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Deutschland / Weltweit Die Bahn erholt sich von der Flaute
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18:55 28.07.2010
Ein Reporter eines Satire-Magazins überreicht Bahn-Chef Rüdiger Grube das „Goldene Handtuch“ als Preis für die „beste Saunaidee 2010“. Quelle: dpa

Nach den Hitzepannen bei ihren ICE-Zügen hat die Deutsche Bahn bereits rund 5600 Kunden entschädigt. Man habe bisher insgesamt 374.000 Euro an 5627 Fahrgäste ausgezahlt, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube am Mittwoch bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in Berlin: „Das Versprechen einer kulanten und unkomplizierten Entschädigung können wir halten.“

Der Bahn hatten die hochsommerlichen Temperaturen der vergangenen Wochen bei ihren ICE-2-Zügen zu schaffen gemacht: Da die Klimaanlagen nur für Temperaturen bis 32 Grad Celsius ausgelegt sind, fielen sie vielfach aus. Die Züge heizten sich zum Teil extrem auf, eine Reihe von Fahrgästen musste dehydriert von Ärzten behandelt werden.

Wer unter dem Ausfall von Klimaanlagen in den Zügen gelitten hat, erhält von der Bahn einen Reisegutschein über 50 Prozent des Fahrpreises. Fahrgäste, die gesundheitliche Probleme erlitten haben, sollen einen Gutschein über 150 Prozent des Ticketpreises erhalten sowie eine Barentschädigung von 500 Euro. Derzeit dauere die Entschädigung von Anfrage bis Auszahlung höchstens 14 Tage, sagte Grube.

Zu den finanziellen Folgen der Hitzepannen konnte Grube noch keine Angaben machen. Die Schwierigkeiten im Winter, als sich durch extreme Kälte ICE-Züge verspäteten oder ganz ausfielen, kosteten die Bahn nach Angaben des Konzernchefs allerdings 70 Millionen Euro.

Die Bahn kann das verkraften, weil sie vom überraschend starken und schnellen Aufschwung profitiert. Nach den Umsatz- und Ertragsrückgängen in der Wirtschaftskrise stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. Der Konzernumsatz soll dieses Jahr um ein Zehntel auf 32 Milliarden Euro klettern. Vor allem das Fracht- und Logistikgeschäft wächst stark. Das operative Ergebnis der Bahn verbesserte sich dadurch im ersten Halbjahr um ein Viertel auf 1,16 Milliarden Euro, der Umsatz stieg um ein Achtel auf 16,1 Milliarden Euro.

Unterm Strich allerdings sieht es weniger erfreulich aus. Vor einem Jahr konnte der Konzern noch hohe Sondergewinne aus Immobilienverkäufen beim Großprojekt Stuttgart 21 von mehr als einer halben Milliarde Euro verbuchen. Dieser Effekt ist nun weggefallen – folglich halbierte sich der Vorsteuergewinn auf 369 Millionen Euro. Auch unterm Strich fällt der Überschuss per Ende Juni mit 392 Millionen Euro um ein Drittel geringer aus.

Die Probleme mit der Qualität kosten den Konzern allerdings auch an anderen Stellen viel Geld. Allein bei der S-Bahn Berlin schlagen die Radmängel im ersten Halbjahr mit 70 Millionen Euro Belastungen zu Buche, die Tochterfirma fuhr bis Ende Juni 40 Millionen Euro operativen Verlust ein. Bei den Klimaanlagen der ICE-2-Flotte soll es vorerst keinen Komplettaustausch geben. Mit einem Fünfpunkte-Plan will man aber den Betrieb und die Energieversorgung der Anlagen verbessern. Grube kündigte zudem eine „Qualitätsoffensive“ an, zu der auch bessere Informationen an Bahnhöfen gehören sollen.

Neue Fernzüge erst 2014: Die rote Intercity-Flotte der Bahn ist teils mehr als 40 Jahre alt und bei Technik und Komfort längst nicht mehr zeitgemäß. Seit Jahren verschiebt der Staatskonzern den teuren Ersatz. 2014 oder gar 2015 könne es werden, bis die ersten neuen Modelle geliefert werden, sagte Grube. Der Großauftrag über zunächst 220 „ICX“-Züge für rund 4 Milliarden Euro soll bis Jahresende vergeben werden. Liefern soll Siemens, falls der Preis stimmt.

London-Premiere für den ICE 3: Der modernste deutsche Zug soll im Oktober erstmals testweise durch den Kanaltunnel nach London fahren. Nach langem Drängen und vielen Protesten hat sich die Deutsche Bahn damit durchgesetzt. In der zweiten Oktoberhälfte werde erstmals ein ICE durch den Eurotunnel auf die britische Insel fahren, verkündete Grube am Mittwoch in Berlin. Mit dem Testzug sollen Sicherheits- und Brandschutzfragen geklärt werden, die bisher die Durchfahrt verhindern. Damit kann der Konzern in absehbarer Zeit womöglich eigene direkte und schnelle Zugverbindungen nach Großbritannien anbieten. Die privaten Betreiber des Kanaltunnels verweigern dem ICE die Durchfahrt seit Jahren unter Hinweis auf besondere Sicherheitsvorschriften. Die Bahn sieht darin allerdings ein vorgeschobenes Argument, um mehr Konkurrenz auf der Strecke zu verhindern. Der ICE fährt seit Jahren problemlos unter anderem durch viele Alpentunnel.

Thomas Wüpper

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