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Deutschland / Weltweit Bahn kennt Kühlungsproblem seit 2008
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20:14 21.07.2010
Werbeplakat am Berliner Bahnhof: Das Saunaklima in manchen Zügen der Bahn machen sich Getränkehersteller zunutze. Quelle: afp

Laut der Protokolle, die dieser Zeitung vorliegen, gab es bereits im Sommer 2008 massive Mängel bei der Kühlung der 44 Züge der ICE-2-Flotte. Am 1., 3., 4. und 5. August waren demnach je sieben Klimaanlagen defekt, am 2. August kühlten sechs Anlagen nicht.

Als die Fahrt des ICE 846 von Berlin nach Köln am 10. Juli für zahlreiche Fahrgäste im Krankenhaus endete, hatte sich die Bahn „völlig überrascht“ vom Ausfall von Klimaanlage und Lüftung gezeigt. Diese Aussage von Bahn-Chef Rüdiger Grube wiederum überraschte viele Experten und auch manchen ICE-Zugbegleiter. Denn der Ausfall der Kühlung kommt offenbar öfter vor.

So listet das interne Informationsblatt „P.T-O-B 62“ bereits für den Sommer 2008 zahlreiche Mängel auf. Im Juli 2008 funktionierten demnach im Schnitt drei Anlagen nicht, im Juni fielen durchschnittlich vier Anlagen aus. Das Dauerproblem mit den Klimaanlagen bestätigen auch anonyme Aussagen von Zugbegleitern. Ein Schaffner meldete demnach innerhalb eines Jahres allein 30 defekte Klimaanlagen in seinen Zügen. Trotzdem wurden die Anlagen nicht ersetzt, sondern nur immer wieder repariert.

Auch andere technische Mängel, die den Komfort beeinträchtigen und teilweise auch die Sicherheit, nahm die Bahn über Monate hinweg offenbar billigend in Kauf. Das Protokoll listet zum Beispiel für den 5. August 2008 insgesamt 24 „gestörte WC“, vier abgeschaltete Bremsen und fünf „gestörte Bugklappen“ auf. Im Juli 2008 fielen in den 44 ICE-2-Zügen im Schnitt pro Tag elf Toiletten aus, im Juni zehn.

Bahnchef Grube muss heute den fragwürdigen Umgang mit den Technikproblemen vor Verkehrsexperten des Bundestags erläutern. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und das Eisenbahnbundesamt nehmen an der Sitzung teil. Experten und Kritiker warnen seit Langem davor, dass der Spar- kurs der Bahn dazu führen könnte, dass Züge auf Verschleiß gefahren werden, um Kosten zu senken.

Aus vertraulichen Unterlagen des Aufsichtsrats geht hervor, dass der Staatskonzern zwischen 2003 und 2005 bei der Wartung der ICE, Loks und Reisezüge massiv gespart hat. Achsen wurden beim ICE statt nach 4400 Kilometern nur noch alle 8000 Kilometer kontrolliert. Die Inspektion wurde zudem erst nach 144 000 Kilometern statt nach 72 000 durchgeführt und die Generalüberholung erst nach 1,65 statt 1,4 Millionen Kilometern.

Die Voraussetzungen für die Einsparungen seien „grundlegend umgesetzt“, heißt es zufrieden in den Unterlagen des Aufsichtsrates. Die Kontrolleure haben demzufolge also von der stark ausgedünnten Wartung und den möglicherweise daraus resultierenden Technikproblemen frühzeitig Kenntnis gehabt. In dem Kontrollgremium bestimmen die Bundesregierung und die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA den Kurs.
Bahnchef Grube, der im Mai 2009 als Nachfolger von Hartmut Mehdorn angetreten ist, streitet ab, bei der Instandhaltung übermäßig gespart zu haben. In den letzten Jahren sei der Personal- und Sachaufwand dafür sogar gestiegen. Das liegt nach Ansicht von Experten aber vor allem daran, dass die Bahn etwa die ICE-Achsen nach Unfällen und dem Einschreiten der Aufsichtsbehörde zehnmal häufiger kontrollieren muss als zuvor.

Thomas Wüpper

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