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Deutschland / Weltweit Teurer als gedacht
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12:15 22.06.2013
Von Lars Ruzic
Besonders die Preise für Fleisch sind im europäischen Vergleich hoch. Quelle: dpa
Berlin

Oft und vielstimmig singt der deutsche Einzelhandel das Hohelied der niedrigen Preise. In kaum einem europäischen Land seien Lebensmittel billiger zu bekommen, heißt es dann immer. Grund sei der scharfe Wettbewerb in der Branche, ausgelöst durch den hohen Anteil der Discounter. Deutschland – das Konsumparadies auf Erden.

Ein Preisvergleich der EU-Statistiker von Eurostat ist da zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Innerhalb der EU ist Deutschland bei den Nahrungsmittelpreisen allenfalls Durchschnitt, sogar etwas teurer, rechneten die Fachleute vor. Denn bei Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken liegt das deutsche Niveau 6 Prozent über dem EU-Schnitt. Erweitert man den Blick auf ganz Europa, wie es Eurostat ebenfalls getan hat, dann sind Nahrungsmittel in 23 von 37 untersuchten Ländern günstiger als in der Bundesrepublik.

28 Prozent mehr für Fleisch

Insgesamt haben die Statistiker mehr als 500 vergleichbare Produkte aus den Bereichen Nahrungsmittel, alkoholische Getränke und Zigaretten verglichen. Besonders auffällig sind dabei die vergleichsweise hohen Preise für Fleisch. Hier zahlt der deutsche Konsument 28 Prozent mehr als der EU-Durchschnitt. Nur in Dänemark, Österreich und Luxemburg sind Fleischwaren teurer. Das überrascht umso mehr, als der deutschen Fleischindustrie in schöner Regelmäßigkeit vorgeworfen wird, mit welch niedrigen Löhnen sie über Werkverträge angestellte Osteuropäer bei sich arbeiten lässt.

Unlängst hatte sich beispielsweise Belgien über die Praktiken beschwert. Unser Nachbarland sieht seine Fleischbetriebe vor dem Aus, weil sie mit den Billiglöhnen in Deutschland nicht konkurrieren können. Übrigens: In Belgien zahlt der Kunde laut Eurostat 10 Prozentpunkte weniger für sein Fleisch. Fragt sich, bei wem die Differenz zwischen hohen Preisen und niedrigen Herstellkosten in Deutschland hängen bleibt? Man hat eine Ahnung.

So richtig billig sind für die Deutschen übrigens alkoholische Getränke zu haben. Hier zahlen sie nur 82 Prozent des EU-Niveaus. Allerdings heben einige Länder den Schnitt durch ihre besonders hohen Steuern auf Bier, Wein und Spirituosen auch kräftig an – etwa Finnland (175 Prozent des EU-Niveaus) oder Schweden (161 Prozent). Besonders unerbittlich ist Norwegen in Alkoholfragen. Das reiche Land, das nicht Mitglied der EU ist, lässt seine Bürger 288 Prozent des EU-Duchschnitts zahlen.

Tatsächlich gibt es gerade bei Spirituosen auch Verwerfungen, die mit Steuern nicht zu erklären sind. So kostet der Wolfenbütteler Jägermeister in Deutschland in der Regel nur einen Bruchteil dessen, was die Kunden im Ausland für den Kräuterlikör auf den Tisch legen. Der Grund liegt auf der Hand: In Deutschland ist der Jägermeister so etwas wie ein Massenprodukt, in anderen Ländern ein Exot.

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