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Deutschland / Weltweit Conti plant milliardenschweren Zukauf
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00:15 13.02.2014
Von Lars Ruzic
Der Hauptsitz des Autozulieferers Continental in Hannover. Quelle: dpa
Hannover

Bei Schläuchen, Fördergurten, Antriebsriemen und Luftfedersystemen wird die vergrößerte Sparte künftig weltweit Spitzenplätze belegen. „Das Veyance Geschäft ergänzt Continental auf regionaler Basis und stärkt unser Industriegeschäft“, begründete Konzernchef Elmar Degenhart den Zukauf.

Für die Hannoveraner ist es der zweite Anlauf zur Übernahme des Konkurrenten. Veyance firmierte ursprünglich unter dem Namen Goodyear Engineered Products (GEP). Als der Reifenkonzern die Tochter Anfang 2007 abstoßen wollte, bot Conti schon einmal mit. Damals zog der Zulieferer jedoch gegen den Finanzinvestor Carlyle den Kürzeren, der mit 1,5 Milliarden Dollar deutlich mehr für GEP geboten hatte. Nun bekommen die Beteiligungsmanager 1,9 Milliarden Dollar aus Deutschland – ein Aufschlag von 27 Prozent gegenüber dem Kaufpreis von vor sieben Jahren.

Allerdings ist Veyance, das seine Produkte nach wie vor unter dem Goodyear-Logo verkauft, seitdem um gut ein Drittel gewachsen und deutlich profitabler geworden. Der US-Konzern bringt 27 Werke mit gut 9000 Mitarbeitern ein. Die vergrößerte ContiTech kommt künftig auf gut 5,4 Milliarden Euro Umsatz und 39 000 Mitarbeiter, davon gut 3000 in Hannover. „Das Unternehmen passt großartig in unsere Wachstumsstrategie“, sagte ContiTech-Chef Heinz-Gerhard Wente.

Mit dieser Übernahme meldet sich Continental zurück auf der Bühne der Firmenkäufer. Nachdem die Hannoveraner Ende 2007 Siemens-VDO für 11,4 Milliarden Euro geschluckt hatten, kämpfte der Konzern zunächst über Jahre mit einer gewaltigen Schuldenlast. In der Wirtschaftskrise und nach der Übernahme durch Schaeffler kam der neue Riese sogar gewaltig ins Schlingern. Inzwischen sind die Schulden auf ein erträgliches Maß geschrumpft, die Übernahme von Veyance könne man „vollständig aus liquiden Mitteln und verfügbaren Kreditlinien“ finanzieren, betonte Degenhart.

Arbeitsplätze werde die Übernahme nicht kosten, sagte Wente. Beide Unternehmen ergänzten sich regional perfekt – ContiTech mit seinem europäischen,  Veyance mit seinem amerikanischen Schwerpunkt. Deshalb rechnet der ContiTech-Chef auch nicht mit Einwänden der Wettbewerbshüter. Gleichwohl wird der Kauf in vielen Ländern noch freigegeben werden müssen. Erst im Spätsommer oder Herbst rechnet Wente deshalb mit dem Vollzug des Deals.

Conti stärkt das Industriegeschäft

Mit der Übernahme des US-Konzerns Veyance kommt Continental seinem Ziel ein Stück näher, sich von den Autobauern unabhängiger zu machen. Die frühere Goodyear-Tochter, die 90 Prozent ihres Umsatzes mit Industriekunden erwirtschaftet, passe genau in diese Strategie, sagte ContiTech-Chef Heinz-Gerhard Wente am Montag. Damit steige der Umsatzanteil, den Continental mit Industrie- und Endkunden erwirtschafte, von derzeit 28 auf 32 Prozent. Langfristig soll er auf 40 Prozent wachsen. „Wir wollen so besser gewappnet sein gegen konjunkturelle Schwankungen.“

Diese Strategie ist nicht neu, nur mit der Umsetzung hat es in den vergangenen Jahren gehapert. Conti hatte nach der Übernahme von Siemens-VDO kein Geld für größere Zukäufe – und nach der Wirtschaftskrise, in der sich viele Länder wieder ihrer industriellen Wurzeln erinnerten, stiegen gleichzeitig die Preise für das produzierende Gewerbe. Mit den 1,9 Milliarden Dollar zahle man nun etwa das 7,4-fache des operativen Ergebnisses von Veyance, rechnete Wente vor. Das sei „noch sehr gut für uns“.

