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Welt Wassermangel: Zu wenig Kunstschnee im Harz?
Mehr Welt Wassermangel: Zu wenig Kunstschnee im Harz?
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17:45 02.12.2018
Kunstschnee aus der Kanone: Vor zwei Jahren war das noch kein Problem am Wurmberg. Quelle: dpa
Braunlage

Vor ein paar Tagen hörte sich alles ziemlich optimistisch an. Die Wintersportsaison im Harz könne, wenn alles gut gehe, Mitte Dezember starten, verkündete Dirk Nüsse, der Chef der Wurmbergseilbahn-Gesellschaft in Braunlage im Harz. Nach der zu erwartenden Wärmeperiode Anfang Dezember solle die Kunstschneeproduktion beginnen. Doch es ist zweifelhaft, ob alles gut geht: Nach dem Dürresommer findet sich in Flüssen und Teichen im Harz wenig Wasser, und ohne Wasser gibt es keinen Kunstschnee. Der Sommer gefährdet den Winter.

Der Landkreis Goslar bestätigt, dass alle Flüsse im Harz derzeit wenig Wasser führen, auch die Warme Bode, aus der das 5000 Quadratmeter große Speicherbecken für die Kunstschneelanzen am Wurmberg gespeist wird. Kreis-Sprecher Maximilian Strache berichtet von „extremer Trockenheit“ im Harz, die Okertalsperre zum Beispiel weise „den tiefsten Pegelstand aller Zeiten“ auf.

Demonstrativer Optimismus

Davon, dass die Lage schwierig ist, erzählt auch Karsten Otto, Geschäftsführer der Alberti-Lift-Gesellschaft am Matthias-Schmidt-Berg in St. Andreasberg. Bei ihm ist das Speicherbecken erst zu drei Vierteln voll, „und es sollten schon 100 Prozent sein“. Im Moment könne er aus etwa 3,5 Millionen Litern Wasser künstlichen Schnee herstellen. In einem normalen Winter liege der Verbrauch aber zwischen sechs und zehn Millionen Litern. Er könne also, wenn es nicht noch ausreichend regne, die Pisten nicht so breit wie üblich anlegen.

15 bis 20 Zentimeter Schnee brauche man schon mindestens fürs Skifahren, sagt Otto. Am Matthias-Schmidt-Berg kämen in der Regel zwei Drittel davon aus den Wolken, der Rest komme aus den Schneelanzen. Bei ihnen im Harz seien die Zustände ja noch erträglich, berichtet der Andreasberger Geschäftsführer – die Kollegen im Sauerland in Nordrhein-Westfalen hätten noch weniger Wasser, sie seien richtig verzweifelt und müssten es jetzt mit Trinkwasser versuchen.

Dirk Nüsse von der Wurmbergseilbahn-Gesellschaft, die das wichtigste Wintersportgebiet im Harz betreibt, möchte den Eindruck vermitteln, es gäbe keine Schwierigkeiten. Er hat auch am meisten zu verlieren: Sollten die Touristen glauben, auf dem Wurmberg liege zu wenig Schnee, bleiben sie weg. Das Skigebiet wurde vor ein paar Jahren mit großem Aufwand und einer Landesförderung in Höhe von 2 Millionen Euro modernisiert und soll viele Gäste anlocken. Sein Speicherbecken für den nötigen Kunstschnee – es fasst 42 000 Kubikmeter Wasser – sei zu 75 oder 80 Prozent gefüllt, sagt Nüsse. Damit könne er nicht alle Abfahrten bedienen, vielleicht erst mal nur den Bereich Hexenritt. Er sei aber weiterhin optimistisch, es seien ja Niederschläge angekündigt.

„Eine ökologische Engstelle“

Das sind sie – allerdings nicht eben üppig. Doch der Seilbahnchef bleibt dabei: „Ich sehe keine Probleme.“ Erst auf Nachfrage räumt er dann ein, dass er eventuell Trinkwasser zukaufen müssen wird. Aus der Warmen Bode bekommt die Wurmberggesellschaft nämlich derzeit nichts: Maximal 130 000 Kubikmeter Wasser dürfe die Firma pro Jahr aus dem Fluss holen, und das werde auch überwacht, erläutert Thomas Walter, Leiter des Umweltfachbereichs beim Landkreis Goslar – und das Wasser dürfe nur entnommen werden, wenn mindestens noch 130 Liter pro Sekunde durch den Fluss fließen. Derzeitiger Stand: 80  Liter pro Sekunde. Pegelhöhe: magere 25 Zentimeter.

Friedhart Knolle, Vorsitzender des Regionalverbandes Westharz des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), sagt, sein Verband habe vor solchen Szenarien wie dem jetzt knappen Wasser schon früher gewarnt: „Die Wasserversorgung ist die ökologische Engstelle für den Skizirkus.“ Damals, beim Ausbau, sei die Schneesicherheit aber per Gutachten „herbeigerechnet“ worden. Mancherorts befürchteten die Experten schon ein „Doppeltrockenjahr“, also eine weitere Periode mit knappem Wasser in 2019, sagt Knolle. Das sei dann der GAU (der größte anzunehmende Unfall, ein Begriff aus der Kerntechnik) für Skigebiete wie für die ganze Wasserwirtschaft.

Wie stellt man Kunstschnee her?

Dass man Schnee künstlich herstellen kann, wurde vor rund 80 Jahren per Zufall in Kanada entdeckt: Forscher befassten sich mit der Vereisung von Düsentriebwerken, sprühten Wasser in einen Windkanal – und es schneite.

Die Branche verwendet den umgangssprachlichen Begriff Kunstschnee nicht gern; man spricht von „technischem Schnee“. Als Kunstschnee gilt Dekorationsschnee aus Styropor. Diese Unterscheidung hat sich aber im Alltag nicht durchgesetzt. Künstlich erzeugte Schneeflocken sind rund, nicht sechseckig wie Naturschneeflocken, sie sind kleiner und ihre Struktur ist dichter als die des Schnees, der vom Himmel fällt.

Es gibt verschiedene Arten von Schneekanonen, im Prinzip funktionieren aber alle so, dass Wasser und Druckluft versprüht werden, wodurch die vorher zusammengepresste Luft sich ausdehnen kann und abkühlt. Diesen Effekt kennt jeder, der schon mal ein Gasfeuerzeug aus einer Gasflasche befüllt hat. In den niedrigen Temperaturen entstehen winzige Eisstückchen, an denen das zerstäubte Wasser kristallisiert und schließlich Flocken bildet. Statt dicker Kanonen werden heute oft schmale Schneelanzen verwendet. Sie haben eine geringere Reichweite, verbrauchen aber auch weniger Energie.

Kunstschnee wird produziert, um gleichbleibende Wintersportbedingungen auch bei unstetem Winterwetter herzustellen, gerade auch in Zeiten des Klimawandels. Umweltschützer sehen die Entwicklung kritisch. Auch die OECD kritisiert den immensen Verbrauch von Wasser und Energie. Die Betreiber argumentieren oft, das Wasser werde im Kunstschnee quasi nur geparkt. Ökologen aber monieren, es fehle in dieser Zeit in der Natur. In den Alpen ist auch ein allgemeiner Rückgang der Wasserstände in Bächen und Flüssen seit Einführung der Schneekanonen beobachtet worden.

Von Bert Strebe

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