Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Deutschland / Weltweit Bahn schickt ICE-Züge in Werkstatt
Mehr Welt Wirtschaft Deutschland / Weltweit Bahn schickt ICE-Züge in Werkstatt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:23 22.07.2010
Viele Fragen, aber wenig Antworten: Verkehrsminister Peter Ramsauer (links) und Bahnchef Rüdiger Grube. Quelle: dpa

Auf diese Zusagen hatte Ramsauer zuvor den Bahn-Vorstand eingeschworen. Er erwarte, sagte Ramsauer nach dem Treffen in Berlin, „dass die Bahn bei minus 40 Grad genauso zuverlässig und gesundheitstauglich fährt wie bei plus 40 Grad und auch bei allen Temperaturen dazwischen“. Der Verkehrsminister kündigte an, im Zulassungsverfahren des Eisenbahn-Bundesamts für neue Züge sollten künftig die Klimaanlagen besser geprüft werden.

Unternehmenschef Grube versprach zügige Besserung: „Ich werde alles tun, um diese Herausforderung in den Griff zu bekommen.“ Der Bahn-Chef hat offenbar aus dem Kommunikationsdesaster der vergangenen Tage gelernt. Grube gibt nach der Sitzung des Verkehrsausschusses den reuigen Sünder: „Jeder Zug der ausfällt, ist ein Zug zu viel“, sagt er und verweist gleichzeitig darauf, dass es „in den letzten sechs Tagen eine deutliche Stabilisierung“ gegeben habe.

In den vergangenen Tagen war es allerdings auch nicht so heiß wie an dem Wochenende, an dem Gäste der Deutschen Bahn nach ihrer Reise ärztlich versorgt werden mussten – Szenen, die das Image des Unternehmens zusätzlich ramponiert haben.

Deshalb ist Grube nun um Schadensbegrenzung bemüht: Fahrgäste, die in den Saunazügen gesundheitliche Probleme hatten, bekommen 500 Euro Schmerzensgeld – auch ohne ärztliches Attest, wie der Bahn-Chef gestern betonte. Bisher hätten diese Kulanzleistung rund 300 Kunden in Anspruch genommen. Die finanzielle Gutmachung ist das eine, Konsequenzen für die Zukunft sind das andere: Verschiedene Projekte werden nun in Angriff genommen. So will die Bahn ihre Klimaanlagen für höhere Temperaturen auslegen. Das heißt, die Züge sollen auch „bei einem spanischen Niveau“ von 45 Grad gut gekühlt rollen. Bei den aktuellen ICEs liegt die Temperaturgrenze, je nach Typ, zwischen 32 und 35 Grad.

Insgesamt gebe es bei der Bahn zu allen Problemen einen Arbeitsplan, an dem intensiv gearbeitet werde. Grube kündigte an, dass die 44 ICE-2-Züge der Bahn für mehr als 100 Millionen Euro generalüberholt werden sollen. Gleichzeitig werde sich die Bahn die Kühlmittelmengen, die Lebensdauer einzelner Komponenten und die Energiezufuhr ganz gezielt ansehen.

Trotz aller Versprechen blieb vieles offen: So gibt es immer noch keine Erklärung für die zentralen Fragen: Wie kam es zu den Ausfällen? Und: Wer ist dafür verantwortlich? Von „unklaren, ausweichenden Antworten“, sprach Grünen-Verkehrsexperte Anton Hofreiter. Auch der Hannoveraner Patrick Döring, verkehrspolitischer Sprecher der FDP und Bahn-Aufsichtsratsmitglied, beklagte fehlende schriftliche Berichte. Er forderte „vollständige Transparenz, klare Fakten dazu, wie sich der Wartungsaufwand bei Klimaanlagen in den vergangenen Jahren entwickelt hat“. Außerdem müsse man darüber nachdenken, ob sich wirklich die vom Bund angestrebte Dividende von 500 Millionen Euro erwirtschaften lässt. „Wir müssen den Verlauf des Geschäftsjahrs kritischer betrachten.“

Bundesverkehrsminister Ramsauer verteidigte die von der Bundesregierung geplante jährliche Ausschüttung. Diese übe keinen weiteren Kostendruck auf die Bahn aus. Es handele sich „nicht um eine Einsparung, sondern um eine Einnahmenmehrung“, betonte Ramsauer. Außerdem sei es für den Eigentümer eines Unternehmens „selbstverständlich“, dass er auf eine Dividende hofft. Diese müsse aber erst erwirtschaftet werden, bevor sie beschlossen werden könne.

Vertreter des Fahrgastverbands Pro Bahn zeigten sich enttäuscht von dem Spitzentreffen. „Man wüsste gerne: was wurde hier gespart, wie viel wurde gespart und wo ist das Geld eigentlich hingekommen“, sagte Pro-Bahn-Sprecher Carl-Friedrich Waßmuth.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Bahn.

Maria Zehrt und Reinhard Urschel

Mehr zum Thema

Nach zahlreichen Ausfällen von Klimaanlagen in Fernzügen, will die Deutsche Bahn die hitzegeplagten Fahrgäste mit Reisegutscheinen entschädigen. Am Wochenende wurden mehrere überhitzte ICE gestoppt - in einem waren Schüler kollabiert.

13.07.2010

Unerträgliche Hitze in ICE-Zügen nach Ausfall der Klimaanlagen: Die Bahn hat am Sonnabend drei Züge auf der Strecke von Berlin in Richtung Rheinland evakuiert. Laut Medienberichten kollabierten 27 Schüler in einem überhitzten Zug. Auch in Hannover wurden Züge gestoppt und Passagiere auf andere Züge verteilt.

11.07.2010

Die Hitze bringt die Bahn in die Bredouille. Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert eine Generalüberholung der ICE-II-Züge. Aber auch in ICs fielen am Wochenende Klimaanlagen aus.

12.07.2010

Der schwedische Nutzfahrzeugkonzern Volvo ist nach der Finanz- und Wirtschaftskrise mit seinen Lastwagen und Bussen wieder sicher in der Gewinnzone gelandet.

22.07.2010

Bahn-Chef Grube muss dem Bundestag am Donnerstag wegen der Hitze-Pannen Rede und Antwort stehen. Kurz vor dem Treffen sorgt Grube aber für neuen Unmut.

22.07.2010

Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) hat angesichts schlechter Ernteaussichten die Bauern aufgefordert, sich besser auf Hitze und Kälte einzustellen.

22.07.2010