Außerdem werde Veyance vom ersten Tag an einen positiven Beitrag zum Konzernergebnis abliefern. Durch die Integration des Konkurrenten, der wie ContiTech bei Schläuchen, Transportbändern, Antriebsriemen und Luftfedern stark ist, will Wente weitere Synergien heben – allerdings nicht durch Werksschließungen oder Personalabbau. Da ergänzten sich die Partner sehr gut, es gebe regional kaum Überschneidungen.

Veyance mache über die Hälfte seines Umsatzes in Nordamerika – eben dort, wo ContiTech vergleichsweise schwach aufgestellt ist. Sparen will Wente aber beim Einkauf und durch die international abgestimmte Betreuung großer Kunden. Hier könnten sich die Einsparungen nach vier Jahren auf 75 Millionen Euro addieren, sagte der ContiTech-Chef.

Die frühere Goodyear Engineered Products (GEP) war 2007 vom US-Reifenbauer ausgegliedert und meistbietend verkauft worden. Damals erhielt Carlyle den Zuschlag, Conti zog den Kürzeren. Die Finanzinvestoren hätten das Unternehmen nicht ausgeschlachtet, betonte Wente – im Gegenteil: „Die Investitionshistorie kann man als gesund bezeichnen.“ So sei durchaus Geld in den Ausbau der operativen Stärken geflossen, etwa in die Materialentwicklung – „ein Schlüsselelement, um in unserer Branche erfolgreich zu sein“. Auch stiegen seit der Übernahme durch Carlyle Umsatz, Ergebnis und Mitarbeiterzahl. „Wir sind stolz auf das, was das Veyance-Management geleistet hat“, sagte Carlyle-Manager Martin Sumner.

Zu den Details der Integration wollte sich Wente nicht äußern – etwa zu der Frage, ob das Topmanagement an Bord bleibt. Veyance-Chef John S. Hamilton sagte, „wir freuen uns, wichtige Mitglieder der ContiTech-Familie zu werden.“ Die Marke Goodyear, die Veyance bis heute nutzt, muss ContiTech nach Vollzug der Übernahme allerdings schleunigst aus dem Verkehr ziehen. Gerade 30 Tage Zeit bleibt den Hannoveranern dafür.

Hintergrund: Ein Konzern im Konzern

ContiTech ist die kleinste der fünf Divisionen von Continental. Die 1991 gegründete Holding verfügt über acht Geschäftsbereiche. Die mit Abstand größte ist ContiTech Fluid: Ein Drittel des ContiTech-Umsatzes von zuletzt gut 3,9 Milliarden Euro entfällt auf den Schlauchspezialisten, der von Auto- über Industrie- bis hin zum legendären Gartenschlauch „Goldschlange“ ein breites Portfolio im Angebot hat. Zur Weltspitze gehört ContiTech auch in den Bereichen Transportbänder (Sitz in Northeim), Antriebsriemen, Schwingungsdämpfung und Folien für den Autoinnenraum (alle Sitz Hannover).

Der letzte große Zukauf der Sparte liegt zehn Jahre zurück, damals schluckte ContiTech den Hamburger Konkurrenten Phoenix. Der Kautschukspezialist kommt heute auf rund 30 000 Mitarbeiter, gut 3000 davon am Firmensitz in der Region Hannover. ContiTech ist nach den Reifen der profitabelste Bereich im Konzern, kam zuletzt auf eine operative Rendite (Ebitda) von 14,8 Prozent. Nach der Übernahme von Veyance steigt der Umsatzanteil des Industriegeschäfts auf 60 Prozent der ContiTech-Erlöse.

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