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14:07 31.08.2018
Wer hat an der Uhr gedreht? Die meisten Europäer wollen, dass die Zeitumstellung abgeschafft wird. Quelle: dpa
Brüssel

Das Votum war eindeutig: 80 Prozent der befragten EU-Bürger haben die Nase voll davon, zweimal im Jahr an ihren Uhren drehen zu müssen – und sich gegen die Zeitumstellung ausgesprochen. Die EU-Kommission kann das nicht ignorieren, sagte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Freitag. Er spricht sich für die Sommerzeit aus.

Die EU-Kommission will nun einen Gesetzesvorschlag zur Abschaffung des Wechsels zwischen Sommer- und Winterzeit vorlegen. Doch was würde es bedeuten, wenn wir am 28. Oktober nicht wie geplant am Zeiger drehen und die Uhren auf Winterzeit stellen?

Gesundheit

Viele Mediziner sehen in der Zeitumstellung Risiken für die Gesundheit. In einer repräsentativen Studie des Forsa-Instituts im Auftrag der DAK-Gesundheit gab im Frühjahr rund ein Viertel der Befragten an, schon einmal gesundheitliche Probleme wegen der Zeitumstellung gehabt zu haben. Als Beschwerden wurden vor allem Müdigkeit, Schwierigkeiten beim Einschlafen und Konzentrationsprobleme genannt.

Energie

Die Einführung der Sommerzeit sollte dazu führen, dass das längere Tageslicht in den Sommermonaten besser genutzt wird – und die Deutschen Strom sparen. Daten belegen laut dem EU-Parlament aber, dass nur verhältnismäßig wenig Energie gespart wird. Und auch das Umweltbundesamt ist skeptisch: Zwar werde durch die Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends weniger häufig das Licht angeknipst – im Frühjahr und Herbst werde in den Morgenstunden dafür aber auch mehr geheizt, heißt es bei der Behörde zu dem Thema.

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Landwirtschaft

Auch für die Arbeit vieler Landwirte ist die Umstellung schwierig. Ihre Tiere sind an bestimmte Futter-Zeiten gewöhnt. Oder ihre Kühe müssen zu einer bestimmten Zeit gemolken werden. Wenn die Umstellung der Uhr wegfällt, profitieren auch die Nutztiere: „Wir sind bisher mit der Zeitumstellung klar gekommen. Bauern sind grundsätzlich flexibel. Aber die Tiere tun sich sicher leichter, weil sie an feste Zeiten gewöhnt sind“, sagt Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes.

Gastronomie

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband spricht sich dafür aus, dass bei einer Abschaffung der Zeitumstellung die Sommerzeit ganzjährig gilt. „Bürger wie Betriebe profitieren davon, wenn es abends länger hell bleibt. Die Bereitschaft, abends auszugehen, ist dann größer. Würde ganzjährig die Winterzeit gelten, wäre das ein erheblicher Verlust an Lebensqualität und Umsatzeinbußen für unsere Betriebe wären vorprogrammiert“, sagt Ingrid Hartes, Hauptgeschäftsführerein des Verbandes. Wichtig sei vor allem eine einheitliche Reglung in Europa.

Europa

Sollte das Hin und Her tatsächlich abgeschafft werden, könnte jedes Land für sich entscheiden, ob es dauerhaft die Standardzeit – also Winterzeit – oder die Sommerzeit einführen möchte. Diese Entscheidung, welche von beiden Zeiten dauerhaft gilt, ist eine nationale Angelegenheit. Gut möglich, dass es dann noch mehr zeitliche Unterschiede geben würde.

Spanien etwa würde wohl kaum die Sommerzeit beibehalten – denn dann würde die Sonne in Madrid im Winter erst gegen 9.30 Uhr aufgehen. Einige EU-Länder haben sich schon zur Abschaffung der Zeitumstellung positioniert. Litauen, Estland und Lettland sprachen sich ebenso für eine Abschaffung der Zeitumstellung aus wie Finnland.

Schon jetzt gibt es drei Zeitzonen in der EU. In Deutschland und 16 weiteren Staaten herrscht die gleiche Uhrzeit: die Mitteleuropäische Zeit, genannt MEZ. Darunter sind die Niederlande, Belgien, Österreich, Dänemark, Frankreich, Italien, Kroatien, Polen und Spanien. Acht Länder – Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland, Lettland, Litauen, Rumänien und Zypern – sind eine Stunde voraus: dort gilt die Osteuropäische Zeit oder OEZ. Drei Staaten sind eine Stunde zurück, nämlich Irland, Portugal und Großbritannien, wo die Westeuropäische Zeit gilt, die WEZ.

Von RND/iro/dpa

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