Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
So haben russische und türkische Einwanderer gewählt

Bundestagswahl So haben russische und türkische Einwanderer gewählt

Russlanddeutsche und Deutschtürken halten an ihrer politischen Richtung fest, fühlen sich aber nicht an die Volksparteien gebunden. Und nicht wenige von ihnen wünschen sich einen starken Anführer.

Voriger Artikel
Mit Jetski zum Oscar
Nächster Artikel
Deutsche Flaschenpost nach 132 Jahren in Australien entdeckt

Die ethnischen Kurden werden in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Sie sind zu einem großen Teil (84 Prozent) gegen die Aufnahme der Türkei in die EU.

Quelle: dpa

Berlin. An der Tendenz der Russlanddeutschen und Türkischstämmigen hat sich nicht allzu viel geändert zur Bundestagswahl 2013. Erstere sind ein Stück rechts der Mitte einzuordnen, die zweiten deutlich weiter links. Russlanddeutsche wählten früher vor allem CDU/CSU, Deutschtürken zu großen Teilen SPD. Nun ergab eine Umfrage, dass – wie auch im Rest der Bevölkerung – die Bedeutung der Volksparteien deutlich abgenommen hat.

Wissenschaftler der Universitäten Duisburg-Essen und Köln haben zum ersten Mal untersucht, wie beide Bevölkerungsgruppen bei der Bundestagswahl abgestimmt haben. Dazu befragten sie je etwa 500 Deutschtürken und Russlanddeutsche – zu dieser Gruppe werden auch Einwanderer aus anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion gezählt.

Bei Deutschtürken ist die SPD traditionell stark, doch nicht einmal jeder zehnte Kurde gibt ihr seine Stimme

Etwa 1,5 Millionen Russlanddeutsche sind in Deutschland wahlberechtigt. Die AfD ist bei ihnen zu einer festen Größe aufgestiegen. Die Partei schaffte es zwar nicht ganz nach vorne, doch immerhin mit 15 Prozent der Stimmen auf den dritten Platz. Wobei die Forscher davon ausgehen, dass das Ergebnis bis zu fünf Prozentpunkte darüber liegen könnte, da die AfD allgemein in Umfragen unterrepräsentiert ist. Auf dem ersten Platz liegt weiterhin die Union mit 27 Prozent Stimmanteil, zweitstärkste Partei wurde die Linke mit 21 Prozent.

Die Sozialdemokraten sind wenigstens bei einer Bevölkerungsgruppe noch stärkste Kraft, den Deutschtürken. Von diesen haben 35 Prozent die SPD gewählt, CDU/CSU und Linke wurden zweit- und drittstärkste Kraft. Allerdings müssen sich die Sozialdemokraten auch hier Sorgen machen. Nur neun Prozent der kurdischen Bevölkerung wählten SPD. Die meisten Kurden kamen als Asylbewerber erst spät nach Deutschland. Die Bindung an die Sozialdemokratie ist bei den ethnischen Türken, die vor Jahrzehnten als Gastarbeiter ins Land kamen, wesentlich stärker. Etwa 1,25 Millionen Deutschtürken sind laut dem auf Einwanderungsgruppen spezialisierte Meinungsforschungsinstitut Data4U wahlberechtigt.

Merkel ist beliebter als Erdogan, aber unbeliebter als Putin

Bei beiden Bevölkerungsgruppen ist die Wahlbeteiligung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung niedrig. Laut der Studie gaben 64 Prozent der Deutschtürken und nur 58 Prozent der Russlanddeutschen ihre Stimme ab. Die Wahlbeteiligung in der Bevölkerung lag insgesamt bei 76 Prozent.

Die Wissenschaftler interessierten auch andere Fragen. Etwa, ob Deutschland „einen starken politischen Anführer haben sollte, auch wenn dieser die Gesetze beugte“. Bei den Deutschtürken stimmte knapp ein Fünftel dieser Aussage zu. Bei Russlanddeutschen waren es sogar 30 Prozent. Auch ein nicht unwesentlicher Teil der Deutschen ohne Migrationshintergrund bejahte die Frage, nämlich immerhin 18 Prozent.

Angeschlossen daran wurde nach der Beliebtheit der Kanzlerin im Vergleich zu den Regierungsführern im zweiten Heimatland gefragt. Angela Merkel schnitt dabei bei Deutschtürken besser ab als Recep Tayyip Erdogan. Bei den Russlanddeutschen war sie wiederum weniger beliebt als Wladimir Putin.

Von Jean-Marie Magro/RND

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Welt