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Welt Was macht einen guten WM-Song aus?
Mehr Welt Was macht einen guten WM-Song aus?
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17:20 27.04.2018
Wollen groß rauskommen: Die Band Lupid aus Gießen. Quelle: Delia Baum
Gießen

Für die Musikindustrie sind Fußball-WMs Goldgruben. Entsprechend hart ist das Rennen um den Titel „WM-Song“. Zwar geht der offizielle FIFA-Titel in der Regel an internationale Pop-Stars – allerdings sind auch die deutschen WM-Lieder umsatzträchtig. Sowohl die, die vor jeder Übertragung eingespielt werden, als auch die, die in dieser Zeit die Charts anführen.

In den letzten Jahren waren das Andreas Bouranis „Ein Hoch auf uns“ (2014), „54 , 74, 90, 2010“ (2010) von den Sportfreunden Stiller und Herbert Grönemeyers „Zeit, dass sich was dreht“ (2006). Läuft alles wie vom Management erhofft, wird 2018 die Gießener Band Lupid den deutschen WM-Song stellen. „Am Ende des Tages“ heißt er. Aber was braucht‘s, damit dieser Coup gelingt?

Der Musikpsychologe Reinhard Kopiez von der Musikhochschule Hannover kennt sich aus mit der Materie. Seit Jahren schon forscht er zu Fußball-Gesängen. „Zunächst müssen WM-Songs einen Bezug zum Thema herstellen“, sagt er. „Am besten verpackt in eine eingängige Refrain-Melodie.“ Dabei sei vor allem eine anregende und positive Grundstimmung wichtig. Lupid vermittelt diese Stimmung zum Beispiel, indem Sänger Tobias Hundt davon singt, durch den Regen zu tanzen.

Die Titel der letzten Jahre zeigen zudem: Es taugen vor allem Lieder zum WM-Song, die den integrierenden Charakter des Fußballs betonen. So, wie es auch die bunten Eine-Welt-Einspieler vor Beginn einer jeden Übertragung tun: Fußball als Mittel, um Landesgrenzen zu überwinden. So wird Jason Derulo in Russland zu locker-leichten Drums düdeln: „Wir sind gleich erschaffen, / eine Rasse und die ist: Mensch.“ Bei der vorherigen WM steckte das vereinende Element bereits im Namen der offiziellen FIFA-Hymne „We are one“ – „Wir sind eins“ von Pitbull und Jennifer Lopez. In den deutschen Charts sang währenddessen Andreas Bourani: „Ein Hoch auf das, was uns vereint.“

Entstehung und Hintergründe

Noch mehr Infos über die Entstehung und Hintergründe zu unserem Debütalbum "AM ENDE DES TAGES"... Hier gehts zum Album: www.umgt.de/lupid ✌🏻🐺❤️

Gepostet von Lupid am Montag, 23. April 2018

Dieses Jahr also könnte Rapper Majoe, Gast in Lupids „Am Ende des Tages“, im WM-Song singen: „Jeder zieht am gleichen Strang, wenn man ein Ziel hat / Egal, mit wem, wo, wann – Hauptsache, die Chemie passt“. Das Musikvideo zu Lupids WM-Anwärter betont das Vereinende noch deutlicher. Darin zu sehen ist ein wohl ausländerfeindlicher Mitte 20-Jähriger. Die Bücher der üblichen Verdächtigen (Sarrazin, Ulfkotte) liegen in seinen Regalen, eine Reichsflagge hängt an der Wand. Am Ende des Tages bleibt ihm, jedoch der Fußball: Er erfährt, dass im Sport Abstammung und Sprache unwichtig sind. In einem Befreiungsschlag verbrennt der Post-Teenager sodann sein gesamtes Rechts-Gut.

Vor allem wegen des integrative Moments hofft auch das Management von Lupid auf einen WM-Chartsturm. „Ein Zusammenleben in Freiheit, Frieden und Respekt kann nur gelingen, wenn wir auf das schauen, was uns verbindet“, sagt Bahar Tozman, Gründer des gleichnamigen Musik-Managements. „Das ist die Aussage von Lupids Lied. Und gleichzeitig ist es die Aussage der WM beziehungsweise das Credo der FIFA: Auf dem Fußballplatz sind wir alle gleich.“

Am besten wummert sich diese Aussage mit zügigen Beats in die Ohren der Hörer, sagt Musikpsychologe Kopiez, bevorzugt mit 120 bis 130 Schlägen pro Minute – also zwei Bassdonnern pro Sekunde. Lupid wählte für seinen Song einen deutlich langsameren Beat. Zwar sei der Inhalt des Lieds gut gewählt, aber insgesamt sei „Am Ende des Tages“ sei zu langsam, um Hörer zum Mitjubeln zu motivieren. „Zudem fehlt beim Refrain der Mitsingfaktor“, sagt Kopiez.

Dass Lupids Titel nicht alle Kriterien für einen erfolgreichen WM-Hits erfüllt, liegt auch daran, dass Sänger Tobias Hundt das Lied nicht eigens dafür schrieb. Eigentlich sollte das Lied eine Phase des Band-Umbaus thematisieren.

Ob es deswegen nicht doch den Sprung in die WM-Charts schafft, entscheiden jedoch weder Manager noch Musikwissenschaftler, sondern allein die Hörer. „Dass auch scheinbar ungeeignete Lieder zu WM-Songs werden können, zeigt zum Beispiel das Lied ‚Dieser Weg‘ von Xavier Naidoo von 2006“, sagt Kopiez. Das Lied erfüllte keines der Hit-Kriterien. Trotzdem wurde es zur WM millionenfach gespielt.

Von Julius Heinrichs/RND

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