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11:41 29.03.2018
Engagierter Politiker Volker Beck. Quelle: dpa
Berlin

Allein in Berlin gab es im vergangenen Jahr zwölf antisemitische Übergriffe an Schulen. Die politische Beteuerung, dass Antisemitismus in Deutschland keinen Platz habe, ist also nicht mehr als ein frommer Wunsch. Antisemitismus gibt es in allen gesellschaftlichen Bereichen. Die meisten dieser Straftaten werden von der Polizei einem rechtsextremen Hintergrund zugeordnet. Aber es hilft nicht, darum herumzureden: Auch muslimischer Antisemitismus ist ein nicht unerhebliches Problem.

Bei Elternvertretungen, Schulleitungen und Bildungspolitikern fehlt es schlichtweg am Bewusstsein für Antisemitismus, der daher als solcher oftmals nicht erkannt wird. Eltern fragen: Wie kann eine Schule mit Kindern aus vielen Nationen davor gefeit sein, dass es zu religiös motivierten Auseinandersetzungen kommt? Ein Lehrerverband meint, solche Vorfälle zeigten, dass Schulen Austragungsort sozial-religiöser „Konflikte“ werden. Ein Schulleiter teilt Eltern eines Kindes mit, man habe keine Erfahrung mit jüdischen Schülern.

Das Problem sind jedoch nicht jüdische Schüler: Antisemitismus ist der einseitige Hass auf Juden, jüdische Schüler vermöbeln nicht arabische oder muslimische Schüler.

Wie kann eine Schule, in der Eltern und Lehrer gar keinen Begriff des alltäglichen Antisemitismus haben, ihn erfolgreich pädagogisch bekämpfen? Viel Arbeit für den Antisemitismusbeauftragten des Bundes, der idealerweise durch Länderbeauftragte unterstützt wird. Es braucht aber Mut zum Konflikt. Zum Konflikt mit Verwaltungen – und mit der routinierten Empathielosigkeit breiter Gesellschaftsschichten.

Volker Beck war für die Grünen bis 2017 Mitglied des Bundestags und Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe.

Von Volker Beck

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