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Welt Seehofer während des WM-Spiels in den Bundestag zitiert
Mehr Welt Seehofer während des WM-Spiels in den Bundestag zitiert
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20:11 27.06.2018
Innenminister Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch im Bundestag. Quelle: dpa
Berlin

Unterstützer und Gegner der Flüchtlingsretter im Mittelmeer haben sich im Bundestag lautstark gestritten – auch wenn viele Plätze während des Spiels der deutschen Nationalmannschaft leer blieben. Besonders pikant: Die Grünen-Abgeordnete Steffi Lemke sorgte mit einem Geschäftsordnungsantrag dafür, dass Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) während der Debatte herbeizitiert wurde – die Aussprache lief parallel zum WM-Spiel Deutschland gegen Südkorea, das Seehofer zu diesem Zeitpunkt anschaute.

Seehofer sagte: „Über die Aufnahme von Migranten und Flüchtlingen entscheiden nicht die Schlepper, sondern demokratisch gewählte Regierungen.“ Seehofer betonte, durch eine mögliche Aufnahme der 234 Migranten von der „Lifeline“ in Europa dürfe kein „Präzedenzfall“ geschaffen werden.

Streit im Bundestag über Flüchtlingsretter

Auch ohne Fußball ging es ansonsten rund im Bundestag: Michel Brandt von der Linkspartei rief den Abgeordneten der Union am Mittwoch mit hochrotem Kopf zu: „Hören Sie endlich auf, diese mutigen Leute wie Kriminelle zu behandeln.“

Thorsten Frei (CDU) lobte daraufhin ironisch Brandts „kabarettreife Leistung“. Er sagte, Schiffbrüchige müssten zwar gerettet werden. Sie hätten aber keinen Anspruch darauf, an ein europäisches Ufer gebracht zu werden. Die sogenannten Seenotretter ermunterten die Migranten durch ihre Tätigkeit, ihr Leben auf dem Meer zu riskieren, sagte Frei. Den Abgeordneten der Linken, die seine Rede pausenlos kommentierten, rief er zu: „Quatschen Sie nicht die ganze Zeit dazwischen, das ist ja unerträglich.“

Auch Aydan Özoguz (SPD) und Luise Amtsberg (Grüne) lobten die Besatzung des Rettungsschiffes „Lifeline“. Özoguz sagte: „Ich kann überhaupt nicht verstehen, wie man diese Menschen hier kriminalisieren kann.“ Das Schiff eines deutschen Hilfsvereins erhielt am Mittwoch die Erlaubnis, einen maltesischen Hafen anzusteuern. Das Schiff soll aber beschlagnahmt werden.

Von seb/RND/dpa