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Deutschland / Weltweit Neue Ära für Fiat und Chrysler
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12:23 01.08.2014
Der neue Konzern nennt sich FCA (Fiat Chrysler Automobiles), seine Aktie soll neben Mailand auch an der New Yorker Börse NYSE gehandelt werden, und das Vorstandsbüro aus steuerlichen Gründen von Turin nach London umziehen. Quelle: dpa
Turin

Sergio Marchionne steht kurz davor, sein nächstes großes Ziel zu erreichen. Der 62-jährige Top-Manager aus der Abruzzen-Stadt Chieti arbeitete jahrelang auf die transatlantische Ehe seines kränkelnden Turiner Fiat-Konzerns mit dem zuvor insolventen US-Autobauer Chrysler hin. Schritt für Schritt kamen sich die beiden Unternehmen näher, zum Jahresbeginn 2014 übernahm Fiat dann schließlich Chrysler komplett. Marchionne stellte so die Weichen für einen neuen internationalen Player des Automobilbaus.

Am Freitag müssen nun noch die Aktionäre in Turin zustimmen, dies gilt als ausgemacht. Ob aber die Allianz mit Chrysler die letzte im Schlachtplan des umtriebigen Mannes sein wird, kann durchaus bezweifelt werden. Immer wieder gibt es Spekulationen über weitere Fusionen.

Die amerikanische Tochter hatte mit ihren Gewinnen lange das starke Verlustgeschäft der Autobauer aus Turin-Lingotto in Europa und vor allem im kriselnden Heimatland Italien ausgebügelt. Dass Chrysler dann endgültig unter das Konzerndach schlüpfte, war Ergebnis der Hartnäckigkeit Marchionnes, der bereits einmal das Aushängeschild Italiens gerettet hatte. Nach der Hauptversammlung, der letzten an dem traditionsreichen Firmensitz, ist die Verschmelzung vollzogen.

Der neue Konzern nennt sich FCA (Fiat Chrysler Automobiles), seine Aktie soll neben Mailand auch an der New Yorker Börse NYSE gehandelt werden, und das Vorstandsbüro aus steuerlichen Gründen von Turin nach London umziehen. Organisiert wird FCA nach niederländischem Recht.

Marchionne wäre aber nicht der ebenso gewitzte wie ehrgeizige Firmenchef, würde er nicht schon weiter voraus denken. Amüsiert scheint er immer auf Spekulationen über weitere Zusammenschlüsse zu reagieren, hat er doch selbst schon vor Jahren klar gesagt, dass das ein Überlebenstrend für die weltweite Automobilindustrie sein werde.

Jüngste Gerüchte über ein ernsthaftes VW-Interesse an seinem Konzern oder zu einer möglichen Fusion der Italo-Amerikaner mit Frankreichs PSA Peugeot Citroën machten die Runde. Dies wurde in Turin dementiert, auch VW wies entsprechende Berichte zurück. „Es gibt nichts zu sagen, wir sind offen für Diskussionen mit jedem“, war auch am Mittwoch Marchionnes Standardreplik. Es geht eben um viel - eine Allianz mit PSA, also zweier europäischer Unternehmen mit Verlusten in der Krisenzeit, würde den global fünftgrößten Autobauer schaffen.

Klar und offen liegen dagegen die Visionen und Ziele Marchionnes auf dem Tisch, an denen auch die Verluste der Fiat-Gruppe in dem ersten Halbjahr 2014 wenig ändern. Vor allem die Marken Jeep und Alfa Romeo sollen zulegen, der Konzernumsatz bis 2018 jährlich um 9 Prozent auf 132 Milliarden Euro steigen, der Gewinn auf 5 Milliarden zulegen.

Das Segment der Luxus-Fahrzeuge und dabei vor allem die Maserati-Verkäufe kurbeln den Umsatz bereits stark an. An den Zielen für das laufende Jahr - nach dem Business-Plan vom Mai - hält der Konzern optimistisch fest: Geschätzte Umsätze von 93 Milliarden bei einem Nettogewinn von 600 bis 800 Millionen Euro sowie 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen.

Inzwischen sind auch die europäischen Verkaufszahlen wieder etwas ermutigender, und auch das Sorgenkind Italien könnte unter seinem quirligen Regierungschef Matteo Renzi langsam aus der Krise kommen. Derweil hat Fiat noch damit zu tun, die Gewerkschaften in Italien zu beruhigen, die immer wieder Zusicherungen verlangen. „Fiat ist nicht dabei, Italien zu verlassen“, heißt es auf der Homepage der Gruppe:

Nur die Holding-Gesellschaft werde jetzt nach niederländischem Recht organisiert. „Die italienischen Aktivitäten der Gruppe und auch das generelle Engagement, das Land betreffend, bleiben unverändert.“ Bei Fiat in Turin und Chrysler in Detroit stehen jetzt zunächst aber der Umzug und die Neuorganisation für die Zeit nach der Eheschließung an.

dpa

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