Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Welt Über Hexenglauben und Walpurgisnacht
Mehr Welt Über Hexenglauben und Walpurgisnacht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 03.05.2018
Was steckt hinter dem Hexenglauben? Quelle: dpa

Walpurgis: Heilige statt Hexe

Walburga oder Walpurga war eigentlich eine frühmittelalterliche Heilige der sanftesten Sorte. Auf der Überfahrt von England nach Deutschland hat sie die gesamte Reise an Deck verbracht und durch ihr Gebet die Wellen beruhigt. Ein andermal gelang es ihr, durch Handauflegen einen tollwütigen Hund ruhigzustellen. Walburgas Pech bestand darin, dass ihr Gedenktag am 1. Mai gefeiert wurde.

Stephan M. Rother

Stephan M. Rother ist Historiker und Autor der Romanreihe „Königschroniken“, in denen sich germanische Mythen und mittelalterliche Überlieferungen begegnen. In dem gerade erschienenen Band „Ein Reif von Bronze“ taucht der Leser in die Welt der Hexen ein.

Die Nacht davor, die Walpurgisnacht, fiel auf das Datum des keltischen Fruchtbarkeitsfestes Beltane, das schon in weit vorchristlicher Zeit einen einschlägigen Ruf genoss – als Höhepunkt jener Jahreszeit, da sich die Tiere ihren Trieben hingaben und im Beltane-Ritual dann auch die Menschen. Nun war das mittelalterliche Christentum grundsätzlich sehr erfolgreich damit, ursprünglich heidnische Feiertage in den eigenen kirchlichen Jahreskalender zu integrieren. Das Weihnachtsfest, nahe an der Wintersonnenwende, ist das beste Beispiel. Mit dem enthemmten Geschehen in der Walpurgisnacht war diese Umdeutung jedoch nicht möglich. Wer sich in dieser Nacht zu entsprechenden Zeremonien traf, musste aus Sicht der Christen vom Teufel besessen sein.

Von teuflischen Küssen

Während das Christentum in den Städten bereits Fuß gefasst hatte, lebten auf dem Lande und auf der Heide nach wie vor die „Heiden“. Das Wort ist tatsächlich auf diese Weise entstanden. Wobei die Heide allgemein für besonders abgelegene Orte steht, etwa für den Blocksberg – den Brocken im Harz –, oder auch für die nicht weit entfernt gelegene Rosstrappe bei Thale. Da das Böse „falsch“ ist, musste in der Fantasie der Hexenverfolger alles „verkehrt herum“ passieren. Man läuft rückwärts, spricht rückwärts. Der Pakt mit dem Leibhaftigen wird mit einem Kuss auf den Hintern des Teufels besiegelt. „Darüber bin ich unverlorn“, schreibt Goethe im „Faust“, „Ich küsse hinten oder vorn.“

Stephan M. Rother Quelle: Rohwolt Verlag

Die Frau, ein unvollkommen‘ Tier

Warum aber hören wir sehr viel von Hexen und eher wenig von Hexern? Im mittelalterlichen Christentum galt die Frau als unheimlich, undurchschaubar, abgründig. Die Monatsblutung war ein Mysterium. Die Frau wurde als eine Art Wildtrieb angesehen - mit den haarsträubendsten Schlussfolgerungen: Da Wildtriebe schneller wachsen als domestizierte Triebe, ließ sich das Heiratsalter für Männer auf sechzehn Jahre, für Frauen auf zwölf Jahre festsetzen. „Das Weib ist ein unvollkommen‘ Tier“, schreibt Heinrich Institoris am Ende des 15. Jahrhunderts in seinem „Hexenhammer“, einem Handbuch für Hexenverfolger. Wenn eine so unvollkommene Kreatur etwas Bemerkenswertes zustande brachte: Das musste in seinen Augen geradezu „mit dem Teufel zugehen“.

Molchesaug‘ und Unkenzehe

Der Hexenglauben ist bis heute in der Sprache erhalten. Beim Hexenschuss etwa wurde dem Opfer angeblich mit dem „bösen Blick“ ein Rückenleiden angehext. Anderer Zauber benötigen anspruchsvolle Formeln, die sich zuweilen auf überraschende Ursprünge zurückführen lassen. „Hoc est enim corpus meum“ heißt es in der lateinischen Fassung des Abendmahls. „Dies ist mein Leib“. In der Hexerei wird daraus ein genuscheltes „Hokuspokus“.

Cover. Quelle: Rohwolt Verlag

Solcherlei Sprüche sind dabei lediglich ein Element des Hexenzaubers. Hinzu kommt häufig der Zaubertrank, bei dessen Zutaten keine Grenzen gesetzt sind. In Shakespeares Macbeth etwa heißt es: „Molchesaug’ und Unkenzehe, / Hundemaul und Hirn der Krähe; / Zäher Saft des Bilsenkrauts, / Eidechsbein und Flaum vom Kauz./ Mächt’ger Zauber würzt die Brühe. / Höllenbrei im Kessel glühe!“ Manche Zutaten muten harmloser an, wie das Eisenkraut, das tatsächlich pharmazeutisch wirksam ist. Oder die Tollkirsche, eine der beliebtesten Zutaten im Hexentrunk. Ihr Konsum erklärt zumindest Wahnvorstellungen von Frauen, die auf dem Besen ums Feuer fliegen.

Von Stephan M. Rother

Welt Tod bei Übernachtung - Siebenjähriger Junge wurde erwürgt

Eigentlich sollte ein siebenjähriger Junge in Künzelsau bei seiner Pflegeoma übernachten. Doch als seine Eltern ihn wieder abholen wollten, fanden sie das Kind tot in der Wanne. Ermittler sehen nun erste Hinweise, dass der Junge erwürgt wurde.

30.04.2018

Der Kruzifix-Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Söder stößt unvermindert auf Kritik. Durch die angeordnete Aufhängung in Landesbehörden und Söders Erklärung seien „Spaltung und Unruhe“ entstanden, kritisierte Kardinal Reinhard Marx.

30.04.2018

Bei einem Doppelanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 25 Menschen getötet worden, darunter auch Journalisten. Mindestens 45 weitere Menschen wurden verletzt. Die beiden Anschläge wurden kurz hintereinander während des morgendlichen Berufsverkehrs im Viertel Schaschdarak verübt.

30.04.2018