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Deutschland / Weltweit „Die Banken brauchen höhere Erträge“
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07:40 25.02.2015
Von Stefan Winter
Europas Banken erleben unruhige Zeiten, manche sehen ihr ganzes Geschäftsmodell in Gefahr. Quelle: Frank Rumpenhorst

Die Wirren um Griechenland lassen die Finanzmärkte recht kalt. Hat der „Grexit“, der Ausstieg aus der Währungsunion, keinen Schrecken mehr, Herr Dombret?
Über einen „Grexit“ spekuliere ich nicht. Die Finanzminister sind im Moment darum bemüht, eine tragfähige Lösung für Griechenland zu finden, und die Märkte sehen und bewerten dies auch so. Die Ansteckungsgefahr wäre übrigens bei einer Krise heute zumindest deutlich geringer als in den wirklich heiklen Jahren 2011 und 2012.
Europas Banken erleben unruhige Zeiten, manche sehen ihr ganzes Geschäftsmodell in Gefahr. Müssen wir neue Bankenkrisen fürchten?
Die deutschen Banken sind stabil genug, auch einen schweren Wirtschaftseinbruch zu überstehen – das hat der Stresstest der EZB im vergangenen Jahr gezeigt. Vor allem sind sie deutlich besser als früher mit Eigenkapital ausgestattet – das bleibt das A und O für die Stabilität einer Bank. Allerdings müssen die deutschen Institute bei der Profitabilität aufholen – sie brauchen schlicht höhere Erträge. Was die Ertragslage angeht, haben sie auch im internationalen und im europäischen Vergleich Nachholbedarf. Nachhaltige Ertragskraft ist aber die Grundvoraussetzung für stabile Banken. Nur wenn eine Bank Rücklagen für schlechte Zeiten bilden kann und nicht von der Substanz lebt, kann sie in einer Krise für Unternehmen und Privatkunden da sein und ihre Aufgabe erfüllen.

Zur Person: Andreas Dombret

Andreas Dombret, 1960 in Des Moines in den USA geboren, ging in Ahlen zur Schule und studierte Betriebswirtschaft in Münster. Seine Karriere begann 1987 bei der Deutschen Bank und führte über JP Morgan, Rothschild und die Bank of America 2010 in den Bundesbank-Vorstand. Dort ist er für Finanzstabilität, Statistik und Risiko-Controlling verantwortlich.

Warum hinken die deutschen Häuser hier hinterher?
Der Grund liegt in ihrem sehr zinsabhängigen Geschäft, in der hohen Bedeutung von Krediten auf der einen und Einlagen auf der anderen Seite. Das stößt in extremen Niedrigzinsphasen wie jetzt natürlich an seine Grenze. In anderen Ländern spielt das Provisionsgeschäft eine größere Rolle, zum Beispiel im Wertpapiergeschäft.
Die Banken sollen also auch hierzulande in diese Richtung gehen?
Ja, das würde helfen, funktioniert aber nicht kurzfristig und kann nicht der einzige Hebel sein. Außerdem geht es um Kosteneinsparungen. Auch über Zusammenschlüsse kann man nachdenken, sofern dies strategisch sinnvoll ist.
Josef Ackermann, damals Deutsche Bank, hat einmal 25 Prozent Rendite gefordert. Schwebt Ihnen das vor?
Ich spreche von nachhaltiger Profitabilität. 25 Prozent sind eine stattliche Rendite, aber kaum nachhaltig zu erzielen. Schönwettergewinne helfen nicht, wir brauchen auch Schlechtwetterbanken. Nur bei auskömmlichen Erträgen ist eine Bank auch dann noch da, wenn es einmal schwierig wird.
Einerseits sollen die Banken Risiken meiden, andererseits flutet die EZB den Markt mit Geld. Steigt dadurch nicht das Risiko?
In Phasen wie diesen mit sehr niedrigen Zinsen und niedriger Inflation beginnt natürlich eine Jagd nach Rendite. Das Risikobewusstsein schwindet, ein Gefühl der Sicherheit macht sich auch an den Märkten breit – und das kann trügerisch sein. Es ist nämlich durchaus möglich, dass sich Preisblasen bilden.
Wo ist die Gefahr am größten?
Wir achten nach den Erfahrungen, die andere Länder gemacht haben, besonders auf mögliche Übertreibungen an den Immobilienmärkten. In den sieben deutschen Metropolen hat es deutliche Preisanstiege gegeben, und inzwischen sehen wir sie zum Teil auch in den nächstgrößeren Städten. Aber wir sind der Meinung, dass es noch keine Immobilienblase in Deutschland gibt.
Woher nehmen Sie den Optimismus?
Die Summe der Kredite nimmt bisher nicht markant zu, und die Standards bei der Kreditvergabe haben sich nicht verschlechtert. Beides sind Zeichen einer tragbaren Entwicklung. Außerdem darf man nicht vergessen, dass die Immobilienpreise in Deutschland jahrelang kaum gestiegen sind – daher gibt es hier einen gewissen Nachholbedarf. Wir sind dennoch sehr, sehr aufmerksam. Und eins sollten alle, die bauen oder kaufen wollen, unbedingt beherzigen: Finanzieren Sie eine Immobilie nur dann, wenn Sie dies auch bei einem höheren Zinssatz tun würden. Die Zinsen werden irgendwann wieder steigen, und die Immobilienpreisentwicklung kann sich beruhigen oder gar ins Gegenteil verkehren. Alle Seiten sollten mit Krediten sehr konservativ umgehen: Banken wie Kunden. Wir in der Bundesbank raten sehr dazu, ein solides Geschäft zu betreiben.

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