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Welt Söder im Abwärtssog
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21:39 05.10.2018
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kämpft gegen immer schlechter werdende Umfragewerte. Quelle: Peter Kneffel/dpa
Berlin

Wer in diesen Wochen auf Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder schaut, erlebt ein in der Politik wiederkehrendes, seltenes Schauspiel: den strudelartigen, unaufhaltsamen Abwärtssog. Das Phänomen beginnt mit überschaubaren Umfrageverlusten; es erreicht eine neue Qualität, indem erste wichtige Marken unterschritten werden und ist fortan nicht mehr aufzuhalten, wobei das oft erst verzögert bemerkt wird. Der Prozess verstärkt sich durch eigene Fehler und respektable Gegenkandidaten, bis ein perfekter Strudel entsteht und bald nichts mehr so ist, wie es war. Es gibt berühmte Opfer dieser Kräfte, meist erbten sie ihre Bundesländer, fühlten sich unverwundbar. Stefan Mappus in Baden-Württemberg im Jahr 2011 ist so ein Fall, auch Sigmar Gabriel in Niedersachsen 2003.

Bei Markus Söder im Jahr 2018 ist der Niedergang einfach nachvollziehbar. Söder begann den Wahlkampf, indem er mit ernster Miene in Bayern Kreuze aufhängte. Anschließend forderte er immer wieder effektivere, härtere Abschiebungen, obwohl kaum noch ein Flüchtling kam. Er übersah, dass er den Staat so als schwach präsentierte, sein Bundesland als unsicher und sich selbst als Schwarzseher. Erst als Söder im christsozialen Dreiklang mit Horst Seehofer und Alexander Dobrindt die Koalition in Berlin an den Abgrund gepoltert hatte, schwante ihm, dass er den falschen Weg eingeschlagen hatte. Seitdem gibt er sich als Landesvater, was ihm nach all der Kraftmeierei zuvor aber niemand mehr abnimmt.

Gerade 31 Prozent der Bayern sind mit Söder zufrieden

Dass Söder die Schuld nun auf Berlin abschiebt, ist ein logischer Folgefehler seines Wahlkampfes. In Phasen der Erfolglosigkeit verließ er zu schnell seine Position, steuerte um. Nach dem Hardliner und dem Landesvater nun plötzlich das Opfer äußerer Umstände? Gerade 31 Prozent der Bayern sind mit Markus Söders Arbeit zufrieden, zeigte im Spätsommer eine Umfrage. Es war der schlechteste Wert aller Ministerpräsidenten. In einem Bundesland, dem es wirklich sehr, sehr gut geht. Das muss man erst mal schaffen.

Wenn Söder wollte, könnte er viel lernen aus seiner Misere. Denn es ist eben doch nicht so, dass der Durchschnittswähler übertriebenen Opportunismus in der Politik nicht erkennen würde. Wie sehr sich die Bayern nach einer bürgerlichen Alternative sehnen, zeigt der Aufschwung von Grünen und Freien Wählern. Ein wenig Optimismus, ein wenig Kontinuität scheint zu reichen, um das aufzufangen, was Söder und die CSU in Bayern verspielt haben.

Für Markus Söder steht dieser Weg nicht mehr offen. Er muss am 14. Oktober demütig sein Ergebnis in Empfang nehmen. Für die politische Kultur und Debatte in Deutschland kann sein Beispiel sogar nützlich sein. Denn Söders Misserfolg ist auch ein stiller Erfolg eines Schatzes: der geraden Linien in der Politik.

Lesen Sie auch: Freie Wähler und FDP streiten über Koalition gegen Söder

Von Gordon Repinski/RND

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