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Welt Uni-Präsident gegen Karl Marx als Namenspatron
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15:16 23.02.2018
Der berühmteste Sohn der Stadt wird offenbar nicht Namenspatron der Universität. Quelle: dpa-tmn
Trier

Der Trierer Uni-Präsident Michael Jäckel hat sich gegen eine Umbenennung seiner Hochschule in Karl-Marx-Universität ausgesprochen. Er sehe dazu keinen Anlass, auch wenn die Uni sich am diesjährigen Jubiläum zum 200. Geburtstag des gebürtigen Trierers Marx mit vielen Veranstaltungen beteilige, teilte Jäckel am Freitag mit. Eine Umbenennung der Universität Trier nach Marx bedeute keinen Mehrwert, sondern berge die Gefahr „von Verengung und Entfremdung“.

Universitäten „seien nicht Anwalt bestimmter Ideen oder politischer Überzeugungen“, schrieb Jäckel in einem Positionspapier. „Diese Neutralität hat nichts mit Selbstaufgabe zu tun, sondern signalisiert ein zentrales Kennzeichen: Offenheit.“ Diese Offenheit könne durch eine neue Namensgebung verengt werden, indem sich bestimmte Gruppen von ihr angesprochen fühlten und entsprechende Studienangebote und Forschungsschwerpunkte mit ihr verbunden würden.

Namenspatrone haben es im Wandel der Zeit schwer

Der weltweit bekannte Philosoph und Ökonom Marx wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren. Zum Jubiläum gibt es in seiner Heimatstadt drei Sonderausstellungen plus 600 Einzelveranstaltungen. An der Uni sind unter anderem eine Vorlesungsreihe „Marx gestern - heute - und morgen“, ein internationaler Kongress und Tagungen geplant.

Die Frage, ob Marx als weltbekannter Sohn der Stadt Namenspatron der Universität Trier werden sollte, ist in der Vergangenheit immer wieder mal aufgetaucht. Professor Jäckel ging davon aus, dass auch in diesem Jahr diese Frage „unweigerlich“ wieder Thema werde - daher habe er sich schon mal positioniert.

Generell stellt die Geschichtsschreibung und die Deutung der Historie im Wandel der Zeitläufte Institutionen mitunter vor Herausforderungen. Die Reputation und Verdienste berühmter Philosophen, Wissenschaftler oder Schriftsteller halten den moralischen Vorstellungen in der Moderne nicht immer stand.

Zuletzt Namensstreit in Greifswald

So legte die Universität Greifswald im Januar dieses Jahres den Zusatz ihres Namenspatrons Ernst Moritz Arndt ab. Im Vorfeld entbrannten im mecklenburgischen Ostsee-Städtchen leidenschaftliche Debatten, inwiefern die fremdenfeindlichen und antisemitischen Äußerungen des im 19. Jahrhundert berühmten deutschnationalen Autoren, Historikers und Politikers dem Leitbild der Uni entgegenstünden.

Das gleiche Schicksal ereilte die einstige Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Lehrbetrieb ab Februar 1949 unter dem noch heute gültigen Namen Humboldt-Universität fortsetzte. Unter dem Geheiß der Sowjetischen Militäradministration kam der Name eines Preußen-Königs offenbar nicht mehr in Frage.

Von RND/krö/dpa

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