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Welt Staatsanwaltschaft lässt Teil der Klage gegen Weinstein fallen
Mehr Welt Staatsanwaltschaft lässt Teil der Klage gegen Weinstein fallen
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07:49 12.10.2018
Der ehemalige Filmmogul Harvey Weinstein. Quelle: imago/UPI Photo
New York

Die Staatsanwaltschaft in New York hat einen Teil des Strafverfahrens gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein wegen sexueller Vergehen fallengelassen. Ein Richter stimmte am Donnerstag zu, einen Anklagepunkt im Fall im Zusammenhang mit der Frau Lucia Evans nicht mehr zu berücksichtigen. Evans hatte dem Magazin „The New Yorker“ gesagt, dass Weinstein sie in seinem Büro 2004 zum Oralsex gezwungen habe.

Weinstein wird weiter vor Gericht vorgeworfen, 2013 eine Frau in seinem Hotelzimmer vergewaltigt zu haben und eine andere Frau 2006 einem Sexualakt unter Zwang unterworfen zu haben. Weinstein bestreitet alle Vorwürfe des nicht einvernehmlichen Sex.

#MeToo, die Bewegung, die 2017 auf Twitter gegen US-Filmproduzenten Harvey Weinstein ins Rollen kam, griff schnell um sich und stellte auch andere übergriffige Männer in Machtpositionen an den Pranger. Das ist mittlerweile ein Jahr her. Zeit zu schauen, was aus den Beschuldigten geworden ist.

Widersprüchliche Schilderungen der Klägerin

Evans' Anwältin Carrie Goldberg sagte vor dem Gerichtsgebäude verärgert, dass ihre Mandantin vom Bezirksstaatsanwalt Cyrus R. Vance jr. im Stich gelassen worden sei. „Die Entscheidung, die Vorwürfe meiner Mandantin des sexuellen Übergriffs wegzuwerfen, sagt nichts über Weinsteins Schuld oder Unschuld aus“, sagte Goldberg.

Die Staatsanwaltschaft teilte in einem Brief mit, dass sie vor Wochen erfahren habe, dass eine Frau, die am Abend des Treffens von Evans mit Weinstein in einem Restaurant bei Evans gewesen sei, einem Polizisten widersprüchlich geschildert habe, was passiert sei. Der Ermittler habe sie aber dazu gedrängt, zu schweigen. Er habe gesagt, „weniger ist mehr“.

Die Frau sagte der Staatsanwaltschaft zufolge dem Polizisten im Februar, dass Weinstein ihnen Geld angeboten habe, wenn sie ihre Brüste entblößten. Sie hätten zuerst abgelehnt, doch habe Evans ihr später gesagt, dass sie sich vor Weinstein in einem Flur entblößt habe.

„Die Integrität dieses Verfahrens ist gefährdet worden“

Die Zeugin habe dem Ermittler auch gesagt, dass Evans irgendwann nach dem Bürotreffen mit Weinstein angedeutet habe, dass das Vorgefallene einvernehmlich gewesen sei, steht in dem Brief. Weinstein habe versprochen, ihr einen Schauspieljob zu verschaffen, wenn sie sich zu Oralsex bereit erkläre. Sie habe das getan.

Goldberg sagte, Evans habe die Wahrheit erzählt. Sie bestritt, dass Evans ihre Brüste entblößt habe. Weinsteins Anwalt Benjamin Brafman sagte, er glaube, dass Evans die Geschworenen und das Magazin „The New Yorker“ über ihr Treffen mit Weinstein belogen habe. „Die Integrität dieses Verfahrens ist gefährdet worden“, sagte er. Evans sollte wegen Meineid strafrechtlich verfolgt werden, forderte der Anwalt.

Die Polizei teilte am Donnerstag mit, dass der Polizist, mit dem die Zeugin gesprochen hatte, von der Behörde untersucht werde. Er spiele keine aktive Rolle mehr bei den Ermittlungen zu Weinstein. Der Ermittler hatte in den Medien offen gesagt, dass er wolle, dass Weinstein angeklagt wird.

Von RND/AP