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Deutschland / Weltweit Das Gewissens-Business: Ethikbanken in Deutschland
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13:54 02.04.2011
Quelle: dpa

Norbert Jost hat sein Konto bei einem großen Bankhaus nach der Finanz- und Wirtschaftskrise aufgelöst. Jahrelang war er dort Kunde. „Dann störte mich, dass ich nicht wusste, ob ich Giftgasfabriken oder Solaranlagen mitfinanziere“, sagt der 42-Jährige, der seinen richtigen Namen nicht nennen will, rückblickend. „Heute will ich sichergehen, dass mein Geld ökologische oder soziale Projekte fördert.“ Jost ist Kunde bei einer Bank, die sich wie andere “Öko“ und „Ethik“ auf die Fahnen geschrieben hat.

Die kleine Branche mit etwa zehn Banken in Deutschland erlebt für ihre Verhältnisse einen großen Zulauf. Bei der Umweltbank in Nürnberg kamen in diesem Jahr 1000 neue Kunden hinzu. „Wir brauchen keine Lockangebote“, sagt Firmensprecher Alexander Stark. Auch die GLS Bank mit Sitz in Bochum freut sich über Zuwachs. Mittlerweile zählt sie 91.000 Kunden. Alleine im vergangenen Jahr kamen 18.000 neue Kunden hinzu, so viel wie nie zuvor. Das Potenzial im Markt schätzt GLS-Sprecher Christof Lützel aber weit höher, nämlich bei acht bis zehn Millionen Menschen in den kommenden zehn Jahren.

Als wirkliche Konkurrenz nehmen die Sparkassen die kleinen Institute aber nicht wahr. „Wir haben 50 Millionen Kunden und genießen mit Abstand das größte Vertrauen“, sagt der Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Stefan Marotzke. Nachhaltige Geldanlagen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Einige Sparkassen bieten Sparbriefe an, mit denen Solar-Anlagen finanziert und Ökostrom gefördert werden.

Aber auch andere Gesellschaften versuchen mit der Auflage einzelner Ethik-Anlagen die Kunden bei der Stange zu halten. Zu ihnen zählen auch kirchliche Institute, wie die Steyler Bank, die das Geld hauptsächlich für Hilfsprojekte in der katholischen Mission geben.

Die Renditen der alternativen Banken sind vergleichsweise gering, teilweise wird Tagesgeld zu niedrigen Zinsen angelegt - kein Anreiz für kleine Sparer also, die nach hohen Renditen gieren. Immerhin waren es 50.000 Kleinanleger, die durch die Pleite von Lehman Brothers viel Geld verloren.

Dafür sind die Zinsen für Kredite abhängig vom Markt, aber auch von den Zielen des damit finanzierten Projektes. Der Bank kommt es darauf an, wie nachhaltig das Vorhaben umgesetzt wird. „Je umweltfreundlicher und energiesparender, desto günstiger der Zins“, sagt GLS-Sprecher Lützel. Aktuell liege der Zins in der Baufinanzierung bei 4,05 Prozent. Im September 2010 waren es 3,6 Prozent.

Die Krise ist aber nicht der einzige Grund, warum die „grünen“ Banken profitieren. „Nachhaltiges Leben ist das Stichwort - dazu gehört auch ein nachhaltiges Bankgeschäft“, sagt Lützel. „Die Menschen haben angefangen „bio“ zu kaufen - peu à peu haben sie begonnen Ökostrom zu nutzen, Naturkosmetik zu verwenden, verbrauchsarme Autos zu kaufen und umweltverträglich hergestellte Kleidung zu tragen.“

Um sich zusätzlich von den konventionellen Geldhäusern zu unterscheiden, setzen die alternativen Banken auf Transparenz. „Die Thüringer Ethikbank bezeichnet sich selber als gläserne Bank“, sagt Vorstandsmitglied Sylke Schröder. Im Internet sind detailliert die Anlagekriterien beschrieben. Eine Negativliste führt die Bereiche auf, die tabu sind. Etwa: Waffen, Atom, Gentechnik und Kinderarbeit.

Damit scheiden laut Ethikbank etliche Dax-Unternehmen aus. Auch in die Staatsanleihen bestimmter OECD-Länder wird nicht investiert. Die Bewertung von Staaten birgt allerdings größere Abwägungen: Staatsanleihen des Rüstungxporteurs Deutschland gelten als ethisch vertretbar, während die USA auf der Negativliste erscheint. Dort sind unter anderem CO2-Emissionen und die Kriminalität zu hoch und die Todesstrafe ein Beweis für die Verletzung der Menschenrechte.

Ausschlaggebend dafür ist ein Nachhaltigkeitsranking der Zürcher Kantonalbank. Was als ethisch durchgeht, ist umstritten. Um mit diesem Problem ein Stück weit umzugehen, behilft man sich mit Kundenumfragen. In strittigen Einzelfragen können Kunden so über die Anlageformen mit entscheiden. Auf diese Weise ist etwa die Allianz-Aktie aus den Depots der Bank verschwunden, nachdem bemängelt wurde, dass die Versicherung eine Minderheitsbeteiligung am Rüstungskonzern EADS halte. Auf ähnliche Weise wurde der Frankfurter Airportbetreiber Fraport wegen der Umweltbelastung und Puma wegen „nie verebbender Hinweise zu Kinderarbeit bei Lieferanten“ ausgeschlossen.

Am Ende muss jeder selber entschieden, ob das gute Gewissen mehr Wert ist als das Geld auf dem Konto. Würde man heute 50.000 Euro bei einer herkömmlichen Bank zu 3 Prozent anlegen, hätte man nach 20 Jahren gut 40 300 Euro Zinsen erwirtschaftet. Bei den Ökobanken wären es bei einem Zinssatz von 1,5 Prozent gerade mal rund 17.300 Euro.

dpa

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