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Deutschland / Weltweit Deutschland und die Krise: Von der IKB bis Athen
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16:56 26.07.2010
Quelle: dpa (Symbolbild)

Der Stress begann weit weg, in irgendeinem Winkel der USA. Von „Subprime“, zweitklassigen US-Immobilienkrediten, hatten bis zum Sommer 2007 in Deutschland nur Experten gehört. Dass auch Banker nicht alles verstanden, womit sie kräftig Kasse machten, offenbarte sich am 30. Juli 2007: „Die Krise des US-amerikanischen Hypothekenmarktes im Subprime-Bereich hat sich auf die IKB Deutsche Industriebank AG (IKB) ausgewirkt“, teilte das Düsseldorfer Institut lapidar mit. Die Finanzkrise hatte Deutschland erreicht.

Drei Jahre später fahren etliche Konzerne wieder Milliardengewinne ein, doch beruhigt sind die Märkte nicht - das zeigt auch ihre verhaltende Reaktion auf die jüngsten Stresstests, die die Krisenfestigkeit der Banken beweisen sollten.

„Die Krise ist noch nicht vorüber“, mahnte EZB-Präsident Jean- Claude Trichet Anfang Juli dieses Jahres in Frankfurt. Neue Krisen könne sich die Staatengemeinschaft nicht leisten. Milliarden pumpten Notenbanken und Staaten in Banken, Konjunktur und letztlich sogar Staaten wie das hoch verschuldete Griechenland, um einen Crash zu verhindern. Noch immer hängen etliche Banken am Staatstropf, viele Euro-Staaten ächzen unter gigantischen Schuldenbergen.

„Die erste Stufe der Krise, Subprime, ist in den Bilanzen der Banken verarbeitet. Bei der zweiten Stufe, dem Konjunktureinbruch, gibt es Erholungssignale. Keine Entwarnung sehe ich bei der dritten Stufe der Krise: Der immensen Verschuldung der Staaten. Hier gibt es strukturelle Probleme“, bilanziert der Wirtschaftswissenschaftler Martin Faust. Faust ist überzeugt, dass es noch lange dauern wird, bis die Märkte ihre wohl wichtigste Währung wieder in ausreichendem Maß zur Verfügung haben: Vertrauen. „Etwas Misstrauen wird nach dieser Krise grundsätzlich immer bleiben.“

Im Sommer 2007 taten sich selbst Finanzprofis schwer, das Ausmaß der Krise abzuschätzen. Jahrelang war das Geschäft mit US-Hypotheken glänzend gelaufen: Kaum abgesicherte Kredite wurden zu Päckchen gebündelt und als Wertpapiere verkauft. Doch die Blase platzte, als viele Kreditnehmer Darlehen nicht mehr abzahlen konnten. Auch in Deutschland verloren viele Sparer deswegen Geld.

In Deutschland warnte der Präsident der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, zwar vor der schwersten Bankenkrise seit 1931, sollte die Düsseldorfer IKB zusammenbrechen und einen Dominoeffekt auslösen. Doch Fälle wie die IKB oder die kurz darauf auch eilends gerettete SachsenLB, die kleinste deutsche Landesbank, schienen kontrollierbar. Die IKB wurde am Leben erhalten, was die Staatsbank KfW als damalige IKB-Haupteigentümerin - und damit den Steuerzahler - rund zehn Milliarden Euro kostete. Die SachsenLB schlüpfte unter die Fittiche der Landesbank Baden-Württemberg.

„Im Sommer 2007 hat man nicht wirklich verstanden, welche Risiken da zu uns rüberschwappen“, erinnert sich der Ökonom Dirk Schiereck. „Erst im Herbst 2008, nach der Pleite von Lehman Brothers, hat man so richtig begriffen, wie schlimm diese Krise ist.“

Die Pleite der US- Investmentbank am 15. September 2008 schockte die Finanzwelt. Regierungen und Notenbanken rückten zu Feuerwehreinsätzen aus, schnürten gigantische Rettungspakete mit ungewissem Ausgang für Steuerzahler, drohten mit schärferen Regeln für die Finanzmärkte.

Bis heute steht das Thema Kontrolle der Banken ganz oben auf der Liste - mit bislang durchwachsenem Erfolg, wie Experten urteilen. „Die Regulierer hinken den Märkten hinterher, das nutzen einige Institute aus“, sagt Bankenprofessor Faust. Sein Kollege Schiereck sagt: „Dass bestimmte Kasinostrukturen erhalten geblieben sind, wird niemand bestreiten. Es ist unheimlich viel Geld im Markt, das permanent nach Anlagen sucht - und wo viel Geld ist, besteht immer die Gefahr, dass es auch wieder Preisblasen gibt.“ Auch Lorenzo Bini- Smaghi, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), stellte kürzlich fest: „Nicht alle haben ihre Lektion gelernt.“

Die IKB gehört mittlerweile dem US-Finanzinvestor Lone Star, doch die Krise hängt dem Institut noch nach. Die Bank schreibt weiterhin rote Zahlen. Auch die juristische Aufarbeitung der Krise ist nicht beendet: Ex-IKB-Stefan Ortseifen will nach seiner Verurteilung zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe und einer Geldauflage wegen vorsätzlicher Marktmanipulation in Revision gehen.

dpa

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