Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Welt Baukindergeld auch für Spitzenverdiener
Mehr Welt Baukindergeld auch für Spitzenverdiener
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:34 04.10.2018
Führende Wirtschaftsforschungsinstitute bemängeln, dass das Baukindergeld für den Staat immens teuer sei und die Baupreise treibe, ohne jungen Familien tatsächlich zu helfen. Quelle: dpa
Berlin

Vom Baukindergeld ist nach wie vor nur ihre Erfinderin wirklich begeistert: die CSU. Ansonsten stößt die von der großen Koalition beschlossene Förderung auf breite Kritik. Zuletzt bemängelten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, die Subvention sei für den Staat immens teuer und treibe lediglich die Baupreise, ohne jungen Familien tatsächlich zu helfen. Nun stellt sich noch ein weiteres Problem heraus: Zwar gibt es offiziell Einkommensgrenzen, bis zu denen die Förderung gewährt wird. Doch in der Praxis können auch absolute Spitzenverdiener das Baukindergeld in Anspruch nehmen.

Beim Baukindergeld handelt es sich um eine staatliche Förderung, die nicht zurückgezahlt werden muss. Pro Kind gibt es bei Bau oder Kauf einer Eigentumswohnung oder eines Hauses 12.000 Euro, ausgezahlt in zehn jährlichen Raten zu 1200 Euro. Voraussetzung ist, dass das Haushaltseinkommen bei einem Kind 90.000 Euro im Jahr nicht überschreitet. Für jedes weitere Kind erhöht sich diese Grenze um 15.000 Euro.

Beim Einkommensnachweis gibt es einen Haken

Nach Angaben der bundeseigenen Förderbank KfW, die die Auszahlung des Baukindergeldes abwickelt, gilt als maßgebliches Haushaltseinkommen das durchschnittliche Einkommen des vorletzten und vorvor­letzten Jahres vor der Antrag­stellung. Als Nachweis – und das ist die Crux – gelten die Einkommensteuerbescheide.

Diese Bescheide geben jedoch die tatsächlichen Einkommensverhältnisse der Antragsteller im Zweifel nur sehr unvollständig wieder. Denn seit der Einführung der 25-prozentigen Abgeltungsteuer werden Kapitalerträge direkt bei den Banken versteuert und die Beträge anonym an das Finanzamt abgeführt. Auf der Steuererklärung müssen daher Zinsen oder Dividenden nicht mehr angegeben werden.

Wer nun aufgrund eines beachtlichen Vermögens sehr hohe Dividenden- und/oder Zinseinnahmen hat, aber ein vergleichsweise geringes Erwerbseinkommen, hält die Einkommensgrenze ein und könnte somit das Baukindergeld beanspruchen

Ein Beispiel veranschaulicht das Problem

Das Immobilien-Portal wohnen-und-bauen.de nennt ein Beispiel: Ein 55-jähriger Mann wohnt ein Leben lang zur Miete und hat auch noch nie Wohneigentum besessen. Zum Haushalt gehören seine Lebensgefährtin sowie zwei Kinder, beide noch minderjährig. Der Mann hat vor einigen Jahren ein umfangreiches Aktiendepot geerbt. 2018 bekam er rund 160.000 Euro Dividenden ausgezahlt. Davon verblieben ihm nach Abzug von Abgeltungsteuer und Solidarzuschlag gut 110.000 Euro. Zusätzlich arbeitet der Mann hin und wieder freiberuflich als Berater. Sein zu versteuerndes Einkommen daraus betrug im Schnitt der vergangenen Jahre 30.000 Euro. Obwohl er also in Wirklichkeit ein Einkommen von zusammen 140.000 Euro hat, hält er offiziell die Einkommensgrenze ein und hätte Anspruch auf das Baukindergeld.

In der großen Koalition wurde das Problem bestätigt. Dort hieß es jedoch, wegen der Systematik der Abgeltungsteuer gebe es keine andere Möglichkeit. Es sei allerdings nicht davon auszugehen, dass die Lücke massenhaft ausgenutzt werde, macht man sich Mut.

Von Timot Szent-Ivanyi/RND

Vor dem Luftfahrtgipfel am Freitag schlägt die Wirtschaft Alarm. Wenn Deutschland seine Probleme mit Flugausfällen und fehlenden Flughafenkapazitäten nicht in den Griff bekommen, drohten Jobverlagerungen ins Ausland.

04.10.2018

Vor den deutsch-israelischen Konsultationen ist Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwochabend in Jerusalem mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu einem ersten Meinungsaustausch zusammengetroffen.

03.10.2018

Mahnungen und Nachdenklichkeit dominieren die Reden zum Tag der Deutschen Einheit. Bundestagspräsident Schäuble wirbt für einen Patriotismus, der anders ist als die rechtspopulistischen Lockrufe. Die sind in Berlin aber auch zu hören.

03.10.2018