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20:00 22.08.2018
Unsere Kolumnistin Ninia LaGrande ist Bloggerin, Poetry-Slammerin und Moderatorin. An dieser Stelle schreibt sie regelmäßig über die herausfordernden Momente des Mutterdaseins. Quelle: gpt
Hannover

Die neue Herausforderung lautet: ab sofort jeden Vormittag pünktlich in der Pinguin-Gruppe sein. Sollte kein Problem sein, da das Kind sehr pünktlich – spätestens um 5.30 Uhr! – sehr wach ist, aber so eine neue Tagesstruktur will doch erst eingeübt werden. Normalerweise trinke ich so viel Kaffee, dass ich die Augen halbwegs aufhalten kann – in der Zeit hat das Kind das am Abend zuvor aufgeräumte Wohnzimmer längst wieder in seinen üblichen Zustand versetzt. Dann spielen wir eine Runde im Schlafanzug. Das bedeutet, ich sitze müde und mit wirren Haaren auf dem Sofa und das Kind legt mir Bagger und Müllautos zum Reparieren vor die Füße. Irgendwann ist zumindest eine Stunde rum und ich halte die Uhrzeit für menschlich genug, um unter die Dusche zu hüpfen. Nach dem Frühstück sind wir die Ersten in der Drogerie – gemeinsam mit fünf anderen Eltern, die sich wissend und müde zunicken.

„Wir müssen jetzt wirklich los“

Wenn man aber zeitliche Verpflichtungen hat, weil das Kind auf keinen Fall den Singkreis verpassen darf, dann sieht das mit dem morgendlichen Zeitverplempern schon ganz anders aus. Plötzlich ist es so spät, dass für die Dusche schon keine Zeit mehr bleibt, das Brot muss auch noch geschmiert werden, und wo sind eigentlich die Gummistiefel? Das Kind springt zum fünften Mal fröhlich mit einem Socken am Fuß ins Bällebad, während ich im Flur sitze und versuche, einem Eineinhalbjährigen zu erklären, was „Wir müssen jetzt wirklich los!“ zu bedeuten hat. Nämlich, dass wir jetzt wirklich los müssen.

Wie war das noch, bevor das Kind da war?

Und kaum sind wir da, muss ich auch schon wieder Tschüss sagen und behaupten, ich würde zur Arbeit gehen. Verraten Sie es ihm nicht, aber eigentlich sitze ich nur mit den anderen Ersti-Eltern im Café, hypnotisiere das Handy, damit es nicht klingelt, und warte auf die ausgemachte Uhrzeit, um das Kind wieder abzuholen. Und so wird Vormittag um Vormittag die Zeit gedehnt, in der das Kind auch ohne mich spielen kann und ich auf einmal wieder Zeit habe für – ja, für was eigentlich? Was habe ich denn getan, bevor ich Playmobil-Mechanikerin wurde? Wer spielt denn jetzt mit mir?

Von Ninia LaGrande

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