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Deutschland / Weltweit Autobauer setzen auf Sonderfahrzeuge
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12:00 07.02.2014
 Die Autobauer setzen weiter auf Sonderfahrzeuge. Quelle: dpa
Hannover/Frankfurt

Mercedes kommt in seiner Werbung direkt auf den Punkt: "Wer einen Notruf absetzt, will keinen Termin für nächste Woche." Mit dieser Ansage bewirbt der Autobauer seinen Rettungswagen Modell Sprinter. Der biete nämlich bei rasanter Fahrt nicht nur den Patienten viel Komfort. "Atmung ruhig, Blutdruck stabil - auch beim Fahrer", so preisen die Schwaben den Rettungs-Sprinter an. Das Modell steht exemplarisch für eine gar nicht unbedeutende Nische: Deutsche Autobauer machen mit sogenannten Sonderfahrzeugen durchaus lukrative Geschäfte. Und Autoexperten sehen gerade in den Einsatzfahrzeugen mit Martinshorn und Blaulicht einen Schlüssel für das Markenprestige.

Ob nun Mercedes, BMW oder die Marken des Volkswagen-Konzerns: Alle mischen sie mit bei Streifenwagen, Notarzteinsatzfahrzeugen, Taxis, Feuerwehrdienstwagen, Fahrschulautos und Co - in unterschiedlichen Ausprägungen. Auf dem Taximarkt etwa herrscht viel Bewegung. Mercedes macht zwar keine Angaben zu Taxi-Marktanteilen, eine Sprecherin räumt aber ein, dass "der Taximarkt eine besondere Bedeutung für uns hat".

Laut deutschem Taxi- und Mietwagenverband (BZP) rangiert Mercedes im Bestand bei rund 60 Prozent. Es folgt Volkswagen, wie Verbandschef Thomas Grätz berichtet: "Mit etwa 20 bis 25 Prozent Marktanteil." Darin enthalten sei neben VW-Pkw auch die VW-Nutzfahrzeugmarke. Weit abgeschlagen auf Platz drei rangiere Toyota mit drei bis fünf Prozent Anteil. Laut Grätz macht VW dem Taxi-Platzhirschen Mercedes zunehmend Konkurrenz, seit knapp zehn Jahren legten die Wolfsburger spürbar zu. VW habe an das Mercedes-Prinzip angedockt, Schwerpunkthändler mit einer Service-Sonderbetreuung für Taxi-Kunden aufzuziehen. "Gerade ein Taxi darf ja nicht lange ausfallen, das kostet", sagt Grätz.

VW und Mercedes bieten Taxis direkt ab Werk an, das Geschäft scheint fest etabliert. Andere ziehen sich aber auch wieder aus der Taxiwelt zurück, wie Grätz beobachtet. Die VW-Tochter Audi habe vor einigen Jahren einen Vorstoß wieder abgebrochen. Taxiunternehmer sind aber auch nicht auf die Hersteller allein angewiesen. Umrüstexperten wie Intax aus Oldenburg haben sich auf die Nische spezialisiert. So wirbt Intax damit, Umbauten so zu gestalten, dass der Normalzustand des Autos später wiederherstellbar ist - das helfe etwa den Behörden beim Sparen. So habe beispielsweise die Bundeswehr als Intax-Kunde die Möglichkeit "große Teile ihres Fuhrparks kostengünstig zu leasen".

Bei den Absatzzahlen für ihre Sonderfahrzeuge schweigen sich die meisten Hersteller aus. Einzig BMW spricht von 2100 Fahrzeugen für 2013. Davon gingen 70 Prozent an die Polizei. Bundesweit sehen sich die Münchner dort bei einem Marktanteil von rund zehn Prozent. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) schlüsselt unterschiedliche Segmente wie Polizei oder Rettungskräfte nicht getrennt voneinander auf. Klar ist aber dennoch: Es geht um einige Tausend Neuzulassungen pro Jahr.

Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen lieferte Volkswagen-Pkw 2013 sogar mehr als 25 000 Autos in Deutschland aus und damit ein Viertel mehr als 2012, wie der Konzern am Freitag mitteilte. Seit kurzem gebe es auch den neuen Golf-Variant direkt ab Werk mit Fahrhilfen.

Volkswagen schaffte jüngst neue Voraussetzungen für die Nische. In Sachsen beginnt der Konzern am neuen Standort St. Egidien derzeit den Bau von Sonderfahrzeugen auf Basis des neuen Golf-Kombi, dessen angepasste Varianten an Behörden, Polizei und Fahrschulen gehen.

Die Signalwirkung solcher Sonderfahrzeuge ist nicht ohne. "Das ist schon ein interessanter Imageaspekt", sagt Autoprofessor Stefan Bratzel. "Der Prestigewert macht sich mit Sicherheit bemerkbar, auch wenn Umsatz und Ergebnis natürlich vergleichsweise winzig sind." Den Werbewert der Automarken etwa bei den Sympathieträgern Polizei oder Feuerwehr dürfe man nicht zu gering einschätzen, die Mühe lohne dort.

Und mitunter geht es auch um dicke Aufträge. Nordrhein-Westfalens Polizei orderte vor zwei Jahren 2000 neue Streifenwagen bei VW. Die Anschaffung schlug mit 67 Millionen Euro zu Buche, 33 500 Euro pro Streifenwagen. Damals gab es auch Kritik, dass NRW nicht die am Ort verwurzelten Hersteller Opel oder Ford stütze. Dem Geschäft ging jedoch eine europaweite Ausschreibung voran. Branchenexperte Bratzel gibt zu bedenken, dass die öffentliche Hand - soweit möglich - schon ein Stück weit darauf achten müsse, die eigene Wirtschaft zu stützen.

Und ganz offensichtlich funktioniert das Prinzip, dass beispielsweise die Polizei im Daimler-Land Baden-Württemberg eher Mercedes fährt als Wagen der bayerischen Konkurrenz BMW. Andersherum natürlich genauso. "Ich vermute: Da kommen sich beide Seiten entgegen", sagt Bratzel.

Kein Wunder also, dass 1996 der einmillionste Porsche im damals noch grün-weißen Anstrich an Baden-Württembergs Autobahnpolizei ging. Auch die Eskorte des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer im legendären Mercedes 300 waren Porsches, weiß Dieter Landenberger aus dem Porsche-Archiv. "Die mussten doch mithalten, da blieb nichts anderes übrig."

dpa

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