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Welt Nienburger Feuerwehr erntet Applaus in Schweden
Mehr Welt Nienburger Feuerwehr erntet Applaus in Schweden
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19:13 30.07.2018
„Gelebtes Europa“: Peter Bäcke (li.), stellvertretender Rettungsleiter Feuerwehr Schweden, Martin Voss, Gesamteinsatzleiter Feuerwehr Niedersachsen. Quelle: Niedersächsisches Innenministerium
Hannover

Selbst die lange Rückfahrt durch Schweden Richtung Deutschland wird zum Erlebnis. „Es ist unglaublich“, schwärmt Brandrat Martin Voß: „Die Leute stehen an der Straße und applaudieren uns. So etwas hat man noch nicht erlebt.“

Seit Montag ist der Konvoi von neun Feuerwehrwagen mit Nienburger Kennzeichen auf der Rückfahrt nach Deutschland, die erst am Dienstagabend in Nienburg enden wird. Und die Schweden bedenken die Deutschen und ihre Löschwagen, die von einem schwedischen Militärfahrzeug eskortiert werden, noch immer mit Applaus. Denn Fernsehsender und Zeitungen haben die Brandhelfer aus Niedersachsen landesweit bekannt gemacht.

Die Schweden waren erschöpft und froh über die Hilfe

Das Ende der deutschen Mission am Sonntag kam überraschend. Der Einsatz hätte ursprünglich bis zum 5. August dauern sollen. Ein neues Team aus dem Kreis Nienburg hatte sich schon vorbereitet, um ihre Kollegen in Schweden abzulösen.

Nun ist es ganz anders gekommen – doch mit einem guten Ausgang. Denn schwere Gewitter und Regengüsse hatten die Arbeit der Feuerwehrleute vollendet. „Es ist ein schönes Gefühl zu fahren, wenn die Arbeit erfolgreich beendet ist“, sagt Voß, mit dem die HAZ am Montagnachmittag per Telefon sprach.

Am 21. Juli hatten sich die 52 Feuerwehrmänner mit insgesamt neun Fahrzeugen Richtung Schweden aufgemacht, bis auf Brandrat Martin Voß alles Freiwillige aus dem Kreis Nienburg. Die Truppe war seit Montag vergangener Woche in der Region Dalarna im Einsatz.

Dalarna liegt im Herzen Schwedens und besteht vorwiegend aus Wäldern. Mit 277.500 Einwohnern hat diese Provinz etwas mehr Bürger als Braunschweig, allerdings wesentlich mehr Fläche. Gerade mal neun Einwohner kommen auf einen Quadratmeter der Region, die in den letzten Wochen von Rauchfahnen geprägt war.

Über die EU hatte Schweden um Hilfe gebeten. Die Schweden seien von den vielen Bränden, die in der ausgetrockneten Landschaft nahezu überall aufflackerten, erschöpft gewesen, berichtet der Brandmeister aus Niedersachsen.

Doch die Nothilfe sei für die deutschen Gäste ein überragendes Ereignis gewesen, „gelebtes Europa“, sagt Martin Voß. Denn man habe prima zusammengearbeitet, Sprachbarrieren habe es kaum gegeben, weil man sich entweder auf Englisch, zuweilen sogar auf Deutsch verständigt habe. „Es hat sich gezeigt, dass man in der Not in Europa zusammenstehen kann.“

Mit einer Bombe gegen das Feuer im Wald

Voß schwärmt auch von der tollen Organisation der Schweden, die mit den 52 Niedersachsen eine 300 Personen starke Einsatzgruppe gebildet hätten. In dem Camp, wo die Deutschen ihr Lager aufgeschlagen hätten, sei auch die Einsatzzentrale gewesen. Die Deutschen seien immer mit einem schwedischen Feuerwehrmann unterwegs gewesen. Morgens habe es eine Einsatzbesprechung gegeben und dann eine Lageeinweisung. Dann sei auch die Frage geklärt worden, wie die Deutschen mit ihren fünf leistungsstarken Löschwagen am effektivsten einzusetzen wären.

Angst hätten er und die Kollegen nie verspürt, sagt Voß. Denn die Einsätze seien professionell vorbereitet gewesen. Aber gehörigen Respekt vor der Weite der Landschaft habe man gehabt. „Waldbrände über 3500 Hektar, das ist schon eine ganz andere Geschichte.“ Oft seien die Waldgebiete nicht betretbar gewesen und für die deutschen Fahrzeuge unbefahrbar. „Wenn es etwa morastigen Boden gab, mussten wir die Kettenfahrzeuge der Schweden nutzen.“ Zuweilen habe man die Feuer auch aus der Luft bekämpfen müssen, berichtet Voß, der als Einsatzleiter öfter mit dem Hubschrauber die Katastrophenzone überquerte.

Bei seinem Einsatz in Schweden hat der Brandmeister auch kreative Arten der Brandbekämpfung erlebt, etwa den Einsatz einer Bombe, der dem Feuer gleichsam den Sauerstoff rauben sollte – „wie beim Auspusten einer Kerze“. Dieser Versuch habe sogar in einem Umkreis von hundert Metern geklappt. „Das ist jetzt kein Erfolgsrezept, aber war für uns schon sehr interessant“, sagt ein glücklich nach Deutschland heimreisender Brandmeister, der sonst gewöhnlich an der Feuerwehrschule in Celle seinen Dienst ableistet.

Und in Hannover ist man sehr froh, dass keiner der Männer aus Niedersachsen bei dem nicht ganz risikofreien Einsatz verletzt wurde, betont Landesbranddirektor Jörg Schallhorn.

Von Michael B. Berger

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