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Welt Wagt Gül den Bruch mit Erdogan?
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16:47 27.04.2018
Abdullah Gül diente unter Erdogan als Außenminister, wurde später sogar Staatsoberhaupt. Aber inzwischen haben sich die Wege der beiden Männer getrennt. Quelle: dpa
Ankara

Einst waren sie unzertrennlich: Gemeinsam gründeten Redep Tayyip Erdogan und Abdullah Gül 2001 die islamisch-konservative Gerechtigkeits-und Entwicklungspartei (AKP). Gül diente unter Erdogan als Außenminister, wurde später sogar Staatsoberhaupt. Aber inzwischen haben sich die Wege der beiden Männer getrennt. Jetzt wird Gül als möglicher Gegenkandidat Erdogans bei der Präsidentenwahl im Juni gehandelt.

Nahrung erhielten die Spekulationen diese Woche durch ein Treffen Güls mit Ahmet Davutoglu, der 2016 als Premierminister und Parteivorsitzender bei Erdogan in Ungnade gefallen war. Einen Tag später konferierte Gül mit Temel Karamollaoglu, dem Vorsitzenden der islamistischen Glückseligkeits-Partei (SP).

Der traf seinerseits hernach mit dem Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu und Meral Aksener zusammen, der Chefin der nationalistischen IYI-Partei. Nicht nur für viele Oppositionswähler ist Gül ein Hoffnungsträger. Auch innerhalb der regierenden AKP gibt es manche, denen Erdogans Machtstreben unheimlich wird.

Noch hüllt sich Gül in Schweigen

Differenzen zwischen Gül und Erdogan zeigten sich schon 2013 während der landesweiten Massenproteste. Gül plädierte als Präsident dafür, auf die Demonstranten zuzugehen. Aber der damalige Premier Erdogan setzte seinen harten Kurs durch und löste Gül im Jahr darauf als Präsident ab. Gül gilt als Gegner des neuen Präsidialsystems, mit dem Erdogan seine Macht erweitern will.

Er setzte sich für die Freilassung inhaftierter Journalisten ein und nannte den Ausnahmezustand, den Erdogan nach dem Putschversuch vom Juli 2016 verhängte, „rechtsstaatlich besorgniserregend“. Den offenen Bruch mit Erdogan hat er aber bisher nicht gewagt.

Zu den Gerüchten über eine Kandidatur hüllt Gül sich in Schweigen. Die kemalistische Oppositionspartei CHP zögert, Gül offen zu unterstützen. „Der Name Gül steht nicht auf unserer Agenda“, sagte CHP-Fraktionschef Özgür Özel. Auch Meral Aksener will nicht zugunsten Güls auf eine eigene Kandidatur verzichten.

Bald läuft die Bewerbungsfrist ab

Dass sich die Oppositionsparteien schon für den ersten Wahlgang auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen, ist also unwahrscheinlich. Es würde auch wenig Sinn ergeben, denn mehrere Konkurrenten könnten Erdogan unter dem Strich größere Stimmenanteile abnehmen als ein einziger Gegenkandidat. Verfehlt Erdogan im ersten Durchgang die erforderliche absolute Mehrheit, muss er zwei Wochen später in einer Stichwahl gegen den Bewerber mit der zweithöchsten Stimmenzahl antreten.

Dann könnte es spannend werden – vor allem, wenn es heißt: Gül gegen Erdogan. Um Erdogan aus dem Amt zu vertreiben, müsste ein Gegenkandidat die Wähler aller Oppositionsparteien auf sich vereinen und unzufriedene AKP-Anhänger mobilisieren. Gül gilt als der einzige, dem das gelingen könnte.

Die Frage ist: Wird Abdullah Gül sich jetzt aus der Deckung wagen und gegen seinen früheren Freund antreten? Viel Bedenkzeit hat er nicht mehr. Die Frist für eine Kandidatur bei der Präsidentenwahl läuft am kommenden Freitag ab.

Von Gerd Höhler/RND

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