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Welt Der Punk unter den US-Autoren: T. C. Boyle wird 70 Jahre alt
Mehr Welt Der Punk unter den US-Autoren: T. C. Boyle wird 70 Jahre alt
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16:27 26.11.2018
Der Erzählkünstler mit dem Zappa-Bärtchen: US-Kultautor T. C.Boyle wird 70 Jahre alt. Quelle: Jörg Carstensen/dpa
Santa Barbara

Der Bestsellerautor Thomas Coraghessan Boyle schreibt immer wieder über Aussteiger und über Gesellschaftsentwürfe von Utopisten, die sich an einsamen Orten ihren Ideen hingeben. In dem Roman „San Miguel“ (2013) etwa betrachtete er drei verschiedene Generationen dabei, wie sie sich auf der kargen gleichnamigen Insel vor der Küste Kaliforniens durchs Leben schlagen. Der US-Schriftsteller selbst jedoch ist anders als seine Figuren kein exzentrischer Einzelgänger, sondern ein charmanter Entertainer. Am 2. Dezember wird er 70 Jahre alt.

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Mit seinen Piratenringen und der kühnen Haarlocke sieht er wie der Sänger einer Punkband aus. In Gesprächen setzt der US-Autor seine Pointen zielsicher und dabei immer auf das Gegenüber bedacht. Deutschland ist für T. C. Boyle der zweitwichtigste Markt nach den USA. Seine Lesetour war 2017 komplett ausverkauft, Boyle wurde gefeiert wie ein Popstar.

„Alle Tiere mögen Sex. Und ich bin selbst ein Tier.“

Sein neuer Roman „Das Licht“ wird im Januar in Deutschland noch vor der amerikanischen Ausgabe erscheinen. Im Zentrum steht Timothy Leary, jener Guru der Hippiebewegung, der für den freien Zugang zu Drogen wie LSD kämpfte. Dazu passt das psychedelische Cover der deutschen Ausgabe, das dem Betrachter auch ganz ohne Drogen zu Kopf steigt. Anhängern des Schriftstellers wird der neue Roman wie eine Rückkehr in jene Hippiekommune erscheinen, die Boyle 2003 in „Drop City“ porträtierte.

Timothy Leary reiht sich ein in die Folge von Personen der Zeitgeschichte, deren Biografien Boyle meisterhaft ins Romangewand zu kleiden pflegt. In seinem Debütroman „Wassermusik“ (1982) steht der britische Afrikaforscher Mungo Park im Mittelpunkt, in „Willkommen in Wellville“ (1993) der Cornflakes-Gigant John Harvey Kellogg, in „Dr. Sex“ der Sexualwissenschaftler Alfred Kinsey.

Stets geht es bei Boyle um die animalische Natur des Menschen, Sexszenen erzählt er genüsslich aus. Seine Lust an der Lust erklärte Boyle einmal so: „Alle Tiere mögen Sex. Und ich bin selbst ein Tier.“

Zerstörung der Erde durch den Menschen

Boyles drittes großes Thema nach Biografie und Sex ist die Zerstörung der Erde durch den Menschen. Der Science-Fiction-Roman „Ein Freund der Erde“ (2000) handelt von Umweltaktivisten, in seinem Roman „Die Terranauten“ (2017) wollen Wissenschaftler in einem geschlossenen Ökosystem das Leben auf dem Mars simulieren und somit einen Alternativplaneten zur an den Rand des Kollaps gebrachten Erde finden. Zwei Jahre lang durfte niemand das Megaterrarium verlassen.

Boyles Geburtsname lautet eigentlich Thomas John Boyle. Den irischen Namen Coraghessan gab er sich selbst erst mit 17 Jahren nach einem Vorfahren mütterlicherseits. Grund für die Namensänderung war auch die Entfremdung von seinen Eltern – Mutter und Vater waren Alkoholiker. Boyle schwänzte oft die Schule und schaffte den Highschool-Abschluss nur knapp.

Seit 1974 ist er verheiratet, das Paar lebt bei Santa Barbara in Kalifornien – in einem von Frank Lloyd Wright designten Haus. Der Autor hat dem Stararchitekten in „Die Frauen“ (2009) ein literarisches Denkmal gesetzt.

T. C. Boyle hat seit den frühen Achtzigerjahren 17 Romane und Dutzende von Kurzgeschichten geschrieben. Seine Bücher wurden in 29 Sprachen von Hebräisch bis Koreanisch übersetzt.

Von Nina May / RND

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