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Deutschland / Weltweit Brötchen vor Gericht
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00:16 11.07.2015
Frische Brötchen: Seit vier Jahren streiten Bäcker mit Aldi Süd über die Frage: Was ist Backen? Quelle: dpa
Duisburg

In dem Verfahren am Dusiburger Landgericht stehen sich die deutschen Bäcker und der Discounter Aldi Süd unversöhnlich gegenüber. Die wettbewerbsrechtliche Klage des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks richtet sich gegen eine Aldi-Werbung, in den Filialen werde frisch gebacken. Damit pries der Discounter seine Brötchen und Brote an, die im Aldi-Markt auf Knopfdruck aus einem Apparat mit der Aufschrift "Backofen" in ein Fach fallen.

"Das sind große Blackboxes, wo kein Mensch weiß, was da passiert", sagt der Referent für Lebensmittelrecht beim Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks, Daniel Schneider. "Das kann kein Backen sein." Somit werde der Verbraucher in die Irre geführt. In dem "Backofen" finde "ein Backvorgang statt", hatte Aldi Süd zum Beginn des Rechtsstreits erklärt. Von einer bloßen "Bräunung" der Ware könne nicht gesprochen werden.

Aldi Süd verwehrt Einblick

Bei einem Vor-Ort-Termin in einer Aldi-Filiale wollte die Landgerichtskammer die Automaten im Februar 2011 in Augenschein nehmen. Allerdings versagte das Unternehmen einen Blick hinter die Kulissen, wie ein Gerichtssprecher berichtet. Daraufhin hat der Experte Jürgen-Michael Brümmer im Auftrag der Kammer die Teiglinge auf ihrem Weg durch den Automaten genau in Augenschein genommen.

Rund zwei Stunden spricht der 77-jährige Professor beim Gerichtstermin am Dienstag über das Backen, es geht um "Bräunungsgrad", "straffe Krume" oder die Frage, wie gut sich Butter auf dem Brötchen verstreichen lässt. Ob allerdings in den Aldi-Automaten gebacken wird oder nicht, darauf gibt es auch nach der Sitzung keine klare Antwort.

Gutachter ist enttäuscht

Das Handwerk nach „alter Väter Sitte“, nämlich Kneten, Gären und Backen direkt hintereinander, finde in Backstuben ohnehin kaum noch statt, erläutert Brümmer. Es sei in den meisten der 15.000 Bäckereien im Land üblich, die Teiglinge erst nur zum Teil und dann kurz vor dem Verkauf fertig zu backen. "Wenn wir die große Masse der Bäckereien nehmen, dann ist diese Verzögerung üblich", sagt Brümmer. Das Verfahren habe sich allein schon in den vier Jahren, in denen der Gerichtsprozess laufe, erheblich weiterentwickelt.

Mit einigen Produkten, die dann in den Ausgabeschacht fallen, war Brümmer – aus fachmännischer Sicht – nicht zufrieden. Für ihn als langjährigen Brottester sei etwa die Kruste nicht knusprig genug.

Von Andrea Löbbecke

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