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Wirtschaft Bauern begeistert der Genmais nicht
Mehr Welt Wirtschaft Bauern begeistert der Genmais nicht
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00:15 15.02.2014
Quelle: Archiv/Symbolbild

■ Was ist das für eine Maissorte, um die so gestritten wird?
Bei „1507“ handelt es sich um eine gentechnisch veränderte Maissorte, die aussieht wie jeder normale Maiskolben auch. Das US-Unternehmen Pioneer hat die Pflanze im Labor allerdings so verändert, dass sie gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat resistent ist und ein Gift gegen den Schädling Maiszünsler produziert. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation FAO vernichtet diese Mottenraupe rund vier Prozent der weltweiten Maisernte pro Jahr. „1507“ könnte als Tierfutter genutzt und in Biogas-Anlagen verwendet werden.
■ Welche Auswirkungen hätte der Anbau dieser Maissorte?
Der Hersteller lobt sein Produkt als wichtige Hilfe für Landwirte und Nutzer. Kritiker wie der Naturschutzbund Deutschland oder Greenpeace sehen eine andere Gefahr. Sie verweisen darauf, dass die Resistenz gegen Glufosinat zu einem vermehrten Einsatz dieses Unkrautbekämpfungsmittels führen dürfte, obwohl dieses Pestizid nach dem Willen der EU-Kommission 2017 vom Markt genommen werden muss. Umstritten ist auch die Frage, ob andere Lebewesen wie Schmetterlinge oder Motten gefährdet sein könnten.
■ Ist dieser „Genmais“ für den Menschen gefährlich?
Die Maissorte wurde von der Europäischen Union als Lebens- und Futtermittel längst genehmigt – jetzt geht es lediglich um den Anbau. Sollte „1507“ für die Herstellung von Nahrungsmitteln genutzt werden, muss die Verpackung einen entsprechenden Hinweis enthalten. Allerdings sollten die Verbraucher wissen: Belastungen von bis zu 0,9 Prozent gelten als geringfügige Spuren, die möglicherweise unabsichtlich zustande kamen und deshalb auch nicht kennzeichnungspflichtig sind.

Pro

Befürworter der grünen Gentechnik führen vor allem höhere Erträge und eine größere Widerstandskraft der Pflanzen ins Feld, die helfen könnten, den Hunger zu bekämpfen. Der Göttinger Professor Matin Qaim hat die Chancen für Entwicklungsländer in einer Langzeitstudie untersucht und kommt zu dem Schluss, dass gentechnisch veränderte Pflanzen die Einkommen der Kleinbauern nachhaltig steigern können. Die Studie konzentrierte sich auf den Anbau einer Baumwollsorte in Indien, die gegen bestimmte Schädlinge resistent war. Unter deutschen Landwirten sind die Meinungen geteilt, weshalb sich zum Beispiel das niedersächsische Landvolk nicht klar festgelegt. Verbandspräsident Werner Hilse hat sich zwar grundsätzlich für die Nutzung der Gentechnik ausgesprochen, sie dürfe aber nicht zulasten der Natur gehen. Der Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), Carl-Albrecht Bartmer, meidet klare Bekenntnisse zu gentechnischen Veränderungen, hält den Kampf gegen die Technik aber in jedem Fall für eine Illusion: Sie stecke längst in den meisten Lebensmitteln. stw

■ Warum hat sich die Bundesregierung in Brüssel enthalten?
Die Berliner Koalition ist in der Frage uneinig. Während sich SPD und CSU für ein Verbot ausgesprochen haben, hat das Forschungsministerium angeblich nichts gegen eine Zulassung des Genmais „1507“. Vor allem aber Bundeskanzlerin Angela Merkel soll sich mit Blick auf den Erfolg deutscher Unternehmen dafür starkgemacht haben, den Zulassungsantrag passieren zu lassen. Die Geschäftsordnung, die sich die Große Koalition gegeben hat, sieht vor, dass sich die deutschen Vertreter enthalten, wenn zwischen den Ressorts keine Einigkeit hergestellt werden konnte.


