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Welt Bundeswehr sperrt Steinzeitgräber
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20:37 11.10.2018
Bedeutendes Kulturdenkmal: Die Siebensteinhäuser bei Ostenholz. Quelle: Carola Faber
Ostenholz

Die Siebensteinhäuser, ein vor drei Jahren aufwändig saniertes Kulturdenkmal aus der Jungsteinzeit, sind auf unbestimmte Zeit für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Die Bundeswehr begründet die Sperrung der rund 5000 Jahre alten Großsteingräber auf dem Truppenübungsplatz Bergen mit personellen Engpässen. Bisher sei die vier Kilometer lange Zufahrtstraße vor den Besucherwochenenden regelmäßig nach Blindgängern und Munitionsresten abgesucht worden, sagte ein Sprecher der HAZ. Dabei müsse stets ein aus zwei Personen bestehender Sanitätstrupp vor Ort sein: „Dies kann aktuell nicht durchgängig gewährleistet werden.“ Das Bundesverteidigungsministerium arbeite an Lösungen.

Bürgermeister sind alarmiert

Etliche Auto- und auch Radfahrer stehen dieser Tage enttäuscht vor der Bundeswehrschranke in Ostenholz. Der Weg vorbei am Wachhäuschen zu dem beliebten Ziel auf dem Truppenübungsplatz, üblicherweise an jedem Wochenende geöffnet, ist seit August –und auch jetzt in den Herbstferien –versperrt. Vertreter umliegender Kommunen, die die Großsteingräber als historisches Kulturgut touristisch vermarkten, zeigen sich alarmiert. „Wir wünschen uns den Tag herbei, an dem das wieder geöffnet wird“, sagt etwa Rainer Prokop, Bürgermeister in Bergen (Kreis Celle). Andreas Ege, Ortsvorsteher des Gemeindefreien Bezirks Osterheide am Rand des Militärgeländes, unterstreicht: „Es ist schade, es ist eins der Highlights in unserem Bezirk.“ Die Hinweise im Internet auf die Sperrung seien nicht leicht zu finden: „Man muss sich die aktuellen Schießwarnungen ansehen.“

Karin Thorey, Bürgermeisterin in Bad Fallingbostel (Heidekreis), hat ihrem Unmut in einem Brief an Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen Ausdruck verliehen und gefordert, „unverzüglich wieder an den Wochenenden die Freigabe zum Besuch zu ermöglichen“. „Die Siebensteinhäuser sind eine der eindrucksvollsten und bekanntesten Gruppen von Großsteingräbern“, sagt Thorey. Seit Anlegung des Truppenübungsplatzes Bergen Mitte der 1930er Jahre seien stets Bemühungen unternommen worden, einen Besuch des Kulturdenkmals zu ermöglichen. Auch Angehörige von Familien, die einst aus militärischen Gründen vom Truppenübungsplatz zwangsumgesiedelt wurden, hätten daran großes Interesse.

Siebensteinhäuser sind ,,archäologisch sehr bedeutend“

Zum Schutz der Megalithgräber aus mächtigen Findlingen wurden eigens Wälle aufgeschüttet. Es sind fünf Grabanlagen, die Sieben im Namen soll sich von der mystischen Bedeutung der Zahl ableiten. Zuletzt wurde die Grabanlage nach dem Einsturz eines tonnenschweren Grabes von Mai bis August 2015 aufwändig saniert, nachdem sie vom Landesamt für Denkmalpflege als eines der am besten erhaltenen Megalith-Gräber in Europa und „aus archäologischer Sicht sehr bedeutend“ begutachtet worden waren. Wie ein Sprecher der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Eigentümerin des Truppenübungsplatzes auf Anfrage mitteilt, ließ man sich die Instandsetzung 184.000 Euro kosten: „Dies geschah natürlich auch im Interesse der kulturellen und touristischen Bedeutung für den Heidekreis.“

Im Dialog mit der Anrainerstadt Bad Fallingbostel erklärte sich die Bundeswehrkommandantur bereit, zumindest am Tag des Offenen Denkmals im September eine Ausnahme zu machen und die Siebensteinhäuser zu öffnen. Sie heuerte Sanitäter aus der Region an, um Zufahrt und Parkplatz zuvor auf Munition absuchen zu können. Der Stadt liegt mittlerweile auch ein Antwortschreiben aus dem Bundesverteidigungsministerium vor. „Die erforderliche sanitätsdienstliche Unterstützung durch Mittel und Kräfte der Bundeswehr“ könne im Gegensatz zu früher zurzeit nicht gewährleistet werden, heißt es darin. Das Ministerium bemühe sich aber, „die Einschränkung so schnell wie möglich aufzuheben“. Ob die Personalknappheit bei den Sanitätern ein Grundsatzproblem ist, blieb offen. Vor zwei Jahren waren Schwierigkeiten der Bundeswehr bekannt geworden, ihre Stellen im Gesundheitsbereich zu besetzen.

Von Gabriele Schulte

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