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Deutschland / Weltweit „Hier nicht landen!“
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00:15 01.03.2015
Von Imre Grimm
Lass mal Gras drüber wachsen: der Hauptstadtflughafen in Berlin-Schönefeld. Quelle: dpa (Archiv)
Berlin

Versuchen wir, das Positive zu sehen: Berlin hat seine Bodenhaftung nicht verloren. Die einzigartige Ritzenkrautpopulation auf dem Rollfeld erfreut Botanikerherzen. Die Zahl der bisherigen Flugverspätungsstunden beträgt null. Und es handelt sich beim Airport Berlin-Brandenburg (BER) – man ist ja für jeden Superlativ dankbar – um das größte Reputationsvernichtungsprojekt des modernen Stadtmarketing. Immerhin.

1000 Tage ohne. 1000 Tage sind am Freitag vergangen seit dem 3. Juni 2012, dem geplanten Eröffnungsdatum. Und inzwischen ist auch schon egal, ob der Mängelbericht nun 66.500 Punkte (Quelle: TÜV) oder 150.000 Punkte (Quelle: Hartmut Mehdorn) umfasst. Sicher ist: Alles, was sich auf den Landebahnen bisher bewegt, sind Kaninchen. Berlin ist die Lachnummer Restdeutschlands (mit Ausnahme von Hamburg, wo das Kichern ein bisschen leiser ausfällt). Und dass ausgerechnet Heißsporn Mehdorn („Es wird keine Pleiten mehr geben“) den Karren aus dem Dreck ziehen sollte, zeigt die ganze Hilflosigkeit der BER-Maschinerie. Spätestens im Juni, nach 20 Monaten, tritt Mehdorn ab, als lebender Triebwerksschaden bespöttelt. „SPRINT“ hieß sein Turboprogramm. Und tatsächlich: Im November 2013 war der Flughafen zu drei Prozent, vier Monate später zu vier Prozent mängelfrei. Eröffnungstermin bei diesem Tempo: im Jahr 2035, hochgerechnet. Mehdorns designierter Nachfolger Karsten Mühlenfeld, der von Rolls-Royce kommt, tritt ein Himmelfahrtskommando an. Sollte er jedenfalls.

Was haben wir gelacht. Über die Brandschutzanlage mit ihren 75.000 Sprinklerköpfen und 16.000 Brandmeldern, die nicht mal ein Tischfeuerwerk gelöscht kriegt und intern nur „das Monster“ heißt. Über das Fehlen einer Krankenstation. Über die 40.000 VIP-Einladungen für die Eröffnungsfeier, die bereits verschickt waren. Über das Licht, das mangels Ausschalter Tag und Nacht brannte. Über die riesigen weißen Kreuze auf den Landebahnen, die träumende Piloten in der Luft warnen: „Hier nicht landen!“. Über die explodierenden Kosten (von 1,7 Milliarden Euro auf inzwischen 5,5 Milliarden Euro, Tendenz steigend). Über die bedauernswerten Mitarbeiter, die bei der sogenannten „stillen Bewirtschaftung“ täglich die Gepäckbänder anschmeißen, Rolltreppe fahren und Wasserhähne auf- und zudrehen, damit nichts einrostet. Geplanter Eröffnungstermin jetzt: eventuell 2017. Man will sich da nicht festlegen.

Rainer Schwarz übrigens, ehemaliger Chef der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, ist seit Dezember Topmanager des Regionalflughafens Rostock-Laage. Laut Winterflugplan 2014/2015 gehen dort pro Tag ein bis zwei Linienflüge in die Luft. Karriererückschritt? Immerhin fliegt da etwas. China plant übrigens im Süden Pekings einen neuen, zehn Milliarden Dollar teuren Großflughafen für 72 Millionen Passagiere jährlich. Soll morgen Mittag fertig sein.

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