■ Wird der Mais „1507“ bald in Deutschland angebaut?
Das ist aus mehreren Gründen unwahrscheinlich. Für dieses Jahr seien die Saatgut-Bestellungen ohnehin gelaufen, heißt es beim niedersächsischen Landvolk. Außerdem stelle das deutsche Gentechnikgesetz hohe Hürden vor den Anbau genmanipulierter Pflanzen: Es sieht eine Haftung des Landwirts schlimmstenfalls in Millionenhöhe vor, falls zum Beispiel genverändertes Material in der Ernte eines anderen Feldes gefunden wird, die dadurch möglicherweise nicht mehr zu vermarkten ist. Dabei muss dem Landwirt nicht einmal eine Schuld nachgewiesen werden. Insgesamt stünden Aufwand und Risiken des Anbaus gerade beim Mais „1507“ in keinem Verhältnis zum Nutzen, heißt es beim Bauernverband, der deshalb sogar vom Anbau der Sorte abrät. Der Maiszünsler, gegen den der genmanipulierte Mais ein eigenes Gift entwickelt, komme in hiesigen Breiten wesentlich seltener vor als in wärmeren Gegenden. Außerdem könne er durch einfaches Umpflügen bekämpft werden.

Kontra

Die Kritiker grüner Gentechnik kommen vor allem aus den Umweltverbänden, aber auch die Verbraucherzentralen warnen vor ungeklärten gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen. Bisher gibt es keine klaren Hinweise auf Risiken, diskutiert wird aber über mögliche Nahrungsmittelallergien und Resistenzen gegen Antibiotika. Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert eine klare Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel, um den Verbrauchern die Wahl zu lassen – zumal sie sich in Umfragen regelmäßig gegen Gentechnik aussprechen. Umweltorganisationen wie Nabu und BUND sehen in der Verbreitung gentechnisch veränderter Organismen unkalkulierbare Gefahren für die Natur, denen kein Nutzen gegenüberstehe. Vor allem sei eine Zunahme des Artensterbens zu befürchten. Zudem führe die Resistenz gegen Herbizide dazu, dass größere Mengen dieser Gifte zum Schutz vor Insekten eingesetzt würden. Die möglichen Folgen dieses Zusammenhangs seien im Fall des Genmais „1507“ überhaupt nicht untersucht worden, kritisierte gestern der Nabu. stw

■ Wer ist Pioneer?
Das Unternehmen hat seinen Sitz in Johnston im US-Bundesstaat Iowa und ist der weltgrößte Entwickler und Anbieter von Anbaupflanzen und Saatgut. Seit 1971 ist das Unternehmen auch in Westeuropa aktiv. Pioneer gehört seit 1999 mehrheitlich dem Chemiekonzern Dupont, der später alle Anteile kaufte. Größter Konkurrent ist Monsanto. Die Pioneer-Zentrale für den nordeuropäischen Markt steht in Buxtehude bei Hamburg. Größter deutscher Anbieter von Saatgut ist die KWS AG in Einbeck, die ebenfalls grüne Gentechnik vor allem für den US-Markt nutzt.
■ Werden in der Bundesrepublik andere gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut?
In Deutschland gibt es nach dem Anbau-Stopp für die Kartoffel „Amflora“ keinen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Die EU hat lediglich „MON 810“ der Firma Monsanto genehmigt, eine Maissorte, die ebenfalls im Labor verändert wurde. Hauptanbaugebiete sind Spanien, Portugal, Rumänien und die Slowakei.
 Die EU-Kommission will offenbar Regionen und Bundesländern die Möglichkeit geben, eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen, um den Anbau von „1507“ zu verbieten oder zu erlauben. Was ist von diesem Schritt zu halten?
Eine solche „Opt-out-Klausel“ (Ausstiegsklausel) haben die Bundesländer Bayern und Mecklenburg-Vorpommern bereits eingefordert. Doch sie ist nach Auskunft von EU-Juristen nicht so einfach in die Verordnung zu integrieren. Kritiker weisen darauf hin, dass solche Insellösungen immer das Problem der gegenseitigen Kontamination mit sich bringen. Soll heißen: Wenn eine Region die gentechnisch veränderte Maissorte anbaut, ein Nachbarland aber nicht, besteht die Gefahr von Verunreinigungen der normalen Maisernte wie des GVO-Produktes.

Von Detlef Drews und Antje Schroeder

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