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Darum gehen viele Uhren gerade falsch

Europäisches Stromnetz Darum gehen viele Uhren gerade falsch

Wer hat an der Uhr gedreht? Viele Radiowecker und Küchenuhren in Europa hängen derzeit der Zeit hinterher – sie gehen inzwischen bis zu sechs Minuten nach. Wochenlang wurde der Grund dafür gesucht, jetzt haben Techniker eine Erklärung gefunden.

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Achtung: Viele Uhren an Mikrowellen gehen im Moment um bis zu sechs Minuten nach.

Quelle: Foto: dpa

Berlin. An der Uhr hat niemand gedreht, und dennoch laufen viele Radiowecker und Küchenuhren in Europa derzeit der Zeit hinterher – sie gehen inzwischen bis zu sechs Minuten nach. Wochenlang wurde der Grund dafür gesucht, jetzt haben Techniker beim Verbund der europäischen Stromnetzbetreiber ENTSO-E eine Erklärung gefunden: Der Strom tickt sozusagen nicht richtig – das Netz ist aus dem Takt geraten, weil in Osteuropa zu wenig Energie erzeugt wird. 

Das hat unmittelbare Auswirkungen auf viele Uhren, wie sie in Backöfen, Mikrowellen oder auch in Radioweckern eingebaut sind. Diese Uhren haben aus Kostengründen keinen eigenen Taktgeber. Sie hängen stattdessen direkt am Stromnetz und nutzen zur Berechnung der Zeit die Frequenz von 50 Hertz, in der Wechselstrom in Europa normalerweise durch die Drähte flackert. In der Regel schwankt die Frequenz im eng verwobenen europäischen Stromnetz nur um wenige Hundertstel Hertz, weil die Stromversorger einen gestiegenen Energiebedarf schnell durch höhere Einspeisungen ausgleichen. Die Uhren bringen diese geringen Frequenzabweichungen normalerweise nicht aus dem Takt. 

Im Moment beobachten die Stromnetzbetreiber aber europaweit deutlich stärkere Absacker. Eine solche Frequenzabweichung habe es im Netz noch nie gegeben, heißt es beim Verbund ENTSO-E. Demnach sind die Übertragungsnetzbetreiber im Kosovo und in Serbien dafür verantwortlich, dass die Uhren falsch gehen. Die dortigen Kraftwerke produzieren seit Mitte Januar zu wenig Strom. 

Der Netzbetreiber fordert in so einem Fall üblicherweise zusätzliche Kraftwerke an, um das Netz auf 50 Hertz zu halten. In Serbien und im Kosovo streiten die Behörden aber darüber, wer verantwortlich sein soll. Bis zu 113 Gigawattstunden Energie fehlen daher im Netz. Die Folgen sind in ganz Europa spürbar. Nach Angaben von ENTSO-E sind 25 Länder betroffen.

Man könnte jetzt die Uhren neu stellen. Laut ENTSO-E muss man dann aber demnächst noch mal justieren, sobald das Stromnetz wieder auf seine normale Frequenz zurückgesetzt ist. Vielleicht geht man solange einfach sechs Minuten früher zum Bus.

Von Karl Doeleke

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