber im August nicht „abgestellt“ werden und sich die Krise hinziehen, könnten wesentlich höhere Forderungen auf BP zukommen. Bei nachlassender Liquidität könnte BP nach Auffassung Londoner Experten ernsthaft in Gefahr geraten. Die Angst vor einem Kollaps oder einer Übernahme BPs hat nach Angaben der „Times“ zur jüngsten Erarbeitung von Notfallplänen durch die Regierung geführt.

Ein Zusammenbruch des größten britischen Unternehmens hätte fatale Folgen für das Vereinigte Königreich. BP beschäftigt 10 000 Mitarbeiter in Großbritannien (weltweit 80 000) und zahlt 7 Milliarden Euro Steuern an den britischen Staat. Es verfügt über zentrale Ölquellen, Installationen zur Energiesicherung, etwa in der Nordsee, und über strategisch wichtige Leitungen wie die Baku-Tiblisi-Pipeline, die Russland und den Iran umgeht.

Auch Millionen britischer Renten sind über Rentenfonds an BPs Ausschüttungen geknüpft. Dies soll einer der Bereiche sein, der bei der ministeriellen Planung eine Rolle spielt. Laut „Times“ erwägt die Regierung allerdings auch eine staatliche Intervention zur Absicherung BPs, wie sie in der Kreditkrise im Fall der Royal Bank of Scotland zustande kam. Kein Ministerium wollte diese Angaben bisher bestätigen.

BP selbst weist dies entschieden zurück: „Wir werden uns durchaus wieder erholen.“ Die globalen Einnahmen des Konzerns bildeten eine solide Grundlage für die Schadenserstattung, meinte ein BP-Sprecher. Auch die Streichung der Dividende für den Rest des Jahres vermehre die Reserven kräftig. Durch Einschnitte bei den Kapitalausgaben sollen bereits 8 Milliarden Euro gespart worden sein. Weitere 8 Milliarden soll der Verkauf mehrerer Ölfelder erbringen. Andere Schritte dieser Art, die den Konzern im Kern unangetastet lassen wollen, sind offenbar in Vorbereitung.

Eine Kapitalerhöhung über neue Aktien will BP dagegen vermeiden. Aktionäre und Minister haben Bedenken gegen eine „Teilübergabe BPs“ etwa an wohlbetuchte chinesische oder Nahostinvestoren angemeldet. Andererseits zeigte sich in dieser Woche erstmals wieder Interesse an BP-Aktien, nachdem bekannt geworden war, dass arabische Staatsfonds ein Auge auf BP geworfen hatten.

Peter Nonnenmacher